Albumtitel und Bandname hören sich so heftig nach Kasperle-Theater an, dass Reinhören unausweichlich ist, schon wegen der zu erwartenden Lachkrämpfe. Der Facebook-Slogan Shredding Hair Metal Faster Than A Laser Bullet ist schon jetzt auf einem Niveau mit Just A Flesh Wound. Also, was tischen uns die vier Amis aus dem sonnigen San José von Heavy Metal Shrapnel nun auf? Also genau das, was das unterbelichtete Coverartwork verspricht: Hair Metal auf Speed, cheesy und triefend. Aber dem Mut zum schlechten Geschmack, den sie auf ihrem zweiten Full-Length Heavy Metal Hairspray beweisen, gebührt Respekt.
Schon die ersten Sekunden lassen den Schrecken in die Glieder fahren: Absolut auf Augenhöhe mit den Kollegen Steel Panther ballert die Band klassischen Hair Metal raus, der auch den Vergleich mit den großen Heroen aus den 80ern wirklich nicht scheuen braucht. Melodisch-theatralischer Gesang, hymnisch poppige Chöre, 08/15-Beat, hypermelodische Soli der schwedischen Schule à la Yngwie Malmsteen oder John Norum und auch mal Uptempo mit dröhnendem Double-Bass-Einsatz offerieren Heavy Metal Shrapnel und das 35 Minuten lang mit aller Ernsthaftigkeit, die das Lachen im Hals ersticken lässt.
So schlimm waren die Frisuren damals echt nicht
Souverän laden sie sämtliche musikalische wie auch lyrische Klischees, die im sämtlichen stählenden Haarnetz zu finden sind, in unseren Ohren ab. Und? Während sich die abgehalfterten Helden wie Ratt, Warrant oder Dokken mit Resteverwertung ihre Relevanz versuchen zu erhalten und sich im Licht vergangener Tage sonnen, sind Songs wie der Titelsong oder Dance In The Stars zwar nicht unbedingt eine Frischzellenkur für das Genre, aber sie wecken nachdrücklich den Metal-Popper mit Bandana und viel zu engen Jeans in einem.
Selbstverständlich kommen auch Heavy Metal Shrapnel nicht ohne eine ausladende Ballade aus. Der Titel sagt alles: When Love Isn’t Enough. Tränen- und Taschentuchalarm. Sobald die Feuerzeuge leer sind, darf bei Love Is A Racket (Baby Grab My Handle) ordentlich der Kopf geschüttelt werden. Ein Titel wie von einer KI ausgeworfen. Mark Boals lässt sich am Mikro auch nicht lumpen und gibt alles, von aggressiven Vocals, pathetischen Harmonien bis hin zu den ganz, ganz hohen Tönen, für die der Himmel – oder die Hölle – keine Grenzen kennt. Eine weitere Überraschung ist der passende, druckvolle Sound. Die moderne Technik macht’s möglich.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Heavy Metal Shrapnel – Heavy Metal Hairspray in unserem Time For Metal Release-Kalender.



