Thundermother, das kleinste größte Konzert im Berliner Olympiastadion 2021

Die Schwedinnen beschallen das Olympiastadion Berlin, als wären 75.000 Zuschauer vor Ort

Event: STAR FM präsentiert: Das größte kleinste Konzert Deutschlands mit Thundermother

Artist: Thundermother

Datum: 04.05.2021

Genre: Rock, Hard Rock

Besucher: ca. 20

Ort: Olympiastadion, Berlin

Kosten: keine

Links:  https://www.facebook.com/events/3206711596227409
https://www.thundermother.com/

Setliste:

  1. Revival
  2. Whatever
  3. Into The Mud
  4. Hellavator
  5. Dog From Hell
  6. Its Just A Tease
  7. Deal With The Devil
  8. Heat Wave
  9. The Road Is Ours
  10. Lights
  11. Thunderous
  12. Driving In Style
  13. We Fight For Rock’n’Roll

Endlich ein Lichtblick am Ende des Corona-Dschungels. Nein, nicht die Aufhebung aller Einschränkungen, sondern ein Konzert findet statt. Thundermother haben sich zusammen mit Star FM, einem Berliner Radiosender, mal wieder etwas Tolles einfallen lassen. Im größten Stadion der Bundeshauptstadt soll ein kleines Konzert für eine besondere Gruppe von Menschen stattfinden. Der Plan ist es, 20 ausgesuchten und inzwischen wieder vergessenen Helden der Corona-Pandemie, also Pfleger:innen, Krankenschwestern und -pflegern und Verkäufer:innen ein kleines Geschenk zu machen. Zu so einem Ereignis wird natürlich auch die Presse geladen und damit kommen wir dank Michael Thiesen und Eric Burton von Schubert Music Publishing GmbH in den Genuss, dabei sein zu dürfen. Das stellt sich zunächst nicht ganz so einfach dar, da ja Berlin strenge Regeln aufgestellt hat. Also Hotel nur in geschäftlichen Belangen buchen, Ausgangssperre, Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, FFP 2 Masken usw. Aber nachdem die entsprechenden Dokumente und Erlaubnisse für eine Übernachtung da waren, stand einem Besuch nichts mehr im Wege. Das ist nicht nur für uns als Magazin eine Ehrung, sondern auch für mich ein kleines Highlight. Immerhin, und da erzähl ich ja nichts Neues, sind alle Konzerte verlegt, Festivals abgesagt bzw. verschoben. Auch für Thundermother ist es etwas Ungewöhnliches, obwohl sie mit ihren coronakonformen Konzerten vom Dach eines Feuerwehrautos im Jahre 2020 schon für Aufsehen sorgten und immerhin spielen konnten. Das ist aber auch schon wieder lange her und alle sonstigen Konzertaktivitäten sind verschoben und hier dürfen sie dann trotz der Absagen mal wieder auftreten. Timo Rohwedder, Geschäftsführer der Olympiastadion Berlin GmbH, erklärte im Vorfeld zu dem nun stattfindenden Ereignis: „Bei uns sind alle Konzerte für diesen Sommer abgesagt worden. Mit dieser tollen Aktion holen wir wenigstens ein Mal echte Liveatmosphäre in unser Stadion.“

Einlass ins Olympiastadion ist ab 17:00 Uhr möglich und der für den Eintritt ins Ovale Stadion, in dem sonst Hertha BSC seine Heimspiele austrägt, benötigte negative Test wird direkt vor Ort in einer extra eingerichteten Teststation von den Johannitern durchgeführt. Das Prozedere dürfte jedem bekannt sein, nur das jetzt das Ergebnis über die App Pass4all direkt auf’s Handy kommt. Das wäre auch für zukünftige Konzepte ein gangbarer Weg. Dann darf die Maske abgenommen werden und auch das „Infield“ darf betreten werden. Hier ist an der Längsseite direkt auf dem Boden das Equipment aufgebaut, nur das Schlagzeugpodest ist etwas erhöht. Damit ist man direkt „Front of Stage“. Etwas verloren sieht es schon aus, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Michael ist natürlich auch da, begrüßt mich und im Verlaufe des Abends lerne ich auch noch Eric kennen, mit dem ich die Abwicklung des Besuches geregelt hatte. Es sind ungefähr 30 Menschen vor Ort, die sich in dem nutzbaren Areal verlieren. Dabei handelt es sich ausschließlich um Pressevertreter, Techniker, die sich um die Technik kümmern oder einige, die sich einfach in der zur Schaltzentrale umfunktionierten VIP-Lounge aufhalten und sich an den zur Verfügung gestellten Getränken und Snacks erfreuen. Es ist frisch im Stadion und die Musikerinnen frieren. Immerhin sind die bereits wesentlich länger da, haben im Vorfeld für die örtlichen Journalisten für Fragen oder auch Bilder posiert. Der Soundcheck durfte auch nicht fehlen und so sind sie bereits ordentlich durchgefroren. Emlee Johansson, ihres Zeichens Schlagzeugerin bei den Schwedinnen, bibbert und verschwindet in den Katakomben des Stadions, um sich vor dem frischen Wind zu schützen. Gitarristin Filippa Nässil versucht mit einem Techniker die Pedals richtig zu positionieren und anzuschließen. Tape hilft auch da. Dann steht auf der rechten Seite eine Frau mit einem weißen Bass, bei der ich zunächst noch denke, es handelt sich Majsan Lindberg, die sich von ihren langen blonden Haaren getrennt hat. Dem ist aber nicht so, denn es ist Elin Blom, die für die in Quarantäne steckende Majsan einspringt. Nun gut, die Elin wird das schon richten.

Entgegen der ersten Aussage, dass es ca. um 19:00 Uhr losgehen soll, wird es um 17:30 Uhr etwas hektisch. So, wie es aussieht, geht es sofort los. Inzwischen sind ca. 50 Personen anwesend, wobei die angedachten 20 privilegierten Zuschauer nicht dabei sind. Das wurde kurzfristig untersagt, sodass sich jetzt nur noch die Band plus Techniker, Veranstalter, die Pressevertreter und einige wenige Gäste im Bereich der Veranstaltung aufhalten. Da dieses Event aufgezeichnet wird, um dann am 11.05.2021 von STAR FM sowie der Olympiastadion Berlin GMBH und concert VR als 360° Stream für alle, die nicht dabei gewesen sein konnten, angeboten werden soll, müssen die Fotografen sich etwas zurückziehen, um nicht im Bild zu stehen. Jan Seiffert von STAR FM kündigt das Event dann an und die vier Musikerinnen entern die Bühne. Nun ja, wie auf den Bildern zu sehen ist, stehen sie direkt ebenerdig vor dem Grün des bei Fußballfans beliebten Stadions. Die Mädels legen dann auch gleich los und eröffnen mit Revival von ihrem Debütalbum. Guernica Mancini ist trotz der frischen Temperaturen gut bei Stimme und legt richtig los. Dabei wird sie das eine oder andere Mal von Filippa oder auch Elin unterstützt. Wer Thundermother kennt, der weiß, dass sie auch gern mal ein Kaltgetränk aus der Flasche während des Konzertes zu sich nehmen. Heute steht eher mehr Wasser da, auch das ist ungewöhnlich, schadet der Performance aber nicht. Weiter geht es mit Songs vom letzten Album Heat Wave. Bei diesem Konzert werden Songs von allen drei Platten gespielt, wobei es von der im Juni 2020 erschienenen Heat Wave (Review hier) am 21.05.2021 eine erweiterte DeLuxe Doppel CD mit zusätzlichen Bonustracks geben wird (Review dazu hier).

Nach dem Opener folgen Whatever und Into The Mud und dann…. ja, und dann ist schon wieder Schluss. Nicht weil die Setlist zu Ende ist oder es technische Probleme gibt, nein, es fängt an zu regnen. Da die Überdachung des Stadions nur über den Rängen greift, stehen die Musikerinnen und das Equipment unter freiem Himmel. Tja, und Strom und Wasser vertragen sich nun mal nicht so optimal. Zum Glück währt der Schauer nur kurz und nachdem dann alles wieder trocken ist, startet ein weiterer Versuch. Inzwischen kommt dann auch mal wieder Sonne raus und ein wenig ist man im Festivalmodus. Die kurze Unterbrechung hat der Spielfreude keinen Abbruch getan und es geht munter und rockig weiter. Die Schwedinnen lassen nichts anbrennen und knallen Hellavator, Dog From Hell oder Its Just A Tease in den Abendhimmel. Das Stadion wird gerockt, als wenn 30.000 drin versammelt sind. So geht alles seinen Weg. Dann kommt noch einer der angekündigten Schauer, aber diesmal ist es egal und das Programm wird durchgezogen. Die Nebelmaschine funktioniert und lässt die Vier das eine oder andere Mal in den Schwaden verschwinden. Da kommt schon echte Liveatmosphäre rüber und dass Thundermother Spaß haben, sieht man sofort. Kurze Ansage, mal einen Scherz und das Programm sitzt trotz der langen Pause. The Road Is Ours (derzeit ständig im Radio zu hören), Thunderous oder Driving In Style lassen das ehrwürdige Stadion erbeben, in dem ich zum letzten Mal bei Depeche Mode mit 60.000 anderen war. Thundermother beenden den Auftritt mit dem Song und ihrem Motto We Fight For Rock’n’Roll.

Gegen 19:15 Uhr kommt es, wie es kommen muss. Noch eine letzte Ansage und dann ist Schluss. Die Damen stellen sich noch mal für ein Abschlussbild vor ihre Instrumente und Verstärker und dann verschwinden sie in den unterirdischen Gewölben. Kalt ist nun keiner mehr. Leider gibt es im Anschluss kaum Möglichkeiten, mit den Musikerinnen ins Gespräch zu kommen. Teilweise bauen sie mit ab oder sind einfach verschwunden. Das ist schade, aber es ist ja nun auch mal kein „echtes“ Konzert, bei dem sich sonst schon alle für Pics oder Autogramme nach der Show einfinden. Egal. Ich rede noch kurz mit den Jungs vom Catering, für die das ebenfalls nach langer Zeit mal wieder ein Ereignis ist. Dann mache ich mich auf den Rückweg, um die in Berlin um 22.00 Uhr beginnende Ausgangssperre nicht brechen zu müssen und damit ich beim Supermarkt in der Nähe des Hotels noch ein oder zwei Berliner Kindl Pils erstehen kann. Kneipen haben ja nicht auf. Beim Ausgang vom Stadion zeigt sich ein vom letzten abziehenden Schauer erzeugter Regenbogen und sorgt für einen schönen Abschied. Ach ja, das Konzert konnte dann am 11.05. für 17,20 € über Ticketmaster zum Ansehen gebucht werden.

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