Moonglow World Tour 2019, Tobias Sammets’s Avantasia im Berliner Huxleys Neue Welt, am 03.04.2019

Tobias Sammet’s Avantasia liefern „alten und neuen Scheiß“ gekonnt ab

Eventname: Moonglow World Tour 2019

Headliner: Avantasia

Ort: Huxleys Neue Welt, Berlin

Datum: 03.04.2019

Kosten: ab 42,80 € VK, 55 € AK

Genre: Symphonic Metal

Besucher: 1500 Besucher

Links: https://www.avantasia.net/
https://huxleysneuewelt.com/

Setliste:

  1. Ghost In The Moon
  2. Starlight
  3. Book Of Shallows
  4. The Raven Child
  5. Lucifer
  6. Alchemy
  7. Invincible
  8. Reach Out For The Light
  9. Moonglow
  10. Maniac
  11. Dying For An Angel
  12. Lavender
  13. The Story Ain’t Over
  14. The Scarecrow
  15. Promised Land
  16. Twisted Mind
  17. Avantasia
  18. Let The Storm Descend Upon You
  19. Master Of The Pendulum
  20. Shelter From The Rain
  21. Mystery Of A Blood Red Rose
  22. Lost In Space

Zugabe:

  1. Farewell
  2. Sign Of The Cross/The Seven Angels

Berlin, Berlin, du bist so wunderbar, so könnte man den Ausflug in die Bundeshauptstadt auch bezeichnen. Tobias Sammet hat geladen und wir folgen. Naja, fast. Heute gastiert er mit Avantasia im Rahmen der Moonglow World Tour 2019 im Berliner Huxleys Neue Welt (hier geht´s zum Review vom aktuellen Album Moonglow). Für die einen ist es weichgespülter Pussy-Metal, für die anderen Symphonic Metal mit ausgesuchten Gastsängern, die in den dreieinhalb Stunden für eine besondere Würze sorgen sollen. Wir sind heute das erste Mal im Huxleys und machen uns von der nur fünf Minuten entfernten Unterkunft zu Fuß auf den Weg. Die Schlange ist um kurz nach 18:00 Uhr bereits sehr lang. Da wir noch nicht genau wissen, wie es hier organisatorisch abläuft, gehen wir zunächst zum Eingang. Da treffen wir unseren Kollegen Rainer Mohrded, der mit seinem Rollstuhl vor dem Eingang auf den vorzeitigen Zugang wartet. So gesellen wir uns zu ihm und quatschen eine Runde. Es finden sich dann noch weitere Rollifahrer ein, die aufgrund der Gegebenheiten der Halle etwas früher reindürfen. Was wir bisher ja noch nicht wussten, ist, dass der eigentliche Saal im ersten Stock liegt. Um 19:00 Uhr ist dann Einlass und wir kommen gleich früh mit rein, um unsere Pressebändchen und den Fotopass zu erhalten. So sind wir rechtzeitig da, um die Location auszuloten. Mit der freundlichen Security noch Organisatorisches für die Fotografiererei abgesprochen und dann heißt es abwarten.

Um 20:00 Uhr geht das Licht aus. Zunächst läuft noch AC/DC vom Band und dann betreten die Musiker zu Ludwig van Beethovens Symphony No.9, besser bekannt als Ode To Joy, die Bühne. Der große Vorhang fällt und mit Ghost In The Moon geht es los. Lauter Beifall brandet auf, als Mastermind und Grinsebacke Tobias Sammet auf die Bühne stürmt. Links stehen Bassist Andre Neygenfind und Sascha Peth an der Gitarre. Dahinter an den Keys wirkt Michael Rodenberg, kurz Miro, der bei vielen Avantasia Alben für die Orchestrierung zuständig ist.

Der hinter einer dicken Plexiglasscheibe sitzende Drummer Felix Bohnke wird dann auch mal zum Ziel des Sammetschen liebevollen Spottes. Laut Tobias sitzt Felix hinter der 8 MM dicken Scheibe nicht weil er, wie ein gefährliches Tier, abgeschirmt werden muss, da er ja mit Holzstöcken auf Tierfelle einschlägt, sondern das hat was mit dem Sound zu tun. Auf der rechten Seite ist dann noch Oliver Hartmann, der sonst bei At Vance oder als Gitarrist bei der Pink Floyd Tributeband Echoes fungiert. Bereits beim zweiten Song Starlight tritt der erste Gastmusiker auf. Ronnie Atkins, sonst hauptamtlich bei den Pretty Maids gelistet, liefert sich tolle spannungsgeladene Duette mit Tobias oder auch mit der Background Sängerin Adrienne Cowen. Es folgt die freudige Begrüßung, bei der allerdings die Lautstärke des Beifalls am gestrigen Abend in Prag wohl um einiges höher war. So übt Tobias das erst mal mit den Zuschauern. Dann wird kurz erläutert, dass es heute Abend alten und neuen Scheiß geben wird und das hier mit drei Stunden Spielzeit zu rechnen ist. Der dezente Hinweis, das es  wohl noch ein andres Heavy Metal Konzert geben könnte kommt an. Manowar gastieren ebenfalls heute Abend in berlin. Trotzdem ist das Huxleys ausverkauft. Mit Book Of Shallows geht es weiter. Auch da ist Ronnie Atkins noch mit von der Partie, obwohl Adrienne den von Mille Petrozza eingesungenen Song mindestens genauso gut drauf hat. Bereits beim nächsten Song The Raven Child kommt schon der nächste Gastsänger dazu. Jørn Lande, bekannt von Masterplan und seinem Projekt mit Allen Russel, passt hervorragend in dieses Projekt. Für die gesangliche Unterstützung sorgen bei fast allen Songs Herbie Langhans, Ina Morgan und die bereits erwähnte Adrienne Cowen. Nicht nur stimmlich, sondern auch optisch machen die beiden Damen einen überaus überzeugenden Eindruck.

So geht es munter weiter. Lucifer wird noch von Jørn Lande gesungen und dann kommt Geoff Tate auf die Bühne. Der lange Jahre bei Queensrÿche tätige Sänger übernimmt die nächsten Songs. Das macht er als „Neuling“ bei Avantasia ausgezeichnet. Einen Song singt er allein und dann auch wieder im Duett mit Tobias Sammet. Der unterhält in den meisten Fällen zwischen den Songs das Publikum. Wer schon mal bei einem Avantasia oder bei einem Edguy Konzert war, der kennt seine Qualitäten als Entertainer. Für viele redet er vielleicht zu viel, für andere ist das genau die richtige Mischung zwischen reinen Gesangsdarbietungen und Ansagen. Immer wieder animiert er die Berliner und fordert sie auf, sich lautstark bemerkbar zu machen.
In der Zwischenzeit werde ich aufgefordert meine Kameratasche abzugeben und muss sie runterbringen. Der freundliche Mann von der Security hat mich aber mit einer Begleitung Backstage runtergelassen, sodass ich nicht durch den vollen Saal muss. Ob mein Kollege im Rollstuhl das auch machen muss? Das wäre in der Tat ärgerlich und sehr umständlich. Nun ja, so sind Vorgaben halt mal. Es wäre nur schön gewesen, wenn man uns das beim Einlass gleich erzählt hätte, dann wäre die Irritation nicht so hoch gewesen.

Zurück zur Musik. Unbestritten ist Avantasia das musikalische und geistige Eigentum von Tobias Sammet und dieses Projekt sieht den Einsatz von Gastmusikern vor. So sind nicht nur auf CD Gastmusiker eingeladen, sondern auch auf Tour. Und so werden die meisten Songs auch von denen und mit Tobias bestritten. Das ist eben das Prinzip dahinter. Bei Reach Out For The Light macht Tobi es diesmal aber allein. Der Song stammt von The Metal Opera und ist bereits 18 Jahre alt. So präsentieren Avantasia heute eben einen guten Querschnitt durch die gesamte Schaffenszeit. Nach dem Titeltrack der neuen CD, Moonglow (auf der CD noch mit Candice Night eingesungen), der heute mit Adrienne Cowen im Duett gut ankommt, wird es poppig. Maniac aus Flashdance ist dran und dazu kommt dann Eric Martin von Mr. Big auf die Bühne. Er hat sich einen modisch aussehenden Schal stylisch um den Hals geschlungen, und passt sich zumindest da Tobias an. Der trägt einen langen, ziemlich dick aussehenden Mantel, ein Stirnband und eben einen langen Schal, der auch mal zum Schweiß abtupfen gebraucht wird. Das muss auf Dauer warm darunter sein. Egal, der Song kommt aber live erstaunlich gut an und die Halle singt laut mit. Da Eric schon auf der Bühne ist, performt er auch den nächsten Track. Danach sagt Tobias seinen Lieblingsengländer an. Bob Catley, Frontmann von Magnum, ist ein gern gesehener Gast und auch bei den letzten vier Tourneen immer mit dabei gewesen. Nach seinem Einsatz ist Gitarrist Sascha Peth als Ziel für Tobis Scherze dran. Der hat bisher bereits mit glänzenden Soli für Aufsehen gesorgt. Nun wird sein Unterarm zum Gesprächsstoff. So ist das Touren für die Musiker nicht nur Arbeit, sondern auch die Muskeln wachsen. Gerade beim Gitarristen erzeugt die Spielerei dicke Adern und Muckis und das wird ausgiebig bewundert. Beide kennen sich aber schon seit Jahren, da der Sascha für die Produktion der Avantasia Scheiben verantwortlich ist. Deshalb ist das Necken voll ok.

Es geht weiter mit The Scarecrow vom gleichnamigen Album. Danach kommen bei Promised Land Eric Martin und Jørn Lande gemeinsam zum Einsatz. Auch das klappt hervorragend. Beim nächsten Titel wechselt dann Geoff Tate Jørn ab und so gibt’s ein neues Pärchen bei Twisted Man, das musikalisch eher ein metallisches, härteres Stück ist und dadurch zu den Stimmakrobaten gut passt. Das muss man dem Projekt lassen. Jeder der Sänger bekommt seine Bühne und auch bei den gemeinsamen Stücken stellt sich keiner explizit in den Vordergrund, sondern ordnet sich den Songs unter. Beide Akteure schaffen es hier auch, dass das Publikum den Heehoo-Anteil lautstark mitsingt. Es folgt der Titel, der nach dem Projekt benannt wurde. Avantasia, hauptamtlich von Geoff Tate gesungen, begeistert. Man kann sagen, was man will, aber die Tracks machen live einfach Spaß. Auch bühnentechnisch ist nichts auszusetzen. Im Hintergrund laufen, passend zum jeweiligen Titel, Bilder und Animationen auf einer riesigen Leinwand ohne aufdringlich zu wirken. Das Licht ist toll, manchmal etwas bonbonfarben, der Sound ist gut. Nicht zu laut und gut ausgesteuert. So macht das Laune.

Tobias sagt dann einen zwölf-Minuten-Song an und bemerkt, dass so etwas hier gespielt werden kann, denn es ist ja kein Radio. Außer bei Radio Bob! sind solche Long Tracks auch nicht spielbar. Let The Storm Beginn wartet dann auch mit drei Sängern auf. Neben Tobias sind Jørn Lande und Ronnie Atkins mit dabei. Während des Songs, und das ist lobenswert, geht die Security, die heute nichts zu tun hat, durch den Graben und verteilt Wasser an die Zuschauer. Lobenswert. Es folgt Master Of The Pendulum, bei dem Ronnie nun den Leadgesang übernimmt. Als Nächstes darf auch Oliver Hartmann mal singen. Immerhin umfasst sein Stimmvolumen vier Oktaven und die kommen bei Shelter From The Rain zum Einsatz. Dazu gesellt sich dann Herbie Langhans, der auch mit einer guten Stimme ausgestattet ist. Auch Ina Morgan wird ins Rampenlicht gerückt und singt dann mit Bob Catley im Duett, der inzwischen auch mit eingestiegen ist. Nun ist wieder das Publikum dran. Tobias provoziert Berlin mit: „Berlin, ihr könntet so viel Spaß haben“. Erwartet wird natürlich eine lautstarke Resonanz und die wird dann im Wechselspiel mit dem gut gefüllten Balkon und dem Innenraum ausgelotet. So entwickelt sich ein gut funktionierendes Hin und Her. Zum Balkon sagt er dann: “Das ist lieb gemeint, aber nicht überzeugend“, und so dirigiert er die Zuschauer, die sich da gern drauf einlassen. Er versteht es so zu tun, dass es authentisch und echt rüberkommt. Ein Becher auf der Bühne gibt Gelegenheit seine Spontanität zu zeigen. Es folgt der nächste Seitenhieb auf Manowar. Joey DeMaio hätte jetzt das Konzert beendet. Wir nicht und dann wird ein gewagter Vergleich gezogen. Er freut sich an dem Erfolg, den das Avantasia Projekt in der Welt und gerade in Deutschland bisher hatte, und sagt in dem Atemzug, dass es in Deutschland schon immer große Künstler gab: Mozart, Beethoven und nun eben auch Avantasia, demzufolge muss das ja erfolgreich sein. Lass ich mal unkommentiert. Mit Lost In Space verabschiedet er sich dann, denn wenn‘s am Schönsten ist, dann muss man aufhören. Somit sind drei Stunden Spielezeit um.

Nach einer Minute lauten Zugaberufen kommen sie aber wieder. Das wird mit nicht so lautem Beifall gewürdigt, sodass Tobin dann noch den Spruch loswerden muss: „Ok, ihr habt uns lieb, aber könnt es nicht so zeigen“, das führt natürlich zu einem lauten Beifallssturm. Inzwischen hat sich einer der Fans nach vorn gedrängt, der bereits mit lauten Zwischenrufen aufgefallen ist. Da der am lautesten zwischen den Ansagen dazwischenredet und unbedingt Tobi die Hand schütteln will, bekommt er, damit endlich Ruhe herrscht, ein Plektron zugeworfen. Klappt. Die Zugabe fängt mit Farewell von The Metal Opera an. Da gibt’s dann noch ein schönes Duett von Tobias und Adrienne. Nun kommt die obligatorische Bandvorstellung, die an dieser Stelle auch mal eine Viertelstunde dauert. Zwar hat er bereits im Verlaufe des Konzertes einige vorgestellt, nun sind aber alle der Reihe nach dran und erhalten ihren verdienten Beifall. Beim allerletzten Song Sign Of The Cross, ebenfalls von der Metal Oper, sind dann alle Akteure des Abends auf der Bühne. Das ist echt voll, sorgt aber für viel Stimmgewalt. Dann wird noch die Konfettikanone abgefeuert und ein schönes Bild beendet um 23:30 Uhr dieses Spektakel. Klar gibt’s noch ein abschließendes Band/Zuschauer Foto. Die Halle leert sich dann recht schnell. Zu unserem Erstaunen ist aber Bassist Andre Neygenfind anzutreffen und auch Sascha Peth kommt vor die Bühne.  Mit beiden sind ein paar Worte drin und auch für ein Bild sind sie zu haben. Leider habe ich den Oliver Hartmann zu spät entdeckt, der dann aber auch schnell wieder weg ist. Somit werden wir aus dem Huxleys gekehrt und gehen zufrieden raus.

Fazit: Großartiges Spektakel, das mit klasse Sängern/innen und hervorragenden Musikern in einer feinen Location für einen tollen Abend sorgt. Natürlich ist das für jeden Hardcore Metal Fan zu weichgespült, aber das, was hier geboten wird, dreieinhalb Stunden Spielzeit, ok halbe Stunde Quasseln abgezogen, hat einen hohen Unterhaltungswert. Witzige, nette Ansagen, dazu leichte Provokationen, um das Publikum aus der Reserve zu locken und zumindest für mich tolle Songs runden diesen Abend ab. So lassen wir, in einer nahe gelegenen Berliner Kneipe, den Abend Revue passieren und ausklingen. Es hat sich gelohnt.

Weitere Beiträge
Dead City Ruins & Mammoth Mammoth – Special Guest: Magick Touch am 15.11.2019 im Das Bett in Frankfurt am Main