Dragonforce, Frozen Crown und Athanasia am 15.02.2020 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Extreme Power Metal, nicht nur für Hardcore-Video-Gamer

Event: Extreme Power Metal Europe 2020 Level I

Headliner: Dragonforce

Support: Frozen Crown, Athanasia

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 15.02.2020

Kosten: 42,00 CHF VVK

Besucher: ca. 1.300

Genre: Extreme Power Metal, Power Metal, Heavy Metal, Death Metal, Thrash Metal, Black Metal

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch und Good News Productions AG https://www.goodnews.ch

Link: https://www.facebook.com/events/382534652611781/

Setlisten:

Athanasia:
01. Obelisk
02. Silver Compass
03. Spoil Of Wars
04. Cyclops Lord
05. Under The Sign
06. Read Between The Lines
07. Nightmare Sound

Frozen Crown:
01. Arctic Gales
02. Neverending
03. Fail No More
04. In The Dark
05. Everwinter
06. Kings
07. I Am The Tyrant
08. Netherstorm
09. The Shieldmaiden

Dragonforce:
01. Highway To Oblivion
02. Fury Of The Storm
03. The Last Dragonborn
04. Ashes Of The Dawn
05. Heart Demolition
06. Video Game Medley
07. Banjo Solo / Guitar Solo
08. Black Fire
09. Razorblade Meltdown
10. Cry Thunder
11. Remenbrance Day
12. Valley Of The Damned
13. My Heart Will Go On (Celine Dion Cover) (Zugabe)
14. Through The Fire And Flames (Zugabe)

Das megalange Wochenende in der Konzertfabrik Z7 geht weiter, nachdem gestern schon Nightwish Bassist Marco Hietala auf dem Programm stand, geht es heute weiter mit Dragonforce, bevor morgen dann Hammerfall ein lautes Wochenende beschließen. Dragonforce sind zweifellos die schnellste Band der Welt und wurden völlig zu Recht schon für den Grammy nominiert. Des Weiteren sind die Briten unangefochtener Rekordhalter, wenn es darum geht, welche Band die meisten zerstörten Guitar Hero Controller zu verantworten hat, denn ihr 2005 erschienenes High Speed Massaker Through The Fire And Flames stellte die allermeisten Zocker der Spielreihe vor eine nahezu unlösbare Aufgabe und sorgte für tief sitzende Frustmomente, die nicht wenige Gamer an der dazugehörigen Plastikgitarre abließen. Jedoch ist die Band auch bekannt für viele technische Probleme und unorganisierte Bühnenshows …, man wird sehen, was der Abend bringt.

Bevor es allerdings Extreme Power Metal auf die Ohren gibt, dürfen erst einmal zwei Supportbands ran. Relativ pünktlich gegen 20:00 Uhr ist es dann so weit – das US Power Trio Athanasia entert die Bühne und steigt direkt mit Obelisk in sein Set ein. Während des ersten Songs haben die Jungs mit ein paar Soundproblemen zu kämpfen, jedoch bekommt man diese relativ schnell in den Griff. Die Jungs sind keine ganz Unbekannten mehr in Pratteln, bereits im Mai 2017 beackerten sie im Vorprogramm von Civil War das Mini-Z7 und wussten zu begeistern. Nachdem gestern Abend Nightwish Bassist Marco Hietala und Supportband Oceanhoarse mit einem Minimalpublikum von gerade einmal 250 Nasen zu kämpfen hatten, zeigt sich heute Abend ein ganz anderes Bild vor der Bühne. Oftmals stehen die Leute im Z7 lange draußen und kommen erst für den Hauptact des Abends rein, doch heute haben sich schon für die erste Supportband eine ganze Reihe Headbanger versammelt. Die dreiköpfige Band aus der Nähe von Los Angeles bezeichnet ihren Sound selbst als Arena Heavy Metal, doch tatsächlich sind die US-Amerikaner gar nicht so leicht in eine Schublade einzuordnen. Definitiv dröhnt hier gerade einer der interessantesten Crossover-Sounds von der Bühne, der mir seit Langem untergekommen ist. Das Power-Trio, das aus Gitarrist und Sänger Caleb Bingham (Nightmare, Ex-Five Finger Death Punch, Ex-Ascension, Ex-Grave Plague, Ex-Dim7, Ex-Zonaria), Bassist und Sänger Christopher Davidsson (Majestica) und Schlagwerker Dan Brooklyn (Selfmachine, My Inner Peace, Ex-Out Of The Way) besteht, vermischt hier extrem hymnischen Breitband-Stadion-Hardrock mit druckvollem Power Metal und mit Bay Area Thrash und skandinavischem Black Metal. Die Band hatte einen nicht ganz leichten Start, denn Bandgründer Bingham musste die Band mehrfach wieder auflösen und wiederbeleben, doch mittlerweile scheint man sich auf dem rechten Weg zu befinden. Allerdings hat sich wohl in jüngster Vergangenheit das Line-Up verändert, denn nach meinem letzten Wissenstand agierte die Band zuletzt mit Gitarrist und Sänger Caleb Bingham, Bassist und Sänger Brandon Miller und Drummer Jason West. Die Veränderungen sind an mir bisher völlig vorbeigegangen, doch auch das jetzige Power-Trio präsentiert sich als eingespieltes Team. Leider steht dem Trio nicht allzu viel Platz zur Verfügung, da zwei Drittel der Bühne mit Dragonforce Equipment belegt ist, doch auch ohne großen Bewegungsspielraum macht man hier das Beste aus der Situation. Songs wie Silver Compass, Spoil Of Wars und Cyclops Lord kommen beim Publikum bestens an und sorgen schon früh für eine aufgeheizte Stimmung vor der Bühne. Es wird laut gegrölt und Fäuste fliegen wie Dampfhämmer in Richtung Decke, während viele ihr Haupthaar wild fliegen lassen. Selten wird hier eine der Vorbands so gefeiert, wie der Dreier aus den USA. Sowohl Bingham als auch Davidsson beherrschen den Wechsel zwischen klaren, epischen Melodic-Vocals und bösem Satanisten-Gekeife perfekt und es klingt überaus stimmig. Doch auch optisch machen die drei, ganz in Leder gekleidet einiges her, ob nun Bingham mit seiner Spiegel-Gitarre, Davidsson mit seinem wilden Waldschrat-Bart, der ihm im Ventilator-Sturm wild durch sein Gesicht fliegt, oder auch Brooklyn, der im Hintergrund an den Drums eine beeindruckende Show abzieht. Auch Under The Sign kann begeistern und sorgt für Bang-Attacken im Publikum, doch das Highlight ist ganz klar Read Between The Lines, ein kraftvoller und elektrisierender Song, der die Fans noch einmal ordentlich durcheinanderwirbelt. Leider ist nach gut 30 Minuten schon Schluss und so beendet Nightmare Sound einen genialen Auftritt, der zum Schluss noch einmal ordentlich bejubelt wird. Auch wenn der relativ harte Sound des Trios nicht so ganz zum Rest des Abends passt, ich glaube, ich stehe nicht alleine damit, wenn ich hier behaupte, es hätte gerne noch eine Weile so weitergehen können. Die Jungs haben richtig Spaß gemacht!

Im Gegensatz zu Athanasia beehren die Italiener von Frozen Crown heute zum ersten Mal das Z7, dennoch füllt sich der Bereich vor der Bühne schon während der Umbaupause noch mehr. Offenbar hat es sich herumgesprochen, dass es sich um eine Female Fronted Band handelt und die funktionieren in der Konzertfabrik merkwürdigerweise immer. Die erst 2017 in Mailand gegründete Band konnte bereits im Vorprogramm der letztjährigen 3 Ways To Magick Tour von Elvenking auf sich aufmerksam machen und so ist das Interesse heute ziemlich groß. Die Italiener stürmen die Bühne und steigen mit Arctic Gales in ihr Set ein, einer Nummer aus ihrem Zweitwerk Crowned In Frost aus dem letzten Jahr. Das erste Erscheinungsbild ist ansprechend, denn die Band, die aus drei Herren, einer blonden Frontfrau und einer kaffeebraunen Bassistin besteht, ist auf recht engem Raum gut aufgestellt. Obwohl auch der italienische Power Metal Fünfer anfangs mit Soundproblemen zu kämpfen hat, ist die Stimmung im Publikum dennoch gleich auf einem recht hohen Level angesiedelt. Auch ist gleich von Beginn an viel mehr Bewegung auf der Bühne auszumachen, als noch zuvor bei Athanasia. Frontfrau Giada „Jade“ Etro ist ziemlich agil unterwegs und puscht das Publikum immer mehr an. Schon während der nächsten Songs Neverending und Fail No More bekommt man die Soundprobleme in den Griff und obwohl ich durchaus Female Fronted Power Metal Bands mag, will bei mir der Funke nicht so recht überspringen. Ob es nun an der relativ unspektakulären Stimme von Giada liegt, oder daran, dass die Gute teilweise etwas verloren und introvertiert wirkt, kann ich gar nicht mal sagen. Ich weiß, dass sie bei einigen Studioaufnahmen gar nicht mal schlecht klingt, doch dass kann sie heute Abend leider überhaupt nicht rüberbringen. Hier und da liegt sie immer mal wieder völlig neben der Spur und trifft auch vereinzelt die Töne nicht, begeistern kann dagegen die durchaus temperamentvolle Performance von Gitarristin Talia Bellazecca, die in ihrem heißen Outfit und mit ihrer Linkshänder-Gitarre die Aufmerksamkeit voll und ganz auf sich zieht. Ihr gelingt es auch, das Zusammenspiel mit den anderen Bandmembern dynamisch aufzubauen, sodass es Spaß macht, sie zu beobachten. So gelingt es ihr völlig problemlos, der eigentlichen Frontfrau Giada die Show zu stehlen. Wenn die Frau auch noch singen kann, was ich leider nicht sagen kann, dann wäre sie die perfekte Frontfrau für Frozen Crown. So aber plätschert das Ganze etwas vor sich hin, wobei die Songs, wie z.B. In The Dark oder I Am The Tyrant, keinesfalls schlecht sind. Was stimmt, ist allerdings die Energie, mit der sich der Fünfer präsentiert. Musikalisch bewegt man sich natürlich im Power Metal mit Einflüssen von klassischem Heavy Metal und leichtem Melodic Death Touch. All das ist allerdings meine ganz persönliche Meinung, denn das Publikum sieht all das etwas anders, denn die Italiener werden gut abgefeiert. Das Interesse an dem Auftritt ist richtig groß und die Stimmung ist ausgelassen, es wird gesungen und gefeiert. Auch optisch muss auf der Bühne ziemlich was geboten sein, denn die Handy-Fraktion ist im Dauereinsatz. Nach gut 45 Minuten geht der Spuk mit The Shieldmaiden zu Ende und die Band wird unter großem Applaus verabschiedet. Kann man sich mal geben, aber wesentlich interessanter war dann doch die erste Band. Nichtsdestotrotz werden die Italiener einige neue Fans im Gepäck mit nach Hause nehmen.

In der Umbaupause zum Hauptact gibt es dann Instruktionen für uns, denn wir dürfen nur für zwei Songs in den Fotograben und das auch nicht von Anfang an, weil ein paar Special-Effects geplant sind. Dragonforce starten mit einem endlosen Intro und einer Lasershow, bevor dann die Konfettikanonen erstmals abgefeuert werden. Nun ja, die Special-Effects halten sich arg in Grenzen, dennoch ist danach dann der Graben für uns frei und gewohntermaßen wird es den Fotografen bei den Briten nicht leicht gemacht, denn man hat mit extremen Gegenlicht und Nebel zu kämpfen. Das Publikum, durch zwei Supportbands, bestens aufgewärmt, feiert die Briten schon während des überlangen Intros frenetisch ab, als auf der Bühne noch gar nicht wirklich etwas passiert. Die Bühne selbst ist natürlich wieder der übliche Hingucker für alle Gamer, denn rechts und links stehen die beiden bekannten Arcade Spielautomaten, während im Hintergrund der Drache positioniert ist und auch die Videoleinwand, auf der dauernd Videospiel-Sequenzen und alte Werbung für Konsolen laufen, ist im Hintergrund der Bühne wieder mit am Start. Irgendwie ist alles wie gehabt, die Gitarristen Herman Li und Sam Totman besteigen die Arcade Automaten und die Band steigt mit dem aktuellen Highway To Oblivion ein. Sofort fällt auf, dass der Sound, im Gegensatz zu den beiden Supportbands, perfekt ist. Spätestens mit dem folgenden Fury Of The Storm, mit dem die Zeitreise einige Jahre zurückgeht, haben Frontmann Marc Hudson und seine Mannen ihr Publikum fest im Sack und könnten sich ganz beruhigt zurücklehnen. Könnten, aber genau das tut man natürlich nicht, im Gegenteil, auf der Bühne wird nun ein wahres Extreme Power Metal Inferno entfacht. Auf der Bühne herrscht ordentlich Bewegung und auf einem Podest, das direkt am Bühnenrand aufgebaut ist, ist Abwechslung angesagt. Mal entert Hudson dieses und präsentiert sich dem Publikum, dann wieder liefern sich die Musiker hier packende Duelle. Obwohl der Auftritt erst zwei Songs alt ist, zeigen uns vor allem die Gitarristen ihr ganzes Können, feuern blitzschnelle Soli ins Publikum und posen auf dem vorgelagerten Podest um die Wette. Die folgenden 100 Minuten führen uns einmal quer durch die Dragonforce Veröffentlichungen, wobei das Hauptaugenmerk natürlich auf dem letzten Jahrzehnt und natürlich auch auf den aktuellen Extreme Power Metal Songs liegt. Optisch wird das Ganze mit Rauch- und Funkenfontänen und der Konfettikanone untermalt und natürlich auch mit dauerhaft hoher Lauf- und Bewegungsbereitschaft aller Bandmitglieder. Auch die Arcade Automaten rechts und links der Bühne werden immer wieder genutzt, mal dürfen sich Herman Li und Sam Totman dort oben austoben, aber auch Neu-Bassistin Alicia Vigil und Marc Hudson dürfen dort oben in die Saiten greifen. Zum Video Game Medley werden zudem auch noch die Frozen Crown Gitarristin Talia Bellazecca und Gitarrist Federico Mondelli zur Unterstützung auf die Bühne geholt, an das sich ein geiles Banjo/Guitar Solo anschließt. Auch wenn der Konzertabend heute nicht ausverkauft ist, so wird die Band von gut 1.300 Fans gnadenlos abgefeiert und der Auftritt wird zum wahren Triumphzug. Das offizielle Set geht dann nach gut 85 Minuten mit Valley Of The Damned zu Ende, doch braucht man kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der Abend nicht ohne Through The Fire And Flames zu Ende geht. Der Nachschlag folgt dann in Form des Celine Dion Covers My Heart Will Go On und natürlich in Form des eben genannten Guitar Hero Klassikers Through The Fire And Flames. Danach werden die Besucher rundum zufrieden in die Nacht entlassen. Ich werde auch heute Abend nicht zum großen Dragonforce Fan, aber es war eine solide Show ohne große Pleiten, Pech und Pannen.

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