Event: Genesis Classics
Artist: Ray Wilson & Band
Datum: 12.08.2021
Genre: Rock, Classic Rock
Besucher: ca. 470
Ort: Wasserschloss Glücksburg
Kosten: 39,90 € VVK, 45,00 € AK
Links: https://raywilson.net/
Setliste:
- No Son Of Mine
- That’s All
- Wait For Better Days
- Take It Slow
- In Your Eyes
- The Carpet Crawlers
- Lemon Yellow Sun
- Almost Famous
- Change
- Follow You Follow Me
- Calling All Stations
- Makes Me Think Of Home
- Home By The Sea
- There Must Be Some Other
- Land Of Confusion
- In The Air Tonight
- Heroes
- Alone
- Solisbury Hill
Zugabe:
- Congo
- Inside
August 2021: Heute findet für uns das erste Konzert in diesem Jahr statt. Und wie es der Zufall will, das letzte Konzert im letzten Jahr vor dem erneuten Lockdown war….Ray Wilson in der Bluesgarage Isernhagen (Bericht hier) – wenn das mal nicht ein gutes Omen ist. So ist es dann auch. Pünktlich erscheinen wir beim Wasserschloss in Glücksburg und ohne Probleme kommen wir auf das Gelände. Voll durchgeimpft und mit der Luca App bewaffnet, betreten wir den Hof, der von den Wirtschaftsgebäuden des Schlosses eingegrenzt wird. Mittig ist eine Bühne aufgebaut, ein Bierwagen steht in einer Ecke und nur mit Maske und den entsprechenden Abständen bekommt man zu normalen Preisen ein Getränk. Das schenken wir uns zunächst, denn die Schlange davor schreckt etwas ab. Auf dem Hof ist die Maskenpflicht aufgehoben, aber die Abstände werden wie selbstverständlich eingehalten. Da es vor der Bühne kein Gedrängel gibt, ergattern wir einen Platz an der Absperrung. Die örtliche Feuerwehr steht ebenfalls bereit, um bei Gefahr schnell einschreiten zu können, denn immerhin stehen wir an einem historisch wertvollen Ort. Kurz vor 20:00 Uhr begrüßt Niels Godt, Veranstalter und Gastgeber, die Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Rund, äh Eck. Das Durchschnittsalter liegt deutlich über 50 und der hohe Anteil an weiblichen Fans lässt vermuten, dass nicht nur die Musik anziehend ist. Ray Wilson kommt dann auch wie selbstverständlich mit Violinistin Alicja Chrząszcz am Arm durch die Menge und betritt die Bühne. Links nimmt sein Bruder Steve die Elektrische aus dem Ständer und hinter dem mit Plexiglas abgeschirmten Schlagzeug platziert sich Mario Koszel. Keyboarder und Pianist Kool Lyczek sitzt leicht im Hintergrund an der rechten Seite und neben der besagten Violinistin steht Bassist, Saxophonist, Flötist und Klarinettist Marcin Kajper. Bei angenehmen 25 Grad und noch leichter Sonne geht der erste Teil des Sets mit No Son Of Mine los. Da der heutige Abend im Rahmen der Genesis Classics steht, kommen immerhin elf Tracks von dieser Ausnahmeband oder den dazugehörigen Protagonisten wie Phil Collins oder Peter Gabriel. Ray, der auf der letzten Genesis Platte Calling All Stations am Mikro stand, versteht es, den Klassikern einen eigenen Stempel aufzudrücken, ohne die ursprüngliche Struktur zu verändern. Das macht er richtig gut und schafft es, diese Songs lebendig zu halten.

Kurz noch mit dem Veranstalter geredet und schon mal am Merchstand geluschert, ob es etwas Neues gibt. Dem ist nicht so, nur das offiziell erst am 28. August erscheinende Album und ältere Scheiben sind erwerbbar. Tja, der zweite Teil fängt dann mit dem Titeltrack des Albums an, bei dem Ray 1997 den Gesangspart übernommen hatte. Calling All Stations lässt den nun dunklen Abendhimmel heller erscheinen und erwärmt die Zuschauer. Noch kuscheliger wird es, als das etwas melancholische Makes Me Think Of Home folgt. Das ist so einer der Songs, von denen ich ja bereits sagte, Ray hat super schöne eigene Lieder im Repertoire. Der ursprünglich aus Schottland stammende Sänger wird es nicht müde zu erwähnen, dass es in seiner Heimat ja so gut wie nie regnet und solche lauen Abende, wie hier und heute in Glücksburg in den Highlands an der Tagesordnung sind. Das wissende, leichte Gelächter der Anwesenden lässt erahnen, dass sie den leichten Seitenhieb auf seine Heimat sehr wohl verstanden haben. Solche kleinen Geschichten und Anekdoten und auch das Bedanken für den ordentlichen Applaus fließen das eine oder andere Mal in die Performance ein und machen sie locker und angenehm persönlich. Die folgenden drei Lieder stammen wieder aus der Feder von Genesis und sind etwas schneller. Das Publikum gerät zunehmend in Tanzlaune und man sieht viele, die, natürlich auf Distanz, sich zu der Musik mehr oder minder stark bewegen. Die Band spürt die Energie und gibt sie an die Zuschauer zurück. Allerdings verpuffen Rays Bemühungen, das Publikum zu noch mehr Reaktion zu bewegen bzw. auch mal einen Refrain mitzusingen, denn die norddeutsche Mentalität braucht etwas länger, um aufzutauen. Trotzdem passt der fast schon intime Rahmen einfach zu der dargebotenen Musik und man fühlt sich einfach gut und erfreut sich an der Darbietung, ohne überschwänglich zu sein.

Nach kurzer Zeit erscheinen dann Ray und Marcin am Merchstand und signieren (coronakonform mit Maske) CDs oder Poster und unterhalten sich auch mit den noch anwesenden Zuschauern. Auf Bilder wird verzichtet, um jegliche Gefährdung auszuschließen. Damit endet ein kurzweiliger Abend in einer passenden Location mit einer professionell auftretenden Ray Wilson Band und einem Frontmann, dem man sein Faible für Musik anmerkt. Er kommt als einer von uns rüber und vermittelt nicht den Eindruck, der unnahbare Musiker zu sein. Das macht ihn so sympathisch und authentisch.

















