Die Finnen von Unearthly Rites verzaubern ihre Seenlandschaften seit dem Jahre 2020. Das Quintett zog sich dann zügig zurück und brachte, wie üblich, ein Demo auf den Markt. Es hat aber weitere drei Jahre gebraucht, bevor man das erste Album namens Ecdysis auf die Menschheit losließ. Ob es jetzt daran lag, dass die Corona-Pandemie ausgebrochen ist, oder daran, dass alle noch in anderen Bands aktiv sind, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich traf wohl beides zu. Seit dem Jahre 2022 spielt man nun in dieser Konstellation zusammen, und dies macht sich bezahlt, denn man hat relativ schnell neue Songs geschrieben. So kann man jetzt Album Nummer zwei namens Tortural Symphony Of The Flesh via Svart Records veröffentlichen.
Tuonen Tulijat, Manan Menijät startet mit einem kleinen Geräusche-Intro, welches den Untergang quasi schon ankündigt. Langsam und dreckig geht es zu Werke. Man kriecht und klingt bösartig. Eine düstere Melodie läuft irgendwie im Hintergrund ab und verdunkelt unser aller Dasein. Die Vocals sind im Hintergrund und natürlich so was von tief. Dann schrabbelt man ein wenig schneller, fügt ein chaotisches Solo hinzu und geht wieder zu der Ursprungssuppe zurück, verwendet das Solo aber irgendwie weiter. Puh, da muss man sich erst einmal durchbeißen, würde ich sagen. Nach knappen zweihundert Sekunden ist dieser Ausritt in den chaotischen Wahnsinn auch vorbei, und so richtig entscheiden, ob ich es gut finden soll oder nicht, kann ich mich nach dreimaligem Durchhören aber nicht. Ist ein selbständiger Song oder mehr als Einleitung zu verstehen. Da man beim zweiten Durchgang ja schon das ganze Album an sich gehört hat, erscheint der Song dann auch in einem anderen Licht, wie ich finde.
Die ersten dreißig Sekunden von Sokli Fields Forever / A Radiative Picnic zeigen Unearthly Rites dann auch von einer anderen Seite. Der Death Metal alter Schule übernimmt die Oberhand. Gitarre vorweg, Drumeinsatz. Das wiederholen wir, dann setzen wir alle ein, ein screamiger, fieser Gesang dazu und dann ins Uptempo und im Galopp durch die finnische Seenlandschaft. So ist’s recht, so macht es Laune, da kommt Stimmung auf. Dann scheinen sich Wassermengen aus der Gegend gelöst zu haben und gelangen in die heimischen Keller. Dort müssen sie nun hineinkriechen, alles aufsaugen und ordentlich durchwischen. Langsam und gemein bewegt man sich und hinterlässt nichts so, wie es war. Eine fiese Gitarre wird eingesetzt und verzieht sich wieder, der Bass brummt vor sich hin und drückt und zwickt an allen Kanten und macht das ganze Vorhaben noch unheimlicher. Eine Melodie wird gefühlt gespielt und wieder abgebrochen, und ein Flüstergesang leitet das Ende ein, welches dann urplötzlich und unerwartet auf einen zukommt.
Puh, starker und unheimlicher Tobak, den die Finnen uns hier präsentieren. Auch durch die dumpfe und nicht immer transparente Produktion wird eine Soundwand geschaffen, die für mich nicht immer nachvollziehbar ist, aber nicht stumpf oder langweilig dargeboten wird, so wie beim Song Solstice.
Melancholie, Dunkelheit, Bösartigkeit – die drei Eckpfeiler der finnischen Revolution
Ich habe ein wenig gebraucht, um mich reinzuhören, aber dann fruchtete es durchaus, denn es sind wirklich markante Riffs vorhanden und das ganze Album lebt irgendwie von Druck, Langsamkeit und auch von einer gewissen Art von Melancholie, wie man es von früheren finnischen Bands ja schon kannte. Bei dem gerade angesprochenen Song Solstice warten sie mit einer gelungenen melancholischen Melodie auf und erzeugen eine absolut von der Düsterheit beherrschte Atmosphäre. Durch das Wiederholen eines Parts wird auch eine zerstörerische Monotonie erzeugt, die einen irgendwie positiv in den Wahnsinn treibt – und das alles in nur vier Minuten.
Nicht immer, aber überwiegend, schaffen sie es, mich mit dieser Spielart des Death Metals neugierig zu machen, und man verfällt auch in eine Art Kakophonie.
Das reine instrumentale Stück A Stygian Winterscape zieht einen dann so richtig runter. Geiles Teil. Mit cleanen Argumenten. Unbedingt anchecken.
Der Namensgeber des Albums Tortual Symphony Of The Flesh überzeugt mich dann auch mit den typischen Trademarks. Melancholie, Dunkelheit, Bösartigkeit – die drei Eckpfeiler der finnischen Revolution, um das hier auch einmal aus einem historischen Kontext zu betrachten. Auch das bedrückende nachfolgende Ignis Fatuus beginnt zermürbend und wechselt dann ins totale Chaos, denn hier wird man auch einmal so richtig fix und verwendet schon eine Art Black-Metal-Gesang, der mal so richtig krank rüberkommt. Man wechselt aber dann wieder in typische Gefilde und erfreut sich des Daseins – oder auch nicht.
Im Endeffekt handelt es sich bei dem zweiten Album der Finnen um echt kranken Scheiß, um das mal umgangssprachlich auszudrücken.
Hier geht es für weitere Informationen zu Unearthly Rites – Tortural Symphony Of The Flesh in unserem Time For Metal Release-Kalender.



