Novelists – Noir

„Berührt, zum Träumen bewegt und dennoch mehr als genug Energie in sich freisetzt. “

Artist: Novelists

Herkunft: Paris, Frankreich

Album: Noir

Spiellänge: 52: 12 Minuten

Genre: Progressive Metal, Metalcore,

Release: 08.09.2017

Label: Arising Empire

Link: http://www.novelistsofficial.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Matteo Gelsomino
Gitarre – Florestan Durand
Gitarre – Charles-Henri Teule
E-Bass – Nicolas Delestrade
Schlagzeug – Amael Durand

Trackliste:

01. L’Appel Du Vide
02. Monochrome
03. Under Different Welkins
04. Les Nuits Noires
05. Grey Souls
06. A Bitter End
07. Stranger Self
08. The Light, The Fire
09. Joie De Vivre
10. Lead The Light
11. A Travers Le Miroir
12. Heal The Wound

Bei Filmen gilt häufig die Regel, dass ein zweiter Teil niemals an den ersten Film heranreichen kann. Bei Alben kann sich dies jedoch durchaus anders verhalten, so hat man doch nach seinem Debütalbum mehr Erfahrung, weiß was funktioniert und was eher nicht und kann sich noch stärker selbst in einem Album finden.

Mit Noir bringt die französische Metalcore bzw. Progressive Metal Gruppe Novelists nun ihren Nachfolger zum Debütalbum Souvenirs. Dieses war vor allem mit garstigen Shouts und einem sehr hohen Tempo versehen. Wie schneidet also nun der Nachfolger Noir im Vergleich ab?

L’Apppel Du Vide dient fantastisch als Opener, zeichnet sich der Track doch vor allem durch seinen ansteigenden Charakter sowie seine starke Instrumentalität aus. Vor allem neue Zuhörer, die bisher nie groß einen Kontakt zu Novelists hatten, werden hier bereits hellhörig. Der dann einsetzende Clean Gesang dürfte alte Hasen überraschen, wirkt aber mehr als stimmig. Es wird schnell offensichtlich, dass Sänger Matteo hier noch einmal eine ganz neue Leistung präsentieren wird. L’Appel Du Vide zeigt bereits, dass Noir wohl einiges anders handhaben wird als der Vorgänger.

Als einer der absolut stärksten Tracks zeichnet sich auch Song Nummer Zwei Monochrome aus. Ähnlich gefühlvoll wie L’Appel Du Vide, könnte man hier durchaus bereits von einer Ballade sprechen, die nicht nur unglaublich berührt, sondern auch eine fantastisch entspannende Instrumentalität besitzt, die nicht nur ungewöhnlich für die Franzosen ist, sondern die man wohl so auch wenig im Metalbereich erwarten würde, sind doch unter anderem Saxophonelemente enthalten.

Der dritte Track Under Different Welkins bietet dann als erster Track der Platte wieder etwas mehr vom alten Novelists-Charakter, zumindest kehren die Screams wieder zurück, auf die bisher fast gänzlich verzichtet wurde. Dennoch sind diese im stetigen Wechsel mit den Cleans und es scheint, als würde die durch die Instrumentalität erzeugte Atmosphäre und melodische Grundlage auch hier im Vordergrund stehen. Vor allem die zweite Hälfte ist hier unglaublich stark, besitzt eine Energie, welche jedoch nicht diesen atmosphärischen Wert entnimmt, sondern unterstützt. Definitiv ein Track, welcher das Publikum live zur Bewegung animieren wird.

Les Nuits Noires nimmt, was Under Different Welkins begonnen hat, nämlich etwas mehr Screams und Progressive Elemente einfließen zu lassen, und setzt dies auf die nächste Stufe. So zeigt sich der Track weitaus intensiver in seiner Instrumentalität und in den Screams, welche nun definitiv überwiegen. Durch die im Chorus einsetzenden Cleans entsteht ein „typischer“ Metalcore Charakter und man könnte hier negativ anbringen, dass sich Novelists damit fast zu sehr an andere Bands des Genres annähern. Dennoch heben sich die Franzosen noch eindeutig instrumental davon ab. Les Nuits Noires ist durch seine Position im Album, nach den ersten eher „weicheren“ Songs mehr als perfekt, um für die gewisse Abwechslung zu sorgen.

Auf ähnliche Weise verhalten sich Grey Souls und A Bitter End, welche nun zusammen mit Les Nuits Noires das musikalisch etwas aggressivere Mittelfeld zu bilden scheinen, während die zuvor überwiegenden Cleans zwar noch immer vorliegen, allerdings durch eine stärkere Instrumentalität und Shouts etwas in den Hintergrund treten. Ein wenig erinnert Noir bisher an Crown The Empire, die über eine recht ähnliche starke Instrumentalität verfügen, dabei stets, so zumindest in früheren Alben, vor allem Shouts für sich sprechen ließen.

Stranger Self nimmt ein wenig diese Schiene der letzten drei Songs zurück, fügt dafür einen Rap Part ein, der zwar überraschen kommt, aber durchaus nicht unstimmig wirkt, gibt er doch Stranger Self eine neue Dynamik und Nu Metal Note. Sonst bleibt der Song musikalisch eher unauffällig, aber Novelists verstehen es noch immer ihre atmosphärische Struktur zu berücksichtigen und dabei, so hier gegeben durch den Rap Part, Abwechslung beizubehalten.

The Light, The Fire lässt sich vor allem zu Beginn Zeit für ein starkes, instrumentelles Intro. Und auch wenn Novelists hier wieder stärker zurückgehen und den Fokus auf Cleans legen, so ist vor allem die Instrumentalität etwas breiter angelegt und hat dadurch ein durchaus lebendigeres Gefühl. The Light, The Fire bedarf eines zweiten Anlaufs, um so richtig zu gefallen, jedoch kann der Song vor allem instrumental noch einmal hervorstechen.

Joie De Vivre und A Travers Le Miroir zeichnen sich durch ihre instrumentale Nähe zu den ersten Tracks des Albums aus, kehren also wieder zurück zum etwas ruhigeren, melodischen Fokus, womit das quasi progressivlastige Mittelfeld wieder verlassen wird. Insbesondere der Gesang variiert jedoch zum Beginn, wirkt hier noch etwas sanfter im Ansatz, wodurch wahrlich so etwas wie ein Ende eingeleitet wird. Beide Tracks sind atmosphärisch, nehmen aber deutlich das Tempo raus, welches das Album im Mittelfeld aufgebaut hatte.

Heal The Wound bringt dann noch einmal die Shouts und ein wenig vom alten Tempo zurück, ohne dabei jedoch in die Vollen zu gehen, womit quasi eine instrumentale und auch gesangliche Zwischenlage eingegangen wird, die ganz gut zu einem letzten Track auf einem Album passt.

Fazit: Das zweite Album Noir der französischen Gruppe Novelists beinhaltet viel Gutes und nur wenig Schlechtes. Im Vergleich zum Vorgänger Debütalbum Souvenirs nehmen Novelists das Tempo etwas heraus, scheinen sich vor allem stärker auf die Instrumentalität zu konzentrieren sowie den atmosphärischen Charakter, welcher das Album durchweg aufrechterhält. Man könnte negativ anmerken, dass sich die Band dadurch stärker am "Norm Core" befindet und somit im Genre Dschungel verloren geht, doch dieser Aspekt fällt dann doch unter die subjektive Ansichtsweise. Und auch wenn sich Novelists innerhalb Noir stärker an der Norm befinden, so spricht die starke Instrumentalität doch ihre ganz eigene Sprache und Novelists liefern ein Album, welches berührt, zum Träumen bewegt und dennoch mehr als genug Energie in sich freisetzt. Da freut man sich auf die nächsten Liveauftritte.

Anspieltipps: Monochrome, Stranger Self, A Bitter End
Anabel S.
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