Praying Mantis – Katharsis

Werden hier verdrängte Emotionen ausgelebt?

Artist: Praying Mantis

Herkunft: London, England

Album: Katharsis

Spiellänge: 53:06 Minuten

Genre: Melodic Hard Rock

Release: 28.01.2022

Label: Frontiers s.r.l.

Link: http://www.praying-mantis.com/

Bandmitglieder:

Gesang – John „Jaycee“ Cuijpers
Gitarre – Tino Troy
Bass – Chris Troy
Schlagzeug – Hans in’t Zandt
Gitarre – Andy Burgess

Tracklist:

  1. Cry For The Nations
  2. Closer To Heaven
  3. Ain’t No Rock ‘N’ Roll In Heaven
  4. Non Omnis Moriar
  5. Long Time Coming
  6. Sacrifice
  7. Wheels In Motion
  8. Masquerade
  9. Find Our Way Back Home
  10. Don’t Call Us Now
  11. The Devil Never Changes

Vier Jahre nach ihrem letzten Album Gravity melden sich Praying Mantis mit Album Nummer 12 zurück. Katharsis, so der Name des neusten Streiches, könnte die Aufarbeitung von verdrängten Emotionen sein. Laut Wikipedia wird das in der Regel durch lautes Schreien, schlagen gegen einen Sandsack oder auch mit unkontrolliertem Weinen erreicht. Wird das hier auf der Platte umgesetzt? Leider, so viel sei schon mal gesagt, gelingt das über weite Strecken nicht. Trotz der stabilen personellen Besetzung mit Sänger John „Jaycee“ Cuijpers und Drummer Hans in’t Zandt sowie den Gründungsmitgliedern und Brüdern Chris und Tino Troy und dem zweiten Gitarristen Andy Burgess können sie an die letzte Scheibe nicht ganz anknüpfen, wobei sich das mit dem Opener Cry For The Nations zunächst ganz anders anhört. Eingängig, mit leichtem Klavier beginnend, entwickelt sich der Track schnell zu einem monstermelodiösen Song. Jaycees Stimme passt sich dem Track super an und der Refrain zeigt die Truppe von bekannter Seite. Nicht mehr ganz so 80er mäßig, aber doch noch deutlich im NWOBHM angesiedelt, aber mit moderner Technik umgesetzt.

Auch der zweite Track fängt zunächst noch vielversprechend an, aber bereits nach kurzer Zeit hält er dem guten Beginn nicht mehr stand. Ziemlich fade plätschert Closer To Heaven durch den Lautsprecher. Dass es keinen Rock ’n‘ Roll im Himmel geben soll, kann ich so zwar nicht bestätigen, aber mit diesem Output könnte ich es verstehen. Somit enttäuscht auch Ain’t No Rock’n’Roll In Heaven etwas. Das liegt nicht an dem Gesang von Cuijpers, aber irgendwie zündet der Track nicht. Schnell weiter. Non Omnis Moriar beginnt vielversprechend. Das flacht in der Strophe dann ab, aber als dann der mehrstimmige Gesang einsetzt, wird es besser. Trotzdem weit entfernt von dem wirklich klasse Opener.

Das zweite Drittel beginnt mit Long Time Coming, und auch im zweiten und dritten Durchlauf kann der Song nicht wirklich punkten. Wieder mal reißt Jaycee das zumindest etwas raus, ansonsten ein eher langweiliger Song, der auch nicht wirklich was mit NWOBHM oder Melodic Hard Rock zu tun hat. Das ist eher einfacher Rock ohne Tiefgang. Sacrifice überrascht dann. Hier zeigen Praying Mantis eine Facette, die sehr ansprechend ist. Die Nummer überzeugt mit akzentuiertem Solo von Tino Troy und gefühlvollem Gesang. Damit haben sie zumindest zwei der vorherigen Songs fast kompensiert. Geht es so weiter? Nicht ganz, obwohl auch Wheels In Motion besser ist als Track zwei und drei. Die Nummer lebt in weiten Strecken von einer ansprechenden Melodie und einem auf den Punkt gespielten Bass von Chris Troy. Die Gitarristen dürfen sich zum Ende hin ebenfalls noch beweisen. Masquerade setzt den positiven Trend fort. Auch dieser Track ist eher mäßig schnell gespielt, kann aber mit einer schönen, halb akustischen Gitarre aufwarten. Bisher überzeugen ihre Midtempo-Nummern, und bis auf den ersten Song sind die schnelleren Rocksongs nicht das Ausschlaggebende auf Katharsis.

Das letzte Drittel beginnt wieder mit einem der weniger bedeutenden Songs. Irgendwie erwartet man, dass es gleich losgeht, aber da fährt der Song mit angezogener Handbremse und hat im Schlepptau ’nen Anhänger, der ihn noch weiter ausbremst. Die ersten Töne des folgenden Songs lassen eine Ballade vermuten. Nachdem die ersten Takte vorbei sind, folgt mit Call Us Now einer der Songs, die typisch für die Gottesanbeterinnen ist. Zwar kein in dem Achtzigermetal angesiedelter Song, aber trotzdem sind die Anleihen deutlich erkennbar und die modernen Facetten passen zur heutigen Zeit. Die harmonischen Twin-Gitarren dürften gerade im Live-Set für Aufsehen sorgen. Mit The Devil Never Changes wird das Album nach gut 53 Minuten beschlossen. Noch einmal versuchen die achtziger Jahre NWOBHM Ikonen zu beweisen, dass sie zu Unrecht nicht so erfolgreich geworden sind wie Maiden, Priest oder Saxon. Das misslingt leider etwas. Nun kann man vielleicht nachvollziehen, woran es letztendlich lag und liegt. Die Musiker selbst verstehen ihr Handwerk, aber die so richtig zündenden Songs fehlen über weite Strecken.

Praying Mantis – Katharsis
Fazit
Der nach eigenen Worten melodische Hard Rock kann nicht in Gänze überzeugen. Zu viele einfache Rocksongs ohne wirkliche Zündung und wenig hängen bleibende Hooks lassen die neue Platte von Praying Mantis über weite Strecken langweilig erscheinen. Es gibt glücklicherweise einige gute Tracks, die dann zeigen, was sie können. Ob die so drastische Abkehr vom Altbewährten gut ist, wird sich zeigen. Ich für meinen Teil hatte mehr erwartet und bin schon etwas enttäuscht. Natürlich ist es Geschmackssache. Unbestritten ist das handwerkliche Können und auch Sänger Yacee Cuijpers ist ein Segen für die Truppe.

Anspieltipps: Cry For The Nations, Sacrifice, Don't Call Us Now und The Devil Never Changes
Kay L.
7
Leser Bewertung2 Bewertungen
7.3
7
Punkte