Satin White täuschen mit dem Titel und Artwork von Born über den Inhalt ihres Longplayers hinweg. Die Eigenproduktion und zweite Veröffentlichung der Formation versprüht keine Aufbruchsstimmung, die Hoffnung wird im Keim erstickt, und trotz der eigentlichen Vorlage verfällt die Scheibe in düstere Hard-Rock-Gefilde, die nur so vor Schwermut strotzen. In etwas über 40 Minuten zieht es die Truppe um Carsten Kettering in Gothic-getränkte Rock-Landschaften, die auf dunkle Gedanken und eine Endzeitstimmung setzen.
Das Ende aller Tage naht
Der Opener New-Born ist der beste Beweis für die gedrückte Stimmung. Veröffentlicht wurde die Scheibe bereits Ende Mai 2025, doch im Frühjahr und Sommer passen die schwermütigen Riffs nur bedingt. Born ist eher ein Werk für den tristen Januar und Februar, wenn die Schneedecke das Leben erstickt und das Kaminfeuer beim Erlöschen einen feinen Rauchfaden heraushustet. Carsten kennt man eigentlich von deutlich wärmeren Klängen – so agierte er in der Vergangenheit bei Ross The Boss oder Majesty. Not Grayed At All, das Debüt, war im Verhältnis zu Born noch offenen und deutlich mehr fröhlichen Elemente zugelassen. Die neuen Stücke aus dem letzten Frühling setzen auf permanente Dunkelheit. Schwer depressive Phasen werden mit I Die Every Day I Live und Lucifer gefüttert. Noch doomiger agieren Satin White bei Monster. Frank Schnitzer und Carsten Kettering ziehen sich förmlich gegenseitig den Boden unter den Füßen weg. Das machen sie jedoch auf einem technisch hohen Niveau. Fans von Gothic-Schwergewichten werden mit der Kunst eher abgeholt als Hard-Rock-Headbanger. Mit Friend-Song brechen sie das Korsett ein wenig auf, ohne ihre Handschrift zu verwässern. Der Umschwung in freundlichere Atmosphären bleibt bis zum Ende verwehrt, was mit Say How Are You And Fuck Our Earth noch mal unterstrichen wird. Der abschließende We Loved Us ist genauso trügerisch wie der Titel Born. Auf die durchgehend schwere Kost muss man wirklich Lust haben und eine sattelfeste Psyche.
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