”Metal Bash Festival vom 03.05.2013 – 04.05.2013!”

Bands : Asphyx, Serum 114, Berserker, Hardbone, Kneipenterroristen, Dust Bolt, Dynamite Roadkill, Lonewolf, Emergency Gate, Spitfire, Blackest Dawn, Kamikaze Kings, Seita, Despise & Conquer, Total Violence und Devariem

Location: Schießsportanlage, Neu Wulmstorf

Homepage: http://www.metalbash.de/metalbash/index.php

Datum: 03.05.2013 – 04.05.2013

Kosten: 03.05.2013 VVK: 18 €; 04.05.2013 VVK: 23 €; 03.05.2013 – 04.05.2013: 30 €; Abendkasse für beide Tage: 40 €

Besucher: ca. 1000 (beide Tage)

Veranstalter: Remedy Records (http://www.remedyrecords.de/)

Freitag:

Nach dem schaurigen Frühlingswetter läutet das Metal Bash 2013 mit der ersten Kombo Drunken Swallows den deutschsprachigen Rockabend in Neu Wulmstorf bei Hamburg ein. Die Punkrocker aus Norddeutschland kombinieren klassische Rockelemente mit Punkeinflüssen. Wortlaut der Band: Sie wollen die tanzwütigen Besucher schon einmal „anficken“, um in ein musikreiches Wochenende zu starten. Nach 45 Minuten unterhaltsamer Showeinlage und 18 Grad bei kühlen Bier ist das Open Air in vollem Gange.

Die Berserker aus Berlin geben von der ersten Sekunde Gas und schlagen eindeutig härtere Töne als Drunken Swallows an. Mit Friss oder Stirb wird ein wilder Mob vor der Bühne erzeugt, der durch wehende Haare und ordentlich Interaktion gefeiert wird. Wie sollte es anders sein, Jeff Hannemann ist auch heute Abend ein Thema und so spielen Berserker gerne mal Klänge der Legende Slayer an. Die Berliner, die nicht nur tiefgründige Texte anbringen, sondern auch durch den an Krebs erkrankten Frontmann Schröder durch intime Ansprachen für Sympathiepunkte sorgen, bitten bei ihrem Auftritt alle darum, für krebskranke Kinder zu spenden. Dafür gehen die Berseker nach dem Gig selbst über das Gelände – eine wunderbare Aktion! Möge Schröder für immer geheilt sein! Musikalisch können die Männer definitiv in einem Mantel aus Rock und Thrash Metal überzeugen und haben so bestimmt den einen oder anderen Fan dazugewonnen.

Als die Kneipenterroristen, die Lokalhelden und Veranstalter des sehr organisierten Metal Bash Open Airs unter Flammen die Bühne betreten, wird es vor der Bühne kuschelig. Dicht gedrängt kann sich jeder, der die Hamburger aus der Nähe sehen möchte, nahe an den Ort des Geschehens bewegen. Durch ein intelligent aufgebautes Festival Areal kann die Bühne von jedem Punkt aus gemütlich eingesehen werden. Zu Beginn wird mit Holstenfetischisten und Was Für Eine Nacht vom Das Jüngste Gericht-Album gut vorgelegt. Langweilig wird es jedoch über die eineinhalbstündige Show nie – die routinierten Musiker haben das Publikum fest im Griff. Immer wieder stechen glühende Flammen in die Abenddämmerung, während 13 Freunde über den Acker erklingen. Währen die Anwesenden durch die Hölle und zurück gehen, zocken Jörn, Martin, Goofy und Karsten zwei neue Stücke: Prost und Pornostar. Diese werden lautstark mit den Anhängern gefeiert. Eine gute Interaktion von Jörn mit seinen Fans ist so selbstverständlich wie die letzten Songs So Sind Wir und Terpentin, die im Original aus den Federn der Böhsen Onkelz stammen.

Den Abschluss des ersten Abends machen nach den Kneipenterroristen die Punkrocker von Serum 114 aus Frankfurt am Main, die ohne Kompromisse auf die Frei.Wild-Schiene abfahren und dabei nicht nur musikalisch, sondern auch optisch in die Fußstapfen der Österreicher treten. Nach den gelungenen Auftritten im Vorfeld hätte ich von der hochgehandelten Band jedoch mehr erwartet. Schlecht sind Serum 114 sicher nicht: Ihre Fans haben sichtbar Spaß an dem Auftritt, doch einige stehen etwas deplatziert an den Bierbuden, holen sich noch einen Betthupferl und linsen auf die Bühnenshow der Hessen, die vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist, in sich aber total rund läuft und bei Fans des Genres auch live ein Highlight darstellt.

Samstag:

Den zweiten Festivaltag eröffnet der Metal Bash Band Battle-Gewinner Total Violence, der von den niederländischen Death/Thrashern Seita gefolgt wird. Letztgenannte sind trotz ihres Underground Status für eine ordentliche Gewaltkeule bekannt, die sie auf ihren Konzerten regelmäßig auspacken – dies gilt auch für das Metal Bash 2013. Wer die Truppe aus Amsterdam noch nicht auf dem Schirm hatte, dürfte überrascht sein, welche geniale Spielweise sie an den Tag legen und wie sehr sie Lust auf mehr machen.

Diese Lust wird mit Despise & Conquer gestillt, die – wie ihre Vorgänger – knallharte Death/Thrash-Riffs aus den Boxen hämmern, jedoch mit dem Unterschied, dass sie aus Herten und nicht aus Amsterdam stammen. Der Sound ist – wie schon am Freitag – perfekt eingestellt: Schön laut, dabei aber nicht unerträglich und auch die feinen Klänge kommen punktgenau aus der Anlage geschossen. Bei Despise & Conquer´s Skull Fuck kann man sich gepflegt das erste Pils des Tages auf die Leber gießen: Dieser Spaß kostet den Metal Bash-Gänger 2,5 €. Ein Tropfen des härteren Stoffs, sprich Whisky oder Wodka, liegt zwischen 4 € und 5,5 € zuzüglich 2 € Becherpfand für echt gut designte Festivalbecher – ich habe lange nicht mehr derart Schöne in der Hand gehalten.

Wer durch die beiden härteren Kombos vom Campingplatz gequält wurde, darf sich über die Glam Rock Paradiesvögel von Kamikaze Kings freuen, die nicht nur farbenfroh, sondern schräg verkleidet über die Neu Wulmstorfer Bretter hopsen. Im Gepäck haben sie ihren aktuellen Longplayer Low, von dem sie gleich mehrere Tracks zum Besten geben. Wer neben dem Glanz und Glamour auf fesche Frisuren steht, darf sich über den Anblick auf der Bühne freuen. Neben den roten Comedy-Rüstungen haben die Rocker verschiedenste Haarpachten als Ass im Ärmel. Groovig erschallt Saturday Night Hero und lässt in den vorderen Reihen die Hüften kreisen. Für den ganz großen Wurf fehlt der Band zwar noch ein wenig, für einen unterhaltsamen Auftritt am frühen Morgen reicht es jedoch allemal.

Blackest Dawn hingegen setzen ihren Schwerpunkt auf Core-Einflüsse, sprich Hardcore und Metalcore, die aber zum Glück allr mit einem guten Schlag Death Metal versehen wurden. Vom neuen Album wird We Are Legion ganz gut aufgenommen, auch wenn die tanzfreudigen Besucher nicht mit der Power der aktiven Musiker mithalten können, die sich in der warmen Mittagssonne in Rage spielen. Wie in einem wütenden Wettstreit keifen und growlen sich die beiden Sänger Jörg und Frank gegenseitig an, spielen kurz Amon Amarth an und können notdürftig mit nur einem Gitarristen einen ganz passablen Druck in die Stücke bringen. Verschwitzt und gut gelaunt machen Blackest Dawn nach 40 Minuten Platz für den nächsten Stilwechsel.

Spitfire, die Newcomer in Sachen Rockabilly Metal, die mit Devil’s Dance wie eine Bombe eingeschlagen haben, gehen auf Streifzug nach neuen Fans. Ob ihnen das in der knappen Dreiviertelstunde gelungen ist, kann nur mit „ja“ beantwortet werden. Die Münchener lassen geniale Momente ihres Könnens aufblitzen, zocken locker flockig eingängige Riffs herunter und vergessen nicht das Gefühl zum Groove. Spitfire sind dabei zwar nicht mega anspruchsvoll, wissen aber in ihrer kompakten Spielweise zu überzeugen und Soundwände wie feine Tropfen auf das gutgelaunte Metal Bash-Publikum niederprasseln, so dass sogar die Politiker des SPD-Standes kopfnickend zur Bühne schielen. Wer sich jetzt fragt, warum die SPD einen Stand auf einem Metalfestival hat, der ist gleichermaßen verblüfft wie meine Wenigkeit. Die Hauptsache jedoch ist, dass die Jungs auch Spaß an feiner handgemachter Musik haben.

Lonewolf aus Frankreich, die bei Napalm Records unter Vertrag stehen, verstehen es ebenfalls, nicht nur alteingesessene Fans mit ihrem Heavy/Power Metal zu begeistern. Ihr Song Utopia jedenfalls wird direkt zu Beginn gewünscht und gleich auf der Bühne umgesetzt, wobei sich die Truppe um Jens Börner hinter keiner führenden Band des Genres verstecken muss. Jens Börner schafft durch seine markante Stimme wunderbare Heavy Metal-Momente, die von Alex Hilberts und Rikki Mannhards Backgroundgesang ins rechte Licht gerückt werden. Lumpen lassen sich auch Alex und Jens nicht, wenn es darum geht, die Gitarren zum Glühen zu bringen. Technisch gesehen ist die Leistung der vier Musiker die anspruchsvollste des bisherigen Festivals. Made in Hell dominiert mit klassischen Anteilen ebenso wie die moderneren Stücke des aktuellen Army Of The Damned-Albums, mit denen Lonewolf einige Sympathiepunkte einsammeln können, bevor der Zauber wieder vorbei ist!

Emergency Gate setzen hingegen auf moderne Strukturen und verspielten Melodic Death Metal. Und machen sich gern einen leichten Mantel von Metalcore zu Nutze, um eine ausgeglichene Mischung aus Breaks und pulsierenden Melodien auf die Bühne zu bekommen. Optisch sticht Sänger Matthias Kupka mit einem weißen Shirt aus der schwarzen Meute heraus. Gesanglich passt er perfekt in das Münchener Ensemble, bei dem sich nur der Banner während der Show verabschiedet. Doch Schwund ist überall, Hauptsache die sechs Musiker wissen, wo der Hammer hängt und das wissen sie weiß Gott! Ebenfalls mit neuer Platte im Schlepptau steht alles im Zeichen von You, welches erschreckend gut vom Publikum angenommen wird und bei allen Fans von In Flames, As I Lay Dying bis hin zu At The Gates für zufriedene Mienen sorgt.

Der Auftritt der Thrash Metal-Band Devariem aus Lübeck ist gleichzeitig als CD-Release Party ihres Longplayers Planet Earth Ground Zero gedacht, welches über Remedy Records eingespielt wurde, die zugleich Veranstalter des Metal Bash sind. Kaum verwunderlich, dass die Show der Norddeutschen, die mehr als eine Handvoll Freunde mit gebracht haben, heute von vielen neuen Hits geprägt ist. Ein Grund mehr für Devariem, gepflegt auf die Kacke zu hauen: Das obligatorische Slayer-Shirt hat Sänger [/b]Alex[/b] an diesem geschichtsträchtigen Wochenende direkt als Fleischerschütze vorgebunden. Fakt ist, dass Devariem ihre Wurzeln nicht verbergen können, die bei Kreator oder den angesprochenen Slayer liegen. Diese ziehen sie zum Glück nicht bis zur Vergasung durch den Kakao und verankern eindeutig eigenständige Elemente in ihrer Musik. Inklusive einer kleinen Feuershow gelingt also die Feuertaufe von Planet Earth Ground Zero, das noch ein paar Mal über die Ladentheke des Merchandise-Standes wandert. Falls jemand vor der Veröffentlichung schon das offizielle Video von Infyrno gesehen hat, kann dieser den Song in der Abendsonne gebürtig feiern bis die Schwarte kracht.

Dynamit Roadkill, ein Name, der viel verspricht und dieses halten kann? Im Großen und Ganzen ist es zu bejahen: Der rotzige Rock ´n´Roll baut in den einzelnen Werken auf Individualität in einem strammen Korsett von altbekannten Melodienbögen, die verwunderlicher Weise die Horde vor der Bühne zum Tanzen anregen. Neben einem Circle Pit, der nicht von schlechten Eltern ist, wehen vermehrt Haare im Wind und die Fäuste werden gen Himmel gereckt. Der übertriebene Alkoholkonsum als Grund dieser Euphorie? Nix da, die Freude basiert ganz allein auf den drei wichtigsten Zutaten des Genres: Sexuell gutes Rhythmusgespür, Druck, der nicht munter und nicht müde macht und ein verdammt gutes Rock’n’Roll-Feeling, das einfach nicht versickern will – auch wenn die Truppe teilweise recht monoton zu Werke geht. Gesanglich macht Moritz Hempel keine grundlegenden Fehler, doch könnte er schon noch mehr aus seiner Stimme herausholen – am Ende seiner Gesangleichenkünste ist er nicht angekommen. Die am Anfang noch fade Gitarrenarbeit wird zum Ende hin immer ansehnlicher, also was soll die Musikpolizei? Die Headbanger hatten Spaß und das ist wie immer die Hauptsache!

Die Nachwuchs Thrasher Dust Bolt aus München dürfen heute Abend – wie bereits die anderen Bands aus der Landeshauptstadt Bayerns zuvor – ihre Propaganda an den Mann bzw. die Frau bringen. Schon beim Bühnenbild wird nicht gespart und Dust Bolt, die in der letzten Zeit eine Menge Bühnenerfahrung machen dürften, verwandeln den Ort des Geschehens in ihr Reich. Die Abgeklärtheit aus den letzten Gigs tut dem Auftritt auf dem Metal Bash 2013 gut. Frech und zielstrebig agieren die jungen Männer. Falls die Newcomer Thrasher bisher immer an euch vorbei gegangen sind, lasst euch nicht lumpen und schaut sie euch auf einem Live Event an. Alle, die in Neu Wulsmtorf dabei waren, und auf Thrash Metal stehen, können bestätigen, dass Dust Bolt es drauf haben und in der nächsten Zeit mit Sicherheit weitere positive Schlagzeilen sammeln werden.

Auf der Zielgrade angekommen, stürmt eine der Festivalüberraschungen in Form von Hardbone die Stage. Gerade einmal zwei Alben (Dirty `n` Young und This Is Rock’n‘ Roll) stammen aus der Musikschmiede der Hamburger und doch zocken sie ihr Set wie alte Hasen herunter. Ihren Song Grave Digger geben sie unter einer Kulisse von lodernden Flammen, die gen Himmel züngeln. Nach ihrem Grundprinzip „0% Bullshit – 110% Rock’n‘Roll“ lassen sie es mit Humor und Professionalität krachen, wo sich diverse Bands eine Scheibe abschneiden können. Walking Talking Sexmachine verkörpert die Lebenseinstellung von Frontmann Tim Dammann und seinen Männern, die selbst in den letzten Reihen zum Mitwippen, Schenkelklopfen und wilden Hampeleien animiert. Stets durstig lechzt Tim nach einem frischen Nass in Form von Bier und Whisky, doch seine Jungs haben etwas dagegen und geben ihm kaum Pause, um zu verschnaufen. Wer das Erscheinungsbild der Truppe nicht auf den Schirm hat, würde niemals darauf kommen, dass Hardbone einen so gepflegten Arschtritt Rock’n‘n Roll auf das Parkett legen, wie sie es heute tun.

Keine Kompromisse gibt es zum Schluss des Metal Bash Festival 2013 mit der Death Metal-Band der ersten Generation, Asphyx, die der Grund sind, weswegen viel Metalheads den Weg nach Neu Wulmstorf gefunden haben. Martin van Drunen, der markante Sänger, gibt sich heute ohne Bart die Ehre – ein seltener Anblick, der den großgewachsenen Niederländer noch größer und schlanker macht. Seine in gebrochenem Deutsch gehaltene Ansagen sind gewohnt erfrischend und authentisch, sodass ihm jeder kleinere unverständliche Formulierungen verzeiht. Auf der Bühne wird von der ersten Sekunde ein brachialer Sound erzeugt, der nur so von Kälte strotzt und sich in bizarrer Schönheit durch die Dunkelheit schlängelt. Death The Brutal Way wird kurzerhand Jeff Hannemann gewidmet, der für Asphyx genauso wichtig ist wie für die meisten Bands der harten Genres. Geschichtliche Themen wie die Bismarck werden auf dem ersten Open Air der Niederländer, auf dem sie einen breiten Querschnitt ihrer Diskographie spielen, angesprochen. Das erste Mal seit 2007 sind sie ohne eigene Crew angereist und überlassen Sound und Licht der Festivalcrew – keine schlechte Entscheidung. Der Sound ist knackig, schön laut und transportiert die geballte Ladung Hass und das nicht nur beim aktuellen Megahit Deathhammer. Wie Martin Van Drunen schon sagt: Asphyx sind keine Band für 40 Minuten, eineinhalb Stunden prügeln sie ohne Pause durch.

Fazit: Das Fazit des Metal Bash 2013 fällt schlicht und einfach gut aus. Die Newcomer Bands wurden gut gewählt, die Auswahl der Genres wurde weitgreifend eingefädelt. Neben den Headlinern können sich dadurch vor allem die kleineren Kombos ins Rampenlicht spielen. Das Preisleistungsverhältnis ist mit 30 Euro für beide Tage ein guter Kurs, nur der Aufschlag an der Abendkasse auf 40 Euro ist ein wenig happig, wenn man den Vorverkaufspreis im Kopf hat. Logistisch gibt es nichts zu mäkeln, Dixis + Spültoiletten waren reichlich vorhanden, was die meisten Open Airs nicht von sich behaupten können. Der Sound war von der ersten bis zur letzten Band auf hohem Niveau und die Stimmung durch die Bank weg gut. Ein Grund mehr, auch 2014 wieder zum Start der Festivalsaison nach Neu Wulmstorf zu reisen!

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