Coroner: neues Album noch in diesem Jahr

Nach 27 Jahren neues Material aus der Schweiz

In den 80er Jahren gab es in der Schweiz nur eine Handvoll herausragender und stilprägender Bands, darunter Coroner und Celtic Frost. Die Thrash Metaller von Coroner gründeten sich 1983 in Zürich und bestanden in der frühen Inkarnation aus Peter Attinger (Vocals), Phil Pucztai (Bass), Markus „Marky“ Edelmann (Drums), Tommy Ritter (Guitars) und Oliver Amberg (Guitars). Die ersten Gehversuche klangen noch stark nach Bands wie z.B. Mötley Crüe. Beide Bands kamen aus Zürich und waren auch recht eng miteinander verbunden, denn Celtic Frost Sänger- und Gitarrist Tom Gabriel Fischer steuerte zum ersten Coroner Demo Detph Of Hell mehr als nur ein paar Vocals bei. Gitarrist Oliver Amberg wechselte dann ab 1988 auch zu den frostigen Kelten. Die Gerüchte, dass Gitarrist Tommy T. Baron alias Tommy Vetterli, der Amberg 1985 bei Coroner ersetzte, und Schlagwerker Marquis Marky alias Markus Edelmann auch als Roadies mit Celtic Frost auf Tour waren, stimmen dagegen nicht.

Die Demos Death Cult (1986) und R.I.P. (1987) wurden als Trio mit Tommy T. Baron (Guitars), Ron Royce alias Ronald Broder (Vocals, Bass) und Marquis Marky (Drums) eingespielt. Wie die Kollegen von Celtic Frost wurden auch Coroner schon Mitte der 80er Jahre von Noise Records unter Vertrag genommen, mit denen man dann 1987 das Debütalbum R.I.P. veröffentlichte. Das im Death Metal verwurzelte Debüt verkaufte sich über 50.000 Mal und konnte durchaus gute Kritiken einfahren. Die frühen Coroner wurden oft mit Celtic Frost verglichen, obwohl die eigenen Trademarks schon vorhanden waren. Eine geplante Tour mit M.O.D. wurde abgesagt.

Das zweite Album Punishment For Decadence (1988) ging dann aber schon stark in Richtung Technical Thrash Metal mit progressiven Elementen. Das Album enthielt auch eine sehr eigenwillige Version des Jimi Hendrix Klassikers Purple Haze. Da die Schweizer keine gültige Arbeitserlaubnis vorlegen konnten, musste auch diesmal eine geplante Tour mit Sabbat und Rage im letzten Moment wieder abgesagt werden, sodass sich vermehrt Mythen und Gerüchte um das Trio verbreiteten, doch später im Jahr erfolgten dann endlich erste Auftritte im Vorprogramm von Sacred Reich.

Mit dem dritten Album No More Color (1989) machte man dann einen deutlichen Schritt nach vorne und erste Vergleiche mit Bands wie Voivod und Holy Moses wurden laut. Im Anschluss absolvierte man dann auch eine erste Headliner-Tour mit den progressiven Techo Thrash Legenden WatchTower, bevor es dann im Vorprogramm von Motörhead durch die USA ging. 1990 erschien das Video No More Color Live In East Berlin, das von den ersten Großtaten berichtete.

Das folgende Werk Mental Vortex (1991) gilt bis heute als Referenzalbum der Schweizer, welches man sogar von Tom Morris in Florida abmischen ließ. Wieder befand sich mit I Want You (She`s So Heavy) eine eigenwillige Coverversion auf dem Album, im Original von den The Beatles. Dennoch ging das Album in der Metalszene leider etwas unter, da Metallica zeitgleich das Black Album raushauten. Die Unterstützung von Noise Records ließ immer mehr nach und schlief beim folgenden Studioalbum Grin (1993) fast völlig ein. Erneut wurde von Tom Morris (u.a. Morbid Angel, Crimson Glory) in den USA abgemischt und man ging den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Eine Europatour als Support für Annihilator rundete die Sache ab.

Enttäuscht gab die Band auf, musste jedoch 1995 noch das Best of Album Coroner abliefern, um den Vertrag mit Noise Records zu erfüllen. Es befanden sich noch vier neue Songs auf der Best of Compilation, wobei Drummer Marky Edelmann nur noch auf einem zu hören war, bei den anderen drei Songs wurde er durch Peter Haas (Ex-Krokus, Calhoun, Mekong Delta) ersetzt. 1996 tourten Coroner auf der Farewell Tour durch Frankreich und die Schweiz, wo noch das Tape The Unknown (Unreleased Tracks 1985-1995) verkauft wurde. Dann wurde die Band aufgelöst und kaum war sie offiziell zu Grabe getragen, häuften sich Angebote anderer Labels, welche jedoch durch die Band abgelehnt wurden. Tommy Vetterli war zwischenzeitlich mit seiner neuen Band Clockwork beschäftigt und half für Jim Martin (Ex-Faith No More) bei Phillip Boa`s Voodoo Cult aus. Markus Edelmann arbeitete als Session-Musiker, bis er dann 1996 Tom Gabriel Fischers neuer Band Apollyon Sun beitrat. Vetterli ging 1999 zu Kreator. Ronald Broder ging zurück in das Malergeschäft seines Vaters und trat musikalisch nicht mehr in Erscheinung.

2005 gab es erste Reunion-Gerüchte, welche aber von der Band nach einem Treffen dementiert wurden. Erst 2010 begann man wieder zu proben und entschied, in der Besetzung Vetterli, Broder und Edelmann auch wieder aufzutreten. Die Band spielte etliche Festivals und 2012 die 70.000 Tons Of Metal Kreuzfahrt, was aber dennoch nur einzelne Auftritte und keine Reunion sein sollten. Dennoch wurde die Produktion eines neuen Albums nicht kategorisch ausgeschlossen. 2014 wurde Drummer Edelmann durch Diego Rapacchietti (69 Chambers, Ex-Eluveitie, Ex-Paganini … u.a.) ersetzt. 2016 erschien die DVD Autopsy: The Years 1985 – 2014 In Pictures.

Nun, 27 Jahre nach dem letzten Studioalbum Grin (1993), soll es doch tatsächlich ein neues Coroner Album geben, was nach so langer Zeit fast einer Sensation gleich kommt. Kurz und knapp wurde dieser Tage via Facebook mitgeteilt, „What you’ve been waiting to hear!!! @CoronerBand is going to record a NEW album *this year*. Keep checking back for updates!“. Offenbar ist man wieder hungrig und will noch einmal durchstarten, denn neues Material soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

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