„Wie mit angezogener Handbremse “

Headliner: Hatebreed

Vorband(s): Dying Fetus, Plague Cycle

Ort: Garage, Saarbrücken

Datum: 18.04.2017

Kosten: 30 € AK

Genre: Hardcore, Deathcore, Death Metal

Besucher: ca. 1500 Besucher

Veranstalter: Saarevent GmbH (www.saarevent.com)

Schon von draußen hört man kettensägenartige Gitarren und highspeed Getrommel. Es ist 19:15 Uhr. Beginn ist eigentlich erst 19:30 Uhr. Die Musik, die auf die Straße dröhnt, kommt aber definitiv nicht aus der Dose, sondern ist Live. Im Laden selbst herrscht einiges an Bewegung. Allerdings nicht vor der Bühne, sondern eher am Bierstand und beim Merchandise.

Das gleiche auf der Bühne. Die Saarländer von Plague Cycle stehen auf der Bühne, als wären ihre Schuhsohlen auf dem Boden festgenagelt worden. Dabei hätte ein wenig Bewegung auf der Bühne dem mittelmäßigen Deathcore ein wenig mehr mit Leben füllen können. 19:24 Uhr: Plague Cycle haben ihr Programm für heute beendet. 6 Minuten vor Beginn. Rekord??

Zwischen Local Support und Dying Fetus liegen knapp 20 Minuten Umbaupause. Umbaupause = Bierpause. Die Stimmung wird zunehmend euphorischer und als Dying Fetus die Bühne betreten, füllt sich die Halle schnell. Zurecht: Das Trio spielt ihr Programm nicht einfach nur runter. Das, was die Amerikaner musikalisch abliefern, gleicht eher einer Naturgewalt als einem Konzert. Dabei spielen die Drei erschreckend tight. Jede einzelne Note ist wirklich sehr beeindruckend. Ansonsten präsentieren die Death Metaller sich eher schnörkellos. Kurze Ansagen und wenig Bewegung sind auch hier anscheinend das bewährte Prinzip. Nach gut 45 Minuten haben Dying Fetus ihren Soll für den Abend erfüllt. Auf ins letzte Gefecht.

Und zwar mit vertrauten und sehr entspannten Tönen – Bad Boys von Bob Marley gibt’s als Einmarschmusik von Hatebreed auf die Ohren. Als Jamie Jasta und Co die Bühne betreten, ist es mit der Entspannung allerdings schnell dahin. Es kommt zum ersten Mal des Abends richtig Bewegung ins Publikum. Kein Wunder: Neben den Tracks vom neuen Album The Concrete Confessional dürfen Klassiker wie I Will Be Heard, This Is Now, To The Threshold etc. natürlich nicht fehlen. Auch wenn die Menge die Band feiert, hat man trotzdem das Gefühl, dass Hatebreed etwas mit angezogener Handbremse fahren. Es gibt die üblichen Gesten und Posen, das klassische Gehabe und die coolen Sprüche, aber wirklich aus sich raus gehen Hatebreed heute nicht wirklich. Müssen sie anscheinend auch nicht. Das Publikum feiert sie trotzdem ohne Unterlass. Dass die Meute auch bei angezogener Handbremse so steil geht, haben sich die fünf Jungs in über 20 Jahren Bandgeschichte hart erarbeitet. An diesem Dienstagabend erschüttern Hatebreed die Garage zwar nicht in ihren Grundfesten, aber sie bringen zumindest die Wände ein wenig zum beben.

Eine solide Show abliefern und die Meute zum schwitzen bringen – das können die Amerikaner also auch mit etwas weniger Power unterem Arsch wie sonst. Fürs nächste Mal wünsche ich mir jedoch wieder weniger Standardprogramm und mehr Vollgas. Dass sie das können, haben Hatebreed uns ja schon oft genug bewiesen.

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