O.M.I. Open-Air: Tankard, Betontod, Insanity Alert, Traitor u.v.m. am 27.08. und 28.08.2021 beim Kultursommer in Oberndorf

Gegensätze ziehen sich an. Es war wunderschön am Neckar…

Eventname: O.M.I. Open-Air

Bands: Tankard, Betontod, Insanity Alert, Traitor, Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Le Fly, Die Grüne Welle

Headliner: Betontod am 27.08.2021 und Tankard am 28.08.2021

Ort: Elefantenparkplatz, Austraße 14, 78727 Oberndorf a. N. (gegenüber der Neckarhalle)

Datum: 27.08. und 28.08.2021

Kosten: jeweils 35 €

Genre: Thrash Metal, Grog ’n‘ Roll, Punk-Rock, Punk-Rap, Funk, Ska

Besucher: über beide Festivaltage rund 1000 Besucher inkl. Abendkasse

Veranstalter: Easter-Cross Festival, Oberndorfer Musikinitiative e. V., GIG Factory UG, Neckarstr 47/1, 78727 Oberndorf a. N.

Links: www.kultursommer-oberndorf.de
https://www.facebook.com/kultursommeroberndorf
www.easter.cross.de

Der Kultursommer in Oberndorf befindet sich bereits in seiner zweiten Woche und wie im Vorbericht angekündigt, steht mit dem O.M.I Open-Air das Open-Air im Open-Air an. Hinter dem O.M.I. Open-Air stehen als Veranstalter die Macher des Easter-Cross Festival in Kooperation mit der Oberndorfer Musikinitiative e. V. (kurz O.M.I.). Jene heben sich über die kommenden zwei Tage hinaus auch als ehrenamtliche Helfer in den Bereichen Catering, Getränke sowie am Einlass und der Abendkasse hervor.

Tag 1 – O.M.I. Open-Air – 27.08.2021

Die O.M.I. hatte geladen und viele sollten folgen. Es ist Freitag, der 27.08.2021. Meine Frau und ich betreten gegen 16:45 Uhr den Elefantenparkplatz. Die Organisation am Einlass sucht ihresgleichen und geht vollkommen unkompliziert vonstatten. Und was einem sofort auffällt: Das Gelände ist bis hin zur Bühne FREI. Dem 3G-Konzept zu verdanken, ist es den Gästen möglich, sich von links nach rechts und vorne bis hinten ungehindert zu bewegen. Gesonderte Parzellen oder Liegestühle sind dieses Mal nicht mit von der Partie. Festivalfeeling wie vor der Pandemie! Es ist in der Tat ein schönes Gefühl, die altbekannte Normalität neu zu erleben. Und gleich in welches Gesicht ich auch blicke, in jedem ist diese Erleichterung und Befreiung zu sehen. Kurzum, die Stimmung ist klasse und das zwar etwas kühlere Wetter spielt auch mit. Hier und da mal zeigt sich die Sonne im Wechsel mit wenig bedrohlich anmutenden Wolken.

Und dann geht es auch schon los. Die Grüne Welle betritt die gegenüber dem Vorjahr deutlich angewachsene Bühne. Ein sehr professionelles Set-up, in dem sich die sympathischen Schwaben um Saxofonistin Lizzy gekonnt wissen zu verkaufen. Deutschsprachiger Vollgas Punk-Rap mit Sax, treffender ist diese erfrischende Musik des Sechsers nicht zu beschreiben. Vollkommen Tight und voller Spielfreude vorgetragen, verwundert es nicht, dass Die Grüne Welle bereits auf drei Alben und jede Menge Gigs zurückblicken darf. Das Gros der Gäste besteht aus in schwarz gekleideten Metalheads und so dauert es eine klitzekleine Weile, bis aber auch diese sich den durchweg melodischen Klängen und den nachvollziehbaren Texten nicht mehr entziehen können. Der Start in diesen Abend ist dank dieser Band vollkommen gelungen. So darf es gerne weitergehen!

Links: https://www.facebook.com/diegruenewelle/
https://diegruenewelle.net/
https://www.instagram.com/die_gruene_welle/

Nicht weniger frisch und gleichermaßen sympathisch führen Le Fly aus Hamburg, St. Pauli mit ihrem Mix aus Rap, Rock, Reggae, Funk und Ska unbeirrt das fort, was Die Grüne Welle zuvor losgetreten hat. St. Pauli Tanzmusik klingt auf den ersten Blick so gar nicht nach ausgelassener Rockmusik, doch Le Fly straft alle Skeptiker in Windeseile Lügen. Eine echte Liveband und die Jungs machen keine Gefangenen. Die deutschen Texte und diese beschwingte, mit Leichtigkeit geschwängerte Art und Weise ihre Musik ans Volk zu bringen, lassen auch den letzten Fuß auf dem Elefantenparkplatz unweigerlich mitsteppen. Und von denen gibt es mit zunehmender Dauer immer mehr. Es ist in der Tat der Mix aus den verschiedenen Stilrichtungen, die jeden der Songs für sich gesehen zu einem Schmankerl werden lässt. Und wenn einen dann noch diese Magie der Musiker von der Bühne herunter anstrahlt, kann verdammt noch mal nichts schiefgehen. Die Spielzeit erscheint viel zu kurz, was für die musikalische Qualität der Protagonisten spricht. Für mich, der diese beiden Bands bis zum heutigen Tage nicht gekannt hat, stellt dieses Liveerlebnis eine Horizonterweiterung dar. Danke dafür!

Links: https://www.facebook.com/tanzmusik/
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https://www.instagram.com/lefly.stpaulitanzmusik/

Die Dunkelheit ist zwischenzeitlich hereingebrochen und vom nahe gelegenen Neckar kriecht einem langsam aber sicher die Kälte in die Gebeine. Der Elefantenparkplatz hat sich in der Zwischenzeit allerdings gut gefüllt. So kommt der Headliner des heutigen Abends gerade zur richtigen Zeit. Betontod betreten die Bühne und diese Jungs drücken von Beginn an mächtig aufs Gaspedal. Die Fans scharen und versammeln sich vor der Bühne, um stimmgewaltig zu Kinder Zorns, Keine Popsongs oder schlussendlich zu Hömmasammawommanomma Bier trinken gehen, mit einzusteigen. Selbst einzelne Mosh- und Circlepits bilden sich, in denen sich die Freude frenetisch entlädt. Die Setlist von Betontod ist übersät mit Klassikern, sodass die Chöre noch lange im nebligen Neckartal nachhallen. Auf über 30 Jahre Studio- und Bühnenerfahrung dürfen die Punkrocker aus Rheinberg stolz sein. Und diesen Stolz präsentieren Betontod sehr selbstbewusst und zielsicher von der Bühne herab. Der Headliner hat gehalten, was er versprochen hat.

Links: https://www.facebook.com/antirockstars
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Fazit des ersten Festivaltages:
Ein Hoch auf den Booker. Dieses Line-Up verdient in seiner einzigartigen Zusammensetzung insgesamt, vor allem aber ganz individuell höchste Anerkennung. Da hat Holger Gaus von der GIG Factory ein goldenes Händchen bewiesen. Punk trifft Ska, Reggae geht eine Beziehung mit dem Rap ein und wird durch ausdrucksstarken Punkrock zusammengeführt. Was will man mehr? Die rund 400 anwesenden Gäste erleben einen schönen, durchweg harmonischen und kurzweiligen Abend, der leider viel zu früh zu Ende geht. Die Gäste in jedem Falle haben es sichtlich genossen und den Bands den Applaus beschert, den sie verdient haben. Großartig und die Vorfreude auf den morgigen Tag steigt!

Tag 2 – O.M.I. Open-Air – 28.08.20211

Noch auf dem Weg nach Oberndorf schüttet es am Spätnachmittag wie aus Kübeln. Na, das kann ja heiter werden. Aber der Wettergott zeigt sich gnädig und macht die Schotten rechtzeitig und kurz vor Konzertbeginn dicht. Lediglich ein leichter Nieselregen flackert immer wieder mal auf, aber dieser löst sich im Verlauf des Abends auf.

Den Opener machen am heutigen Samstag die Teutonic Thrash Metaller Traitor aus dem nahe gelegenen Balingen und sorgen somit am frühen Abend für das Lokalkolorit. Straight Outta Balingen!, so das Motto der vier sympathischen Jungs. Es ist und bleibt ein etwas ungewöhnliches Bild für den geneigten Zuschauer, wenn der Sänger hinter dem Schlagzeug sitzt, dies schmälert die Bühnenpräsenz und die geballte Wucht des sehr präzise gespielten Thrash Metal jedoch in keiner Weise. Traitor gelingt es quasi im Handumdrehen, die zahlreichen Fans für sich zu begeistern. Thrash Command oder Knee Deep In The Dead werden kompromisslos in die Gehörgänge gezimmert. Die Band nutzt bei aufklarendem Himmel die Gelegenheit, dem erst kürzlich verstorbenen Chef ihres Labels Violent Creek Records Bauke de Groot entsprechend musikalisch ihren tief verbundenen Dank für die gemeinsame Zeit auszudrücken. Die Metalgemeinde weiß dies zu schätzen und lässt sich auf den Wogen dieser Emotionen mitnehmen. Spielwitz, durchdringende Härte und Enthusiasmus sind während des Gigs von Traitor zu jeder Sekunde spürbar. Aber auch die Musiker selbst scheinen jeden Takt, jeden Ton und das Liveerlebnis vor dieser beeindruckenden Kulisse mit jeder Faser zu feiern. Kurzum, Traitor haben alles richtig gemacht und hinterlassen ein gut bestelltes Feld.

Links: http://www.facebook.com/traitorthrash
https://www.traitor-band.de/
http://www.instagram.com/traitorthrash

Dem schließen sich die Innsbrucker Insanity Alert nach kurzer Umbaupause nahtlos an. Insanity Alert frönen ebenfalls dem Thrash Metal und daraus machen die Herren beileibe kein Geheimnis. Allein das Bühnenoutfit von Sänger Kevin, der anfangs im neongrün schrill glänzenden Boxermantel auftrumpft, deutet eine energiegeladene Bühnenshow an. Die ersten Songs performt Kevin noch in rosafarbener Skimaske, um danach in vollem Antlitz die Fans mit zahlreich beschrieben Transparenten zum Hexentanz oder besser zum Moshen einzuladen. Da lassen sich die Mädels und Jungs im Pit nicht zweimal bitten und folgen der Aufforderung bedingungslos. Kevins spitziger Witz und die holländisch/österreichische Wortgewandtheit führen zu wahrer Ekstase. Der wilde Ritt nimmt mit fortdauernder Spielzeit deutlich an Fahrt auf, so werden All Mosh/No Brain oder Run To The Pit begeistert gefeiert. Zusammenfassend haben sowohl Traitor als auch Insanity Alert gleich zu Beginn des Konzerts ein wahres Feuerwerk abgebrannt.

Links: https://www.facebook.com/insanityalert/
https://www.insanityalert.com/
https://www.instagram.com/insanityalert/

Zu meiner Schande und um an dieser Stelle ganz ehrlich zu sein, habe ich Mr. Hurley & Die Pulveraffen lediglich über die ersten Songs und während des Fotografierens intensiver verfolgt. Denn um den Durst zu stillen, bin ich danach kurz an den nächstgelegenen Getränkestand gelaufen und bin dort zufällig bei den Jungs von Traitor und Insanity Alert zum eigentlich nur kurz geplanten Plausch hängen geblieben. Aus kurz wird leider nichts und so kann ich die Pulveraffen nur flüchtig aus der Ferne mitverfolgen. Nun, nach den brettharten Klängen von Traitor und Insanity Alert, haben die aus dem karibischen Osnabrück stammenden Verfechter des Seemannsliedgutes zu Anfang sicher etwas mit dem auferlegten Kontrast zu kämpfen. Allerdings nur kurz, denn Mr. Hurley & Die Pulveraffen liefern handgemachten Grog ’n‘ Roll von Piraten für Piraten, aber die Fans feiern diese Band augenscheinlich. Auch aus der Ferne kann ich ganz zaghaft erkennen, dass zu Knüppel Auf’n Kopp heftig geschunkelt wird. Sorry, ich gelobe Besserung.

Links: https://www.facebook.com/pulveraffen
https://seemannsgrab.pulveraffen.de/
https://www.instagram.com/mr.hurley_und_die_pulveraffen

Der Abend geht auf die Zielgerade und auch die Abendsonne ist der Dämmerung gewichen. Vor der Bühne wird es zunehmend voller, denn der Headliner und keine Geringeren als die legendären Tankard spielen zum Tanz auf. Seit fast vier Jahrzehnten beglücken die Alcoholic Thrash Metaller aus dem hessischen Frankfurt nun schon ohne Unterlass die Szene. Sänger Gerre übernimmt gewohnt sicher und direkt die Führung und leitet die Meute geradewegs durch die mit Klassikern üppig gespickte Setlist. Seine Ansprache vermittelt Vertrautheit und Witz gleichermaßen. Man muss zu Tankard eigentlich keine großen Worte mehr verlieren, denn die jahrelange Konstanz und die musikalische Kontinuität sprechen für sich. Es ist abermals erstaunlich, wie eine Band nach so langer Zeit des Bestehens immer noch derart vollkommen Tough abliefert. Die Hits der Band kommen immer geplant zur rechten Zeit, um den Spannungsbogen stets auf höchstem Niveau zu halten. So gelingt es Tankard spielend, die Fans nach Belieben zu lenken und mitzureißen. Auch die Wassergeschenke, die Gerre während der Show in die Menge verteilt, werden durchaus richtig interpretiert, denn eines steht: Freibier für alle, sonst gibt’s Krawalle! Wo Tankard draufsteht, ist auch Tankard drin, damit sei alles gesagt. Unzählige Male live gesehen und unzählige Male haben sie mich überzeugt. So geht auch dieser zweite Festivaltag im Freudentaumel zu Ende.

Links: https://de-de.facebook.com/tankardofficial
https://www.tankard.info/
https://www.instagram.com/tankard.official

Fazit des zweiten Festivaltages:
Der Tag beginnt mit Traitor und Insanity Alert fulminant und gewinnt mit den Pulveraffen an musikalischer Attraktivität hinzu. Tankard setzen dann den krönenden Abschluss dieses Abends. Über 500 Gäste hatten ihre helle Freude. Beide Tage waren demnach nicht nur wegen des breiten musikalischen Spektrums ein Highlight, das O.M.I Open-Air symbolisierte auf eine ideale Art und Weise, dass die herbeigesehnte Normalität und Kultur mit einem ausgeklügelten Konzept wieder möglich sind. Dies gilt insbesondere für den Kultursommer Oberndorf im Allgemeinen. Der immense organisatorische Aufwand der Veranstalter hat und wird sich nicht nur an diesen beiden Tagen auszahlen. Die Disziplin der Gäste hat hierzu maßgeblich beigetragen. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass sich der Kultursommer Oberndorf in den kommenden Jahren weiter etablieren wird.

Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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