Power Paladin – Beyond The Reach Of Enchantment

27.03.2026 - Power Metal - ROAR (Reigning Phoenix Music) - 48:18 Minuten

Oft habe ich es versucht, doch zu Power Metal finde ich selten Zugang. Während mich das Genre rein musikalisch überzeugen kann und ein gelegentliches Abenteuer voller Pathos oder Camp in Ordnung geht, flößen mir die theatralischen High-Pitch-Vocals eher Heidenangst als Heldenmut ein. Doch es gibt immer wieder Ausnahmen. Dazu gehören Power Paladin, die mich – um nah am Genre zu bleiben – verzaubert haben. Es war die The Legend Of Zelda-Referenz im Track Righteous Fury vom Debüt With The Magic Of Windfyre Steel (2022), die mich entgegen meiner Vorlieben sofort zum Fan machte. Das neue Album Beyond The Reach Of Enchantment setzt die Erfolgsgeschichte von Power Paladin fort.

Aufrichtigkeit statt Selbstparodie

Die Jungs aus dem isländischen Reykjavík rockten sich mit ihrem Debüt nicht unbedingt aufgrund von Innovation in die Herzen der Fans, sondern weil sie mit ihrem energiegeladenen Sound eine feine Balance aus Nostalgie und Hommage treffen. Hinzu kamen charmante Skurrilitäten wie Spoken-Word-Interludes und gelegentliche Growls. Power Paladin machen kein Hehl daraus, dass sie ihren Helden Iron Maiden, Dio oder Helloween nacheifern. Und sie lassen nahezu kein Klischee aus. Warum funktioniert das für mich?

Power Paladin spielen mit absoluter Überzeugung, auf technisch hohem Niveau und mit einem entwaffnenden Augenzwinkern für Fantasythemen und Gaming-Kultur. Das bedeutet nicht, dass die Band ironisch darauf herabblickt. Es sind aufrichtige Referenzen von Fans für Fans. Wo andere Bands mit aufgesetzter Ernsthaftigkeit und Kitsch mitunter unglücklich nah an der Selbstparodie stehen, wirken Power Paladin erfrischend authentisch.

Mit dem hochwertig produzierten (Haukur Hannes, Frank de Jong) Beyond The Reach Of Enchantment kehrt das isländische Sextett zurück und macht genau da weiter, wo With The Magic Of Windfyre Steel aufgehört hat: epische Hymnen, harmonisierte Gitarrenläufe, heroische Mitsing-Refrains und stimmige Texte wie aus einem feuchten Rollenspieltraum.

Zwischen Würfeln und Laserkanonen

Schon der Opener Sword Vigor lässt mich meinen W20 vergessen, während ich mich euphorisch grinsend von einer Klippe in einen Strudel aus „Laser powered cannons“ stürze, nur um bei einem kurzweiligen 8-Bit-Chiptune-Part wie ein Irrer „Ja, ja, jaaaaaa!“ zu jauchzen. Nicht nerdy genug? Glade Lords Of Athel Loren ist eine Liebeserklärung an das Warhammer-Fantasy-Franchise.

Während sich The Royal Road rockiger gibt und die Geschwindigkeit drosselt, trieft das hochemotionale The Arcane Tower vor Drama und strapaziert mit seinen extremen Höhen meine Schmerzgrenze. Dafür zeigen sich Power Paladin mit Aegis Of Eternity von ihrer eher thrashigen Seite und der Gesang ist stimmlich gelegentlich auch unterhalb der Stratosphäre unterwegs.

Camelot Rock City verneigt sich vor Kiss und liefert das perfekte Futter für Mittelalter-Fans. Falls eure Muskeln vom Fäusterecken noch nicht brennen, werden sie es spätestens nach der Mid-Tempo-Hymne Keeper Of The Crimson Dungeon tun. Bitte Vorsicht im Straßenverkehr, falls ihr im Auto headbangt und mitsingt!

Zum Abschluss drehen Power Paladin den Pathos-Regler auf legendären Anschlag und zelebrieren Valediction. Der Gesang hat meine Brillengläser längst platzen lassen, dabei gibt es hier auch Growls zu hören. Ich kann mich dem verführerischen Enthusiasmus dieses überraschend bedrohlich wirkenden Songs kaum entziehen, der sich zur Mitte in filmreifen Bombast verwandelt – vollgestopft mit verspielten Soli, aus denen andere Bands vielleicht eine vierteilige EP gebastelt hätten.

Power Paladin sind:

Atli Guðlaugsson – Gesang
Bjarni Þór Jóhannsson – Gitarre
Ingi Þórisson – Gitarre
Einar Karl Júlíusson – Schlagzeug
Bjarni Egill Ögmundsson – Keyboards
Kristleifur Þorsteinsson – Bassgitarre

Hier geht es für weitere Informationen zu Power Paladin Beyond The Reach Of Enchantment in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Power Paladin – Beyond The Reach Of Enchantment
Fazit zu Beyond The Reach Of Enchantment
Beyond The Reach Of Enchantment ist kein Experiment, sondern ein Hieb mit dem Breitschwert. Und es macht verdammt viel Spaß. Power Paladin liefern ein Fest für Genre-Fans mit kraftvoller Musik und dichtem Storytelling, das ohne aufgesetzte Attitüde auskommt und auch Über-den-Tellerrand-Hörer wie mich vereinnahmt. Kritische Stimmen mögen den Isländern vorwerfen, dass sie mit ihrem Zweitling auf Nummer sicher gehen und statt echter Innovation „nur“ mehr vom Bewährten liefern. Aber das ist eben auch sehr, sehr gut. Und lasst uns ehrlich sein: Innovationen haben wir hier nicht wirklich gesucht. Power Paladin zelebrieren das Genre mit technischer Brillanz und einer Spielfreude, die jede Skepsis wegfegt.

Anspieltipps: Sword Vigor, Aegis Of Eternity und Keeper Of The Crimson Dungeon
Christian D.
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