Punchline Studio: Scaramouche-Comeback auf der Leinwand schreitet voran

Die Kameras für Heart And Soul laufen auf Hochtouren

Wir haben in der Vergangenheit ein paar Mal über das Heart And Soul-Film-Projekt der Styrnol-Brüder berichtet, mit dem das Lahrer Punchline-Studio die ehemalige Lahrer Rock-Band Scaramouche wieder auferstehen lässt.

Links zu den vorherigen Beiträgen:
https://time-for-metal.eu/scaramouche-comeback-auf-der-leinwand/
https://time-for-metal.eu/interview-mit-pirmin-und-maik-styrnol-vom-punchline-studio-in-lahr-ueber-den-scaramouche-film-heart-and-soul/
https://time-for-metal.eu/live-in-concert-the-series-trailer-zu-oil-live-in-concert-online/

Die Band Scaramouche gründete sich im Jahr 1993 als Nachfolgeband von Acres Wild, einer in der Ortenau recht bekannten Rockformation. Scaramouche, das waren die Brüder Frank Vetter (Vocals, Keyboards) und Marc Vetter (Drums, Vocals), sowie Gert Endres (Guitar, Vocals) und Thomas Schwendemann (Bass, Vocals). Die Jungs erlangten schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad und in den Neunzigern befand sich die Combo im Dunstkreis der ganz Großen. Zwischen 1993 und 2001 spielten sie bis zu 80 Konzerte im Jahr, überwiegend in Deutschland und Luxemburg. Mit Born In December veröffentlichte man 1995 das erste Studioalbum, welches zu einem Überraschungserfolg mutierte. Es führte zu einem Plattenvertrag bei Warner Music und im Verlauf zu Engagements auf renommierten Rockfestivals gemeinsam mit Szene-Größen wie z. B. den Scorpions, Deep Purple, Inner Circle, Pur und James Brown. Das Album erhielt überschwängliche Kritiken, man spielte diverse TV-Auftritte, die Songs wurden im Radio gespielt und die kleine Band aus der Ortenau war auf dem Weg nach ganz oben. Die Single Jeans Song erhielt vom Label Warner Music sogar den Status „Single des Monats“. Es folgten mit Better (1996) und Belle (1999) noch zwei weitere Alben, die wiederum ganz gute Kritiken einfahren konnten, doch der eine, ganz große Hit, der den Durchbruch hätte bringen können, blieb aus. Im Jahr 2001 löste sich die hoffnungsvolle Band auf. Geblieben sind nur Erinnerungen und das Lebensgefühl der 80er und 90er Jahre und die Musik aus insgesamt drei Alben.

Seit anderthalb Jahren sind Scaramouche nun wieder in aller Munde, denn seit rund anderthalb Jahren arbeiten die Lahrer Film-Brüder, Pirmin und Maik Styrnol, an dem Mammutprojekt Heart And Soul, einer Musikdokumentation über die Band und die regionale Musikszene der 80er und 90er Jahre. In der Zwischenzeit ist viel passiert, u.a. wurde ein Crowdfunding in Gang gebracht, mit dem Ziel, 20.000 € von privaten Sponsoren für die Finanzierung der Dreharbeiten einzusammeln. Dank der Hilfe vieler enthusiastischer Musikfans gelang das und die zu erreichende Marke wurde mit 20.140 € knapp überschritten. Weitere Sponsoren fanden sich in der Firma Zermet Zerspanungstechnik aus Lahr und der Volksbank in Lahr. Auch der Lahrer Ex-Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller unterstützte die Brüder finanziell und stellte ihnen eine Sponsoring-Empfehlung vonseiten des Rathauses aus. Damit waren die Dreharbeiten finanziell abgesichert. Zunächst wollte man etwas auf die Bremse treten und durchatmen, doch das klappte nur kurz. Das Doku-Drehbuch, das sogenannte Treatment, musste geschrieben werden. Das Schreiben mit all den Planungen, dem Sortieren von Material, dem Beachten jeder noch so kleinen Anekdote, den Planungen der Interviews und dem Festlegen der Drehorte, nahm ziemlich viel Zeit in Anspruch, doch dann war es soweit. Nun laufen nun seit Anfang September die Kameras …

Erste Szenen sind bereits abgedreht. Elf Drehtage hat man mittlerweile hinter sich, etliche weitere sollen noch folgen und man ist dabei schon jetzt viel herumgekommen. Der erste Interview-Drehtag fand mit Cleopha Erfinder Walter Holtfoth am Apostelsee in Ettenheim statt. Warum? Vor 30 Jahren schoss Holtfoth mit seiner rollenden Disko ganz nach vorne und dort am See begann alles. Der Mann mit Hut – einst füllte er Woche für Woche die Hallen und Diskos der Region – zu seinem Sound der 60er bis 80er Jahre tanzten die Massen. Für ein zweitägiges Open Air Konzert hatte Holtfoth damals sogar die populäre DDR-Band City eingeflogen. Außerdem spielten China aus der Schweiz, Kingdom aus Hannover und mit Common Intention und der Scaramouche-Vorgänger-Band Acres Wild auch einige lokale, kleine Bands. Die Lahrer Zeitung lobte die Band um Acres Wild-Frontmann Kai Escher damals, denn mit ihnen kam erstmals Stimmung auf. „Sie waren ihrer Zeit voraus“, schwärmt Holtfoth und seine Augen leuchten noch heute, berichten die Styrnol-Brüder auf ihrem Filmblog. Nach dem Festival war Holtfoth weitestgehend pleite, doch er behauptet, das war es wert. Das Interview mit Holtfoth fand dann später am Tag im Rockcafe Altdorf statt, bei dem es um Musik im Allgemeinen, um die Szene der 80er und 90er Jahre, um Privatradios und Plattenlabels, um Lokaljournalismus, die kanadischen Streitkräfte in Lahr und um Kulturunterstützung in der Ortenau ging. Unterstützt werden Pirmin und Maik Styrnol durch ein Filmteam von vidream Bewegtbild aus Freiburg.

An dieser Stelle ein kleiner Konzerttipp, denn am 30. November, also nächste Woche Samstag, steht im Rockcafe Altdorf die Hardrock-Band Oil auf der Bühne, die Band, mit der die ehemaligen Scaramouche-Musiker Gert Endres (Vocals, Guitar) und Marc Vetter (Drums, Vocals) , zusammen mit Rainer Jauch (Bass, Vocals), noch heute aktiv sind.

Link zum Event: https://www.facebook.com/events/2418541988365891/

Ein paar Drehtage später wurde ein weiteres Interview mit dem Lahrer Kulturjournalisten Jürgen Haberer im Kesselhaus geführt. Das große Thema: Das Daytona Europe Festival auf dem Lahrer Flugplatz im Jahr 1997, bei dem damals große Musiklegenden wie James Brown, Emerson, Lake & Palmer, die Hannoveraner Scorpions und die Kings of Metal Manowar spielten. Eine riesengroße Pleite, denn statt der 100.000 erwarteten Besucher wurden nur etwas mehr als ein Viertel der Karten verkauft, und so sorgte das Event für einen großen Schuldenberg beim Veranstalter. Für Scaramouche war das Pleite-Festival dennoch ein tolles Erlebnis, denn sie standen als einzige lokale Band mit den Großen auf einer Bühne – ein Kapitel, das in Heart And Soul nicht fehlen darf.

Für einen weiteren Interview-Drehtag ging es für die Styrnol-Brüder und das Filmteam nach Mannheim, wo sie den Breakout-Redakteur Chris Glaub in der Mannheimer Heavy Metal Bar Maloik trafen. Glaub gilt als absoluter Kenner der Branche, keine Band, die er nicht kennt, Kein Label, das ihm fremd ist, kein Verlag, von dem er noch nichts gehört hat. Laut der Film-Brüder kam er bestens vorbereitet zum Interviewtermin und hatte zuvor auch noch einmal die Scaramouche-Alben gehört, denn man wollte seine Profi-Einschätzung als Musikkritiker dazu hören. Über das Ergebnis hüllt man noch den Mantel des Schweigens, denn sonst braucht ja niemand mehr den Film anschauen.

Auch mit Von Welt-Drummer Patrick Moser sprachen die beiden Regisseure. Von Welt ist eine Lahrer Deutschrock-Band, die gerade in den Vorbereitungen für ihre Deutschland-Tournee steckte und im Zuge dessen vorab schon mal im Lahrer Schlachthof die Sound- und Lichteinstellungen testete. Ein weiterer spannender Tag für die beiden Filmemacher, denn Scaramouche waren für Moser der Einstieg ins Musikgeschäft. Drummer Marc Vetter war in grauer Vorzeit mal so etwas wie Mosers Lehrer und nahm den damals noch minderjährigen als Roadie mit zu den Scaramouche-Auftritten, so dass er heute noch viele spannende Anekdoten über die damalige Zeit zu berichten weiß.

Weiter ging es dann in Ludwigsburg, wo man mit Ex-Running Wild  Drummer Wolfgang „Hasche“ Hagemann in seinem Wohnzimmer drehte. Die Metal-Piraten von Running Wild reisen noch immer in veränderter Besetzung durch die Welt, doch Hasche stieg 1987 aus und wurde später das Aushängeschild der RoFa, der damals größten Rockdiscothek im deutschsprachigen Raum. Seine eigene Rockstar-Vergangenheit half ihm natürlich, über die Jahre all die großen Bands wie z.B. Metallica, Motörhead, Manowar, Iron Maiden, Queen, Bon Jovi, Bonfire, Mötley Crüe und die Scorpions als Live-Acts in die RoFa zu holen. Aber Hasche hat damals auch den Rockfabrik / Metal Hammer-Nachwuchswettbewerb ins Leben gerufen, für den er in der ersten Ausgabe über 1000 Demo-Tapes von Bands als Bewerbung geschickt bekam. Für die meisten Bands war es alleine schon eine Ehre, überhaupt dabei sein zu können. Eine Ehre, die im Jahr 1992 auch der Scaramouche-Vorgänger-Band Acres Wild zuteil wurde. Bewertet von einer Jury aus Musikern, Produzenten, Journalisten und Label-Profis schafften es die Lahrer-Nachwuchsrocker tatsächlich bis ins Finale. Am Ende reichte es nur für den undankbaren Platz vier, was für große Enttäuschung innerhalb der Band sorgte. Man hatte von einem Plattenvertrag geträumt und musste sich dann gegenüber No Remorse In Paradise, die damals den Wettbewerb gewannen, sowie Enslaved und Abraxas geschlagen geben. Hasche kann sich heute kaum noch an den Auftritt von Acres Wild in der RoFa erinnern, eigentlich nur noch an deren Drummer Marc Vetter, weil der verrückte Kerl während seines Schlagzeugsolos auch noch Trompete spielte, was man ja im Rockzirkus nun auch nicht jeden Tag sieht.

In nächster Zeit steht noch ein weiterer Tag in der RoFa an, denn Hasche hat noch jede Menge Fotos und Zeitungsberichte von damals rausgekramt, darunter auch die Konzertkritik vom Finale 1992. Des Weiteren stehen in den nächsten Wochen und Monaten weitere Drehtage im österreichischen Klagenfurt und in Luxemburg an, doch der größte Teil der Aufnahmen wird in Lahr und Umgebung stattfinden. Man darf gespannt sein, wie es mit der Entstehung von Heart And Soul weitergeht. „In meinem Kopf ist der Film schon fertig, aber bei einer Dokumentation ist ja nicht alles komplett planbar. Die Doku steht und fällt mit den Protagonisten – und mit deren Interviews“, erklärt Regisseur Pirmin Styrnol, der für frühere Produktionen bereits mehrere internationale Film- und Medienpreise erhalten hat, in einem Pressetext.

Die Premiere ist übrigens für Dezember 2020 geplant.

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