Dea Velata: haben neue Videosingle „Daemon“ veröffentlicht

Manchmal ist die Gegenwart einfach eine entscheidende Spur zu gegenwärtig, um uns, die wir uns in ihr bewegen, noch vollumfänglich abzuholen. Da wundert es nicht, dass wir Menschen es wie keine andere Spezies auf unserem Planeten geschafft haben, von der Realität in die Welt der Mythen und Geschichten, von unserem kleinen erlebbaren Zeitabschnitt in die Zukunft oder – wie es Angela Hicks, Gabby Abularach (ex-Cro-Mags) und Stefano Losi von Dea Velata anbieten – tief in die audiovisuellen Qualitäten der mythischen Vergangenheit zu entfliehen.
Und mit ihrem neuesten Wurf, der Videosingle Daemon ist ihnen das erneut trefflich gelungen – mit einem kleinen Twist. Durch seinen intensiven Groove und die deutlich vorhandene Moshbarkeit hebt das Stück sich vom Ende letzten Jahres veröffentlichten Album Dea Velata ab, das ganz im Zeichen der griechisch-römischen Antike verwurzelt ist und weitgehend von Gabbys wie eine antike Lyra gestimmter Konzertgitarre und der sakral anmutenden, klassisch trainierten und in unzähligen Opernauftritten vergoldeten Stimme von Angela getragen wird.
In Daemon trifft nun die neoklassische Musik Dea Velatas auf einen fetten, getragen dahinschleppenden Epic Doom Metal mit symphonischen Momenten in einer sehr eleganten Gratwanderung zwischen Antike und Moderne. Was extrem für das Trio spricht ist ganz klar, dass man sich nach dem ersten Hördurchlauf mit Blick auf die Titellänge verwundert die Augen reiben möchte: Hat das alles eben wirklich in weniger als 5 Minuten stattgefunden? Es hat, und damit erbringen Dea Velata den Beweis, dass sich ein waschechtes Epos mit Intro, Outro und mehreren starken musikalischen Wendungen tatsächlich miniaturisieren lässt.

Und wer sich jetzt fragt, warum man einer niederen Kreatur wie einem Dämon überhaupt ein – wenn auch noch so kleines – Epos widmen sollte, der muss jetzt nicht direkt zum dicken Platon greifen; Gabby selbst hilft eben aus: “Dieses Stück erforscht die Geburt, das Auftauchen und die Transformation des Daimon – nicht zu verwechseln mit einem ‘Dämon’ oder bösen Geist. Der Daimon hat seine Wurzeln in der antiken Welt und ist eine ewige, großartige und absolute Kraft. Als Geist der Macht und Präsenz übersteigt er die Zeit und verkörpert die göttliche Essenz der Existenz selbst.”
Unser heutiges Dämonenbild wurde, so wie wir es kennen, erst durch das Christentum etabliert, wobei vieles darauf hindeutet, dass in der Tat das gute Geistwesen aus der Antike, das mit dem Menschen geboren wird, ihn ein Leben lang begleitet und vor schlimmen Fehlern bewahrt, um ihm nach dem Ableben in die nächste Welt zu verhelfen, leider zum Opfer des Wunsches nach einer klaren Zuteilung von Gut und Böse geworden ist. Gut, dass es noch fahrende Musikanten gibt, die sich gegen den vermutlich ältesten Trend der Menschheitsgeschichte stellen.

Das neoklassische, metal-angehauchte Album Dea Velata ist weltweit auf allen Streaming-Plattformen erhältlich.

Weitere Infos zur Band und zum Album könnt ihr hier nachlesen:

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