Die Krupps – Songs From The Dark Side Of Heaven

Warum ein Cover-Album? Mit eigener Musik seid ihr besser als diese aufgewärmte Suppe

Artist: Die Krupps

Herkunft: Düsseldorf, Deutschland

Album: Songs From The Dark Side Of Heaven

Spiellänge: 41:55 Minuten

Genre: Post Industrial, Electro Metal

Release: 28.05.2021

Label: Oblivion / SPV

Link: https://www.diekrupps.com/

Bandmitglieder:

Gesang, Stahl, Keyboard, Gitarre – Jürgen Engler
Synthesizer, Samples – Ralf Dörper
Gitarre – Marcel Zürcher
Gitarre – Nils Finkeisen
Schlagzeug – Paul Keller

Tracklist:

01. The Number One Song In Heaven
02. Chinese Black feat. Jyrki 69
03. Whip It
04. (Don’t Fear) The Reaper feat. James Williamson
05. To Hell With Poverty! feat. Big Paul Ferguson
06. No More Heroes feat. Ross The Boss
07. Another One Bites The Dust
08. Marilyn Dreams
09. Collapsing New People
10. New York (Version 9/11)

Erfolgreiche Musik aus Düsseldorf? Da kommt man an Kraftwerk und den Toten Hosen natürlich nicht vorbei. Aber auch Broilers und Die Krupps müssen spätestens im zweiten Atemzug genannt werden, obwohl Chef und Gründungsmitglied Jürgen Engler mittlerweile in den USA lebt. Die Krupps feierten im letzten Jahr immerhin schon ihr 40-jähriges Bandjubiläum. Gegründet 1980 von Jürgen Engler und Bernward Malaka (beide ex-Male) war die Musik zu Beginn noch eine Mischung aus Avantgarde-Rock und freier Improvisation. Die Musik war passend zum Bandnamen. Die Friedrich Krupp AG war damals der größte deutsche Stahlkonzern mit Sitz in Essen. Die Klänge auf ihrem Debütalbum ahmten den Arbeiteralltag in einer Stahlfabrik nach. Danach dominierte der rhythmisch-maschinelle Aspekt. 1992 vollzogen sie einen weiteren Stilwandel und waren neben Oomph! eine der ersten Bands, die die Grundeigenschaften der Neuen Deutschen Härte vorwegnahmen. Heute ist für den Sound der Krupps ein sogenanntes Stahlophon prägend. Statt Schlagzeug gibt es Stahlrohre verschiedener Durchmesser und Querschnitte. Die Drumsticks werden durch Eisenstäbe ersetzt.
Die Krupps @ Secret Gig 2017 07 19

Ihr musikalisches Output ist schier unerschöpflich. Mit Songs From The Dark Side Of Heaven bringen die Musiker mittlerweile ihr 15. (?) Studioalbum heraus. Bei zahlreichen EPs, Kompilationen und Livealben kommt selbst die Band mit dem korrekten Zählen nicht mehr nach. Bands wie Einstürzende Neubauten oder Front 242 nennen Die Krupps als Inspirationsquelle. Mit diesem Album wollen sie zum ersten Male ihren eigenen Heroen Tribut zollen. Herausgekommen ist ein Album randvoll mit Coverversionen im typischen Die Krupps-Electro-Metal-Style.

Ich persönlich bin bei der Musik der Krupps hin und her gerissen. Aufgewachsen mit allen Kraftwerk-Scheiben in meinem Kinderzimmer landete ich über Pink Floyd beim Hard Rock und unwillkürlich beim Metal. Coverversionen stehen bei mir selten hoch im Kurs. Nun also ein ganzes Album voll davon? Musikalische Weggefährten sollen jetzt also mit dieser metallisch-elektronischen Behandlung gehuldigt werden. Na gut. Schaun mer mal.
Den Opener liefert The Number One Song In Heaven. Das Original lieferten die Sparks bereits 1979 ab. Da die Brüder Ron und Russell Mael nie so Recht mein Fall waren, bin ich hier schon einmal positiv überrascht. 1:0 für Düsseldorf. Chinese Black feat. Jyrki 69 ist im Original von The Neon Judgement. Es war 1989 und die große Electronic/Dance Zeit. Dieser relativ ruhige Song wird mit modernen Elementen gespielt, dabei aber kaum neu arrangiert. Ich mag den Titel vom Grundsatz her nicht, was Die Krupps allerdings aus dem Song herausholen, ist ein 2:0. Whip It, im Original von Devo 1993, war damals Kult. Der Song gewinnt durch die Nachbearbeitung nur an Frische. Ich persönlich bleibe beim Original. 1:2. (Don’t Fear) The Reaper feat. James Williamson kam im Original 1976 von den Blue Öyster Cult auf den Markt. Was macht Elektronik aus diesem Kultsong? Nichts, denn sie bleibt dezent zurück. Der Song wird härter gespielt und die dunklere Gesangsstimme tut diesem Track erstaunlich gut. 2:2, der Ausgleich für Düsseldorf. To Hell With Poverty! feat. Big Paul Ferguson ist im Original wieder so’n oller Schinken. 1980 brachte Gang Of Four einen schrecklichen Song heraus, der allerdings im Rückblick seiner Zeit im Songwriting voraus war. Die Düsseldorfer machen diesen Song mit ihrer Neuauflage zwar frischer, schneller und erträglicher, trotzdem bleibt der Track Mist. 3:2 zur Halbzeit.
Die zweite Halbzeit beginnt mit einem meiner Lieblingssongs der Stranglers. No More Heroes stieg im September 1977 als Album auf Position 2 der britischen Charts ein. Dieses Album mit ihrem Titelsong ist eines der erfolgreichsten Alben der britischen Punk-Ära. Leider kommen auch Die Krupps trotz Verstärkung von Ross The Boss nicht an das Original heran. Ausgleich zum 3:3! Kraftwerk vs. The Queen? Freddy Mercury würde sich im Grab umdrehen. Another One Bites The Dust von 1980 ist und bleibt von Queen unerreicht: 3:4. Marilyn Dreams ist wieder einer der Titel, der es einfach macht, hier gecovert zu werden. 1995 von B-Movie herausgebracht, ist er ein schräger Dance-Titel gewesen. Auch wenn ich den Titel als solches nicht mag: 4:4 Ausgleich! Wie wir beim Handball sagen: Es geht in die Crunchtime. Nummer neun ist ein Titel von Fad Gadget, den ich irgendwie noch nie gehört habe. Collapsing New People ist wieder so ein experimenteller Song im Depeche Mode Stil gewesen, der im Erscheinungsjahr 1980 in jeder Disco lief. Wieder mal nicht mein Ding, durch die Neubearbeitung immerhin jetzt hörbar. Die Krupps gehen mit 5:4 in Führung. Es sind noch 6 Minuten und 12 Sekunden zu spielen. Der letzte und längste Angriff rollt mit einem Dancefloor-Mix von Microchip League (MCL). New York (Version 9/11) ist in der Urversion 1987 herausgekommen. Schon da drehten sie Computerwelt und Roboter von Kraftwerk durch den Wolf und legten einen sinnlosen Text darüber. 2011 coverten sie sich dann mit der Version 9/11 noch einmal selbst. Auch der dritte Aufguss fällt durch. Mit einem 5:5 plädiere ich für einen Neustart im Rückspiel mit kreativen, eigenen Songs.
From The Dark Side Of Heaven mit einem Cover-Cover von Pink Floyd kommt als einfache CD im Jewelcase sowie einer Vinyl daher. Über irgendwelche limitierten Sammlerausgaben ist uns nichts bekannt gemacht worden.
Die Krupps – Songs From The Dark Side Of Heaven
Fazit
Die Krupps sind und bleiben etwas Besonderes. Ein Cover-Song zu veröffentlichen ist meist ein Bonus und eine Huldigung an den Originalkünstler. Ein komplettes Cover-Album zu machen ist in meinen Augen ein schwieriges Unterfangen. Back to the Roots in die Musikschule oder High Performance und aus dem zu covernden Song wird das Allerletzte herausgeholt. Dazwischen sollte man es lassen. Das gilt auch für die renommierten Krupps, die sich in meinen Augen damit keinen Gefallen getan haben. Jungs, macht eigenes Zeug, dann wart dat wat!

Anspieltipps: The Number One Song In Heaven, Whip It und (Don’t Fear) The Reaper
Norbert C.
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Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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