Saxon – Carpe Diem

Lassen den NWOBHM-Motor nicht ausgehen

Artist: Saxon

Herkunft: Barnsley, England

Album: Carpe Diem

Spiellänge: 44:19 Minuten

Genre: Heavy Metal, NWOBHM

Release: 04.02.2022

Label: Silver Lining / Warner

Link: https://www.facebook.com/SaxonOfficial/

Bandmitglieder:

Gesang – Biff Byford
Gitarre – Doug Scarratt
Gitarre – Paul Quinn
Bass – Nibbs Carter
Schlagzeug – Nigel Glockler

Tracklist:

  1. Carpe Diem (Seize The Day)
  2. Age Of Steam
  3. The Pilgrimage
  4. Dambusters
  5. Remember The Fallen
  6. Super Nova
  7. Lady In Gray
  8. All For One
  9. Black Is The Night
  10. Living On The Limit

Nach dem Cover-Album Inspirations vom letzten Jahr gibt es in diesem Frühjahr neuen Saxon Stoff. Carpe Diem löst Thunderbolt von 2018 ab. Zehn neue Tracks drehen in einer Dreiviertelstunde groß auf und bilden das nächste Geschoss, welches über Silver Lining / Warner Anfang Februar veröffentlicht wird. Das Artwork zeigt das weite britische wie schroffe Land. Mit dem Blick über die Schultern der Wachen zeigt die malerische Grafik die Befestigungsanlage, die scheinbar ruhig vor dem Sturm, dem kommenden Angriff entschlossen entgegentritt. Die 24. Produktion nach 43 Jahren soll genau da anknüpfen, wo die anderen aufgehört haben. Der NWOBHM ist noch lange nicht ausgelaufen, die Legenden leben noch und wollen weiteren Worten Taten folgen lassen.

Nach den ersten Klängen läuft Carpe Diem ohne Intro an. Der Titeltrack der Scheibe gibt den Startschuss und lässt dabei die Möglichkeit zum Punkten natürlich nicht aus. Mystisch, fast nostalgisch entfaltet Carpe Diem (Seize The Day) seine Schönheit. Wie eine kleine Raupe im Kokon sprengt der Titel sein Gefängnis, um als schöner Schmetterling gen Himmel zu fliegen. Biff Byford steht noch voll im Saft, seine einmaligen Vocals dringen aus den Boxen, während die beiden Gitarren von Doug Scarratt und Paul Quinn eng verschlungen für angemessene Atmosphäre sorgen. Der Refrain sitzt auf Anhieb – die Altmeister wissen eben, was funktioniert. Die letzten Silberlinge waren alle sehr stark und diese Serie soll heute nicht reißen. Im guten, betonten Heavy Metal Modus mit der gewünschten britischen Note reiten die Pioniere durch die kalte Winternacht und spucken mal eben so Age Of Steam aus. Noch griffiger als der erste Song hauen Saxon kräftig in die Saiten und Felle. Feuer frei, Biff bringt die schweren Katapulte in Stellung. Nach dem Motto: „Der König ist tot, lang lebe der König“, bringen sie die neuen Werke wie selbstverständlich in Stellung. Die starke Gitarrenarbeit lässt an nichts vermissen und neben den kräftigen Riffs bleibt Platz für verträumte Soli und der Blick auf das grüne wie fruchtbare Land, das Jahrhunderte stark umkämpft wurde. Nicht weniger The Pilgrimage, der vom ersten Takt an gefällt. Schwermütig durchdringen die Melodien das Fleisch bis auf die Knochen. Typisch Saxon und dennoch nicht als Selbstkopie, stoßen die Männer aus Barnsley das neue Kapitel auf. Verträumt, entschlossen und im feinen Balladengewand treibt uns die dritte Nummer in die Arme von Dambusters. Nigel Glockler hinterm Schlagzeug kommt auf Betriebstemperatur, zieht den Hörer im eleganten Beat-Wechsel in den Bann und bringt die Härte zurück in die Platte. Ohne den Refrain totzureiten, galoppieren die fünf Herren mit Remember The Fallen und Super Nova durch den Mittelpart. Mit viel Spaß an ihrer Musik versprühen die Old School Metaller Spielfreude wie an den ersten Tagen. When The War Is Done. Erinnern wir uns an die Helden und gefallenen Menschen. Super Nova geht sogar noch einmal schneller nach vorne. Fast schon thrashig holzen Saxon durch die Wälder, bis Biff mit seinem Gesang einsetzt. Filler findet man auf Carpe Diem bislang keine und alle Kompositionen haben zudem ein ähnlich hohes Niveau. Für alle Headbanger zaubert Lady In Gray nackenknackende Hooks aus dem Hut, die im Midtempo die langsam grau werdenden Haare durch den Wind peitschen. Als halbe Ballade vergessen sie ihren Auftrag nicht und lassen den NWOBHM weiter heiß glühen. All For One könnte auch von Thunderbolt oder Sacrifice stammen. Erfrischend und mit viel Power bringen das Quartett eine stimmige Gesamtleistung zum Rotieren. Ohne einzelne Ausbrüche setzen die Briten auf einzelne Leader, die im Kollektiv die Schwerter kreuzen. Die Kirchenglocken läuten mit Black Is The Night das Ende der Belagerung ein. Viel zu schnell vergehen die 44 Minuten. Black Is The Night kann man dabei noch als echten Höhepunkt anführen, der alles verkörpert, was dieses Langeisen von Saxon stark macht. Davon angestachelt will Living On The Limit nicht kampflos das Feld räumen. Die Rüstung abgelegt, sitzen die Ritter an der großen Tafelrunde und heben drei Minuten die Gläser, während die großen Schlachten vorm inneren Auge laufen.

Saxon – Carpe Diem
Fazit
Wieder haben Saxon alles richtig gemacht, ohne die Räder des eigenen Fuhrwagens neu zu erfinden. Altbewährtes neu in Szene setzen, das dürfte nach über 40 Jahren jedoch nicht die leichteste Aufgabe darstellen, wenn die Anhänger eh schon übermäßig hohe Erwartungen pflegen. Von Druck oder gar Erfolgszwang spürt man bei Biff und Co. rein gar nichts. Locker aus der Hüfte kloppen sie aufs Neue ihre NWOBHM Salven. Wer aus dem Lager der Pioniere jetzt noch was zu meckern hat, dürfte wohl, egal mit welcher Leistung, jedes noch zu kleine Haar in der gut gewürzten Suppe suchen wollen. Finden werdet ihr nichts, zwar bleiben ganz große Hits aus, dafür ertönt eine Platte voller starker Nummern, die man ohne Probleme mehrfach laufen lassen kann.

Anspieltipps: Age Of Steam, Remember The Fallen und Black Is The Night
René W.
8.8
Leser Bewertung5 Bewertungen
7.4
8.8
Punkte