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Neaera – All Is Dust

Das Release zum Zeitgeist

Artist: Neaera

Herkunft: Münster, Deutschland

Album: All Is Dust

Genre: Melodic Death Metal, Metalcore

Release: 28.06.2024

Lable: Metal Blade Records

Links: http://www.neaera.com
https://www.facebook.com/neaeraofficial
https://www.instagram.com/neaeraofficial/

Bandmitglieder:

Gesang – Benny Hilleke
Bassgitarre – Benjamin Donath
Gitarre – Tobias Buck
Gitarre – Stefan Keller
Schlagzeug – Sebastian Heldt

Tracklist:

1. Antidote To Faith
2. Pacifier
3. All Is Dust
4. Swords Unsheathed
5. Per Aspera
6. Edifier
7. In Vain
8. Render Fear Powerless
9. Dividers
10. Into The Hollow

Die Nachricht, dass die Münsteraner Melodic Death Metaller von Neaera schon wieder in aller Heimlichkeit ein Album gemacht haben, hat mir ein sehr großes Schmunzeln aufs Gesicht gezaubert. Nach der siebenjährigen Pause hatten Neaera schon genau zu meinem 30. Geburtstag klammheimlich nach ihrer Auflösung 2016 einfach ein self-titled Album gezaubert und sind nun mit ihrem achten Studioalbum All Is Dust am Start. Neaera begleiten mich schon seit ihrem zweiten Album Let The Tempest Come und haben mich in dieser spät-pubertären Phase des Lebens, wie so viele andere Metalcore und Melodic Death Metal Fans dieser Altersgruppe sehr geprägt. Das lag vor allem daran, dass sie mit der Mischung aus Kritik an allem, was in der Welt falsch läuft, aber auch persönlichen Themen, den Dingen, die ich gefühlt habe, Ausdruck verliehen und eine Stimme gegeben haben. Wie wenige andere Bands haben sie es immer geschafft, eine besondere Verbindung zu ihren Fans aufzubauen, sodass auch die Releaseshow nach ihrem Comeback 2020 ausverkauft war und die Bühnen der Festivals, auf denen Neaera spielen, immer gut gefüllt sind. Auch wenn ich gestehen muss, dass das Publikum schon auch eher meinem Alter entspricht und man nach den Moshpits bei Neaera schon gefühlt den Rollator rausholen könnte. Man ist eben keine 16 mehr.
Umso mehr freut es mich, dass Neaera mit einem neuen Album am Start sind und ich auch vor Release reinhören durfte.

Das Album entstand in einer Zeit des Umbruchs und spiegelt die Herausforderungen der Pandemie wider, die die Band daran hinderte, live zu spielen. Stattdessen nutzten die Mitglieder die Zeit kreativ und experimentierten mit neuen musikalischen Ansätzen. Die drei Songwriter Sebastian Heldt (Schlagzeug), Tobias Buck (Gitarre) und Stefan Keller (Gitarre) schrieben alle Songs zusammen im Proberaum, was in der heutigen Zeit, in der so viel Musik am Computer entsteht, ja fast schon eine Seltenheit ist. Sound-technisch hat dieses Mal Janosch Rathmer (Schlagzeuger von langjährigen Freunden und der deutschen Post Rock Band Long Distance Calling) die Aufnahmen und Kristian Kohle in den Kohlekeller Studios den Mix und Master zu verantworten.
Ich gratuliere auf jeden Fall ganz herzlich zum 20-jährigen Bandjubiläum und erzähle euch jetzt, was es auf All Is Dust alles auf die Ohren gibt.

Das Album beginnt mit dem Song Antidote To Faith, was ich vom Titel erst mal als Gegenmittel gegen Glauben interpretiert habe. Der Song hat direkt von Anfang an totale Live-Show-Vibes, mit koppelnden und verzerrten Gitarren und einem Benny, der in Neaera-typischer Manier den Songtitel über die Gitarren schreit. Ich laufe vor meinem inneren Auge schon Richtung Circle Pit. Der Song klingt auch weiter 100% nach Neaera. Die Rhythmik, die Parts, es wirkt wie ein Best-of der vergangenen Alben. Ein würdiger Opener, der direkt am Anfang ballert und live eine absolute Party sein wird.

Der nächste Song heißt Pacifier und ich wundere mich, was ein Schnuller auf diesem Album zu tun hat, wobei ja Mitglieder der Band bereits Väter geworden sind über die Jahre. Bei weiterem Googeln und Hören des Textes dämmert mir aber, dass es sich eher um den Befrieder oder Bringer des Friedens handelt. Beim Mainriff bin ich aber ein bisschen irritiert, denn es kommt mir so bekannt vor, ich hätte schwören können, es schon mal auf einem Neaera-Album gehört zu haben.

Danach folgt der Titeltrack All Is Dust. Sänger Benny Hilleke hat in den 20 Jahren Bandgeschichte wirklich einige Sprünge in Sachen Technik gemacht und seine Vocals wirken besonders in diesem Song einfach extra brutal und tief. Bei der Wiederholung von All Is Dust sehe ich schon die Fans beim Konzert laut mitsingen. Allgemein kommt der Song sehr intensiv, aber vom Tempo etwas langsamer daher. Als müsste man das Thema mit Nachdruck betonen. Zwischendurch sind immer melodische Parts ohne Vocals, die mir sehr gut gefallen. Aber das Highlight ist wirklich dieser Ohrwurm-Refrain, den ich sicher auch noch morgen im Kopf haben werde.

Beim Hören von Swords Unshethed denke ich kurz, dass mein linker Kopfhörer den Geist aufgegeben hat, da die Gitarren primär von rechts in mein Ohr schallern. Der Song beginnt ähnlich langsam und intensiv wie All Is Dust vorher war, nimmt dann aber im nächsten Part ordentlich Tempo auf und ich sehe die Leute wieder durch den Circle Pit laufen. Die Gitarren haben auch sehr spicy Akkorde, das hört man auch nicht mehr oft. Die Vocals sind in den Strophen auch ganz weit im Mix und treten gar nicht so in den Vordergrund.

Der nächste Song Per Aspera erfordert schon wieder meine Google-Skills, Ergebnis: Latein für „durch das Raue“ und wird im Kontext zusammen mit Ad Astra „zu den Sternen“ benutzt. Der erste Song mit Gitarrensolo und rhythmisch gar nicht so easy zum Headbangen. Den muss ich noch ein paar Mal hören, bis ich ihn verstanden habe.

Edifier klingt für mich wie ein Bezug zum Song Pacifier. Gucken wir mal, ob da musikalische Parallelen zu finden sind. Tatsächlich gar nicht, aber das Riffing direkt am Anfang holt mich total ab und ballert mit am meisten auf diesem Album. Ansonsten ist der Song sehr abwechslungsreich, mit verschiedensten Parts von schnell bis langsam, zum Headbangen und zum Laufen, ohne dabei hektisch zu sein. Sogar ein Slam-Part ist dabei und schiebt noch mal richtig untenrum. Am Ende wird langsam ausgefaded.

Bei In Vain wird die Stimmung wieder etwas gedrückt. Der ruhige Song des Albums beginnt mit einsamen Gitarren, die in eine klangliche Weite spielen, bis Drum und Bass dazu einsetzen. Aber der Schein trügt und die Stimmung kippt schlagartig von irgendwie traurig und melancholisch zu wütend und Benny schreit alles raus, was geht. Es waren diese Momente, mit denen Neaera meinen Gefühlen seit der Jugend Worte verleihen, die ich rausschreien kann, anstatt sie in mich hineinzufressen. Die Gitarren vom Anfang dürfen Richtung Crescendo auch wieder eine präsentere Rolle einnehmen und bringen noch mal einen Schwung Ambiente mit. Auch das letzte In Vain im Text, als der Song eigentlich gerade verstummt, untermauert noch mal die Botschaft.

Auch nach diesem Bänger muss ich sagen, dass das Album stärker weitergemacht, als es angefangen hat.

Render Fear Powerless hat irgendwie auch eine schöne Aussage. Der Song startet schnell und hat bis jetzt das gefühlt schnellste Tempo. Der Song könnte auch die kompletten 4:05 Minuten ein einziger Circle Pit sein. Ich sehe schon, ich muss vor der Releaseshow am 14.09.2024 in Münster noch mal Ausdauersport machen. Aber die Aussage mit „I will render fear powerless“ würde mir sicher auch die Energie geben, einfach den ganzen Song durchzulaufen.

Der vorletzte Song Dividers lässt auch wieder in alten Albumerinnerungen schwelgen. Auch hier klingt wieder der Slam durch und wechselt sich mit Black Metal Riffs und Drums ab, geht über in die typisch melodischen Gitarren und dann wird alles gemischt. Ich glaube, das ist diese Weiterentwicklung, von der die Band bei diesem Album gesprochen hatte.

Last but not least kommt der Song Into The Hollow und haut noch mal alle Energie raus. Auch melodisch wird hier erneut einiges geboten. Es klingt nach Neaera, aber durchaus mit frischem Wind. Auch der Bass-Slam-Part macht mir gute Laune, bevor es wieder schneller wird.

Ich bin sehr zufrieden mit dieser Mischung aus Nostalgie und Neuem und freue mich sehr, die neuen Songs live zu hören. Haltet also die Augen und Ohren offen, wenn am 28.06.2024 das achte Album von Neaera über Metal Blade Records erscheint, und ich drücke die Daumen für eine hohe Chart-Platzierung. Ich bin am 14.09.2024 auch bei der Releaseshow in Münster im Skaters Palace am Start, da es wahrscheinlich wieder ausverkauft wird, sollte man sich die Tickets möglichst bald sichern.

Neaera – All Is Dust
Fazit
Das Album ist wirklich eine Platte für die Langzeitfans, die sich an die vergangenen Alben erinnern, aber auch neue Songs hören wollen. Weiterentwicklung bleibt auch nicht aus, aber es klingt doch sehr vertraut. Der Sound klingt auch nicht so überproduziert, wie so viele der neuen Metalcore Bands, sondern etwas rotzig und dreckig, was ich super finde. Ich freue mich riesig, die neuen Songs am 14.09.2024 in Münster dann live zu hören.

Anspieltipps: Edifier, In Vain und Render Fear Powerless
Martha W.
8.5
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