Tarja – In The Raw

Tarja braucht keinen Adelstitel für ihre Leistung

Artist: Tarja

Herkunft: Finnland

Album: In The Raw

Spiellänge: 57:06 Minuten

Genre: Symphonic Metal

Release: 30.08.2019

Label: earMusic / Edel

Link: http://tarjaturunen.com/home-tarja/

Bandmitglieder:

Gesang – Tarja Turunen und Band

Tracklist:

  1. Dead Promises
  2. Goodbye Strange
  3. Tears In Rain
  4. Railroads
  5. You And I
  6. The Golden Chamber: Awaken / Loputon yö / Alchemy
  7. Spirits Of The Sea
  8. Silent Masquerade
  9. Serene
  10. Shadow Play

Die Frage, die bei mir immer wieder hochkommt, ist: Wenn Doro die Queen Of Metal ist, welchen Posten bekommt unsere liebe und zurückhaltende Tarja Turunen aus Finnland? Neben dem alten Nightwish Material überzeugt sie seit Jahren mit ihrem Solomaterial. Zuletzt wurde der etwas seichtere rockige Weg der Dame aus dem Norden angeprangert. Die zweiundvierzig Jahre alte Powerfrau mit der klassischen Gesangsausbildung braucht keinem mehr was beweisen und zieht den Weg durch, den sie für richtig hält. Wohin geht die Reise also mit In The Raw? Das Artwork lässt einen düsteren Weg erahnen, ob es stimmt und die gut eine Stundespielzeit mit zehn Songs Überraschungen parat hält, werden wir jetzt mal langsam aufarbeiten.

Als Erstes: Die ganz großen alten Powerparts von Nightwish verarbeitet Tarja natürlich nicht, kommt aber tatsächlich wieder viel weiter in den Metalsektor und lässt dabei einen sehr symphonischen Anstrich auf ihre Stücke gleiten. Dead Promises wurde mit viel Druck angereichert und die Sängerin fährt ihre Goldkehle direkt hoch. Sehr griffig mit männlichen, gegrowlten Backvocals von Björn “Speed” Strid kommt das Konzept wirklich sehr ihrer damaligen Band nahe. Die instrumentale Dominanz kommt als kleiner Höhepunkt zur Geltung, die Butter lässt sich eine Frau Turunen eh nicht mehr vom Brot nehmen. Gesanglich bleibt sie ein Unikat – ihre Stimme erkennt man aus tausenden und für mich bleibt sie die Symphonic Metal Sängerin schlechthin, auch wenn es jetzt andächtiger als früher zur Sache geht. Die Erfahrung spielt ihr weiter in die Karten, die letzten Ausflüge in Rockgefilde runden In The Raw ab. Es gibt kein Grundgesetz, welches in Stein gemeißelt befolgt werden muss. Locker drauf hin. Goodbye Strange besitzt eine wunderbar progressive Ader. Das Tempo kann herausgenommen werden, ohne an Spannung zu geizen. Tarja schafft es geschickt, nicht nur ihren Gesang als Mittelpunkt zu verankern, vielmehr steht der Silberling auf zwei starken Säulen: einmal ganz klar die Finnen, auf der anderen die exzellente musikalische Untermalung. Alle Werke liegen im Schnitt bei fünf Minuten, nur drei Ausreißer zerstören die Serie und legen sieben Minuten-Meilensteine hin. Tears In Rain gehört zu einem der kürzeren Einspielungen. Selbst in der Kürze stimmt die Harmonie. In einigen Augenblicken wünscht man eine leicht harsche Handhabung. Trotz des Schulterschlusses zu alten Tagen bleibt die neugewonnene, ruhige Ader nicht hinterm Berg. Im Verlauf verflacht In The Raw in klassische Regionen, die einen modernen Überzug erhalten. Diesen Zustand erleben wir bis You And I, der noch einen Gang herunterschaltet. Ihr denkt, mehr geht nicht – dann die nächste Überraschung. The Golden Chamber: Awaken / Loputon yö / Alchemy wird stockdüster, dringt in eine Doomstruktur, die man sonst nicht auf dem Album findet. Selbst innerhalb des Langeisens kennt die Musikerin keine Grenzen. Vielseitig, mit vielen Facetten, weiß man beim ersten Durchlauf nicht, was hinter dem nächsten Track steckt. Das Finale kommt anfänglich erst drückend in Schwung. Silent Masquerade kann man ohne Probleme als Hörprobe anpreisen. Theatralisch, dramatisch und voller ergreifender Melodien – eine Komposition, die live für Gänsehautfeeling sorgen sollte. Kämpferisch drehen wir in die letzten Runden ab. Serene und Shadow Play sollen das Ausklingen richten. Wie tonnenschwere Eisberge tanzt Serene auf dem eiskalten Ozean, damit nicht genug, durch die Weiten der Seenlandschaft schreitet Tarja mit Shadow Play immer weiter in die Wildnis, bis ihre Konturen immer weiter im aufkommenden Nebel verschwinden.

Fazit
Der Start war verdammt gelungen - die danach ruhigeren Stücke nehmen Dynamik aus dem Studioalbum, was man aufgrund der Tatsache, dass es Tarja ist, verkraften kann. Trotzdem sitzt der Break tief, da kommt man nur schwer wieder in Fahrt. Das könnte auch an dem allgemeinen progressiven Operngefüge liegen. Vom symphonischen ersten Block über den klassischen zweiten Part bis zum Endfeuerwerk muss man in drei verschiedene Passagen unterteilen, die ihren Reiz haben. Nicht schlecht, nur braucht man Zeit, um bei In The Raw vollständig anzukommen. Abschließend zur Produktion, die man ruhig antesten kann und sollte: Der ganz große Wurf bleibt für mich aus, dafür fehlen Bindeglieder für noch sauberere Übergänge.

Anspieltipps: Dead Promises und Silent Masquerade
René W.7.8
Leser Bewertung0 Bewertungen0
7.8
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