DeWolff – Tascam Tapes

Ein Low Budget Projekt mit High Level der niederländischen Psychedelic Rocker

Artist: DeWolff

Herkunft: Geleen, Niederlande

Album: Tascam Tapes

Genre: Psychedelic Rock, Bluesrock

Spiellänge: 32:06 Minuten

Release: 10.01.2020

Label: Mascot / Rough Trade

Link: https://www.dewolff.nu/

Bandmitglieder:

Gitarre – Pablo van de Poel
Schlagzeug – Luka van de Poel
Keyboards – Robin Piso

Tracklist:

  1. North Pole Blues
  2. Blood Meridian I
  3. It Ain’t Easy
  4. Rain
  5. Made It To 27
  6. Nothing’s Changing
  7. Let It Fly
  8. Blood Meridian II
  9. Awesomeness Of Love
  10. Love Is Such A Waste
  11. Am I Losing My Mind
  12. Life In A Fish Tank

Das ist schon eine Menge an Pensum, das die niederländischen Rocker DeWolff leisten. Benannt nach der Figur The Wolf im Tarantino Film Pulp Fiction ist die Band um die Brüder Luka van de Poel (Schlagzeug), Pablo van de Poel (Gitarre) und Keyboarder Robin Piso seit 2007 unterwegs. 2018 gewannen die Teenies (Luka 14 Jahre, Pablo 16 Jahre und Robin 17 Jahre alt) einen landesweiten Talentwettbewerb und erhielten einen Plattenvertrag.

Ich lernte die sympathischen Jungs vor ein paar Jahren als Support der Blues Pills kennen. Damals mir noch unbekannt, spielten sie quasi Blues Pills in Grund und Boden. Letztes Jahr habe ich DeWolff auf dem Freak Valley Festival in Netphen gesehen, wo sie kurzfristig für The Obsessesd einsprangen und das Festival wahnsinnig rockten.

Bei ihrem neuen Label Mascot legten sie im letzten Jahr mit dem Studioalbum Thrust einen super Einstand hin, unter anderem befand sich Thrust in den Top Ten in den Niederlanden und wurde sowohl vom Publikum, als auch von den Kritikern hoch gehandelt. Anschließend ging man auf Tour und schnitt das ebenfalls 2019 veröffentlichte Livealbum Live & Outta Sight II mit.

Nun also erneut beim Mascot Label die Tascam Tapes, erhältlich als CD, schwarzen Vinyl und als limitiertes farbiges Vinyl in Orange und Weiß. Weil das Album so retro ist, ist es auf Kassette ebenfalls erhältlich!

Bereits während der Konzertreisen zur Promotion von Thrust begannen die Aufzeichnungen für das nun vorliegende Album Tascam Tapes, welches in seinem Entwicklungsprozess etwas ganz anderes werden sollte, was die Band bisher gemacht hat. Das gesamte Songwriting der Tracks fand während der laufenden Tour statt. Aufgenommen wurden die Tracks im Bandbus, in den Hotels, Backstage in Clubs, oder einfach irgendwo unterwegs am Straßenrand. Als Equipment diente neben dem namengebenden, von Pablo van den Poel vor langer Zeit für 50 Dollar erworbenen, Kassettenrekorder lediglich eine Gitarre, ein Mikrofon, ein Sampler mit diversen darauf gespeicherten Soul-Drumbreaks, sowie ein batteriebetriebener alter Synthesizer. Pablo van den Poel beschreibt die Tascam Tapes als Musik von DeWolff in einer Art, wie sie bisher noch nie zu hören gewesen sei, und er erklärt: „Es war einfach Zeit dafür, mal etwas völlig anderes zu machen, und dabei hatten wir reichlich Spaß.“

Also, wenn das so einfach und so günstig ist, was Geiles zu machen, dann frage ich mich doch tatsächlich, wieso manche Bands ein riesiges Budget für ihre Aufnahmen zur Verfügung haben!?

Ich kann die Jungs von DeWolff nur dazu beglückwünschen, dass sie diese Schnapsidee konsequent verwirklicht haben und uns eine kreative halbe Stunde Musik bescheren, die aus dem Low Budget Bereich kommt. Das Ergebnis ist dann wirklich auf High Level.

Hier steht eindeutig die Musikalität und Kreativität der Protagonisten im Vordergrund. Man hört förmlich, dass die Jungs bei der Produktion Spaß hatten. Ein total inspirierender Sound.

Ungefilterte bluesig funkige Experimente wie der Opener North Pole Blues oder das abschließende Life In A Fish Tank kommen genauso geil ins Ohr wie die Songs, die nur so vor Funk und Soul knistern (zum Beispiel Blood Meridian I oder Made It To 27 als Anspieltipps). Oder hört euch doch einfach mal den Disco Soul Hit It Ain’t Easy an, da würde sogar John Travolta drauf tanzen. Ich kann mir schon vorstellen, wie live da die Hüften wippen.

Ein Song wie Rain ist einfach nur schön und berührt direkt die Seele. Eine schmachtende Soulballade.

Auf Blood Meridian II heben die Jungs sogar psychedelisch spacig ab, während Love Is Such A Waste regelrecht hypnotisiert und Am I Losing My Mind eine vor Schmalz triefende Ballade ist. Die wird jedoch so genial vorgetragen und passt zum Gesamtkonzept der Platte so hervorragend, dass ich sogar das Schmalz den Jungs verzeihen kann.

Die aktuelle Corona-Pademie hat die Jungs von DeWolff schwer getroffen. Die Anfang März begonnene Promotour mit Terminen in Deutschland zu Tascam Tapes musste leider gecancelt bzw. verschoben werden. Die Vollblutmusiker stehen nun vor schwierigen Zeiten.

Ihr Statement hierzu:

“We embarked on our new tour to promote the Tascam Tapes on March the 8th. After our first show in Prague, Czech, all of the other shows of this tour started being cancelled, one by one. Budapest, Vienna, Graz… We drove to all these places but all to no avail: due to the Coronavirus all of these shows got cancelled. Now all of our shows until the 1st of April are cancelled for sure and there’s a big chance that our whole tour in April also gets cancelled. If this happens, it will be disastrous for us: we will be broke.

It’s only money; we understand there’s people in the world that are in situations that are waaaay worse. But it’s aways good to help each other out in situations like these. We normally never do this kind of thing, but given the situation we’re in, we see no other option than asking for your help.”

Am 14.03.2020 spielten DeWolff ein Livestreaming Konzert zusammen mit der Band Grand East, die sie ebenfalls auf der Tour begleiten sollte. Den Stream kann man sich hier for free anschauen: https://www.facebook.com/dewolfficial/videos/243211650172646/

Gleichzeitig riefen DeWolff eine Go Fund Me Kampagne ins Leben, um den Bestand der Band zu sichern! Wer kann/mag, darf sich natürlich gerne an der Kampagne beteiligen und den sympathischen Jungs ein paar Euro spenden. Sie werden es euch auf jeden Fall mit toller Musik zurückgeben. Hier der Link zur Kampagne.

DeWolff – Tascam Tapes
Fazit
DeWolff überraschen mit einem ultimativen Retro Blues-Soul-Funk Kracher. Mit solch einem Ding hätte ich bei den sympathischen Niederländern jetzt überhaupt nicht gerechnet. Da hätte vlt. auch Motown oder später auch Prince mitmischen können. Funkige Grüße vernehme ich sogar von Johnny Guitar Watson. Eine tolle Low Budget-Scheibe, die im Ergebnis absolut High Level ist. Gewagtes und tolles Experiment des Trios und vielen Dank für das Festhalten auf Vinyl.

Anspieltipps: North Pole Blues, Blood Meridian II und Life In A Fish Tank
Juergen S.
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