Vandenberg – 2020

Bluesgetränkter Hardrock der 80er-Jahre mit Chartpotenzial

Artist: Vandenberg

Herkunft: Den Haag, Niederlande

Album: 2020

Spiellänge: 49:29 Minuten

Genre: Hardrock

Release: 29.05.2020

Label: Mascot Records / Rough Trade

Links: https://www.facebook.com/vandenbergband/
http://vandenbergband.com

Bandmitglieder:

Gitarre – Adrian Vandenberg
Gesang – Ronnie Romero
Bass – Randy van der Elsen
Schlagzeug – Koen Herfst

Gastmusiker:

Bass – Rudy Sarzo
Schlagzeug – Brian Tichy

Tracklist:

1. Shadows Of The Night
2. Freight Train
3. Hell And High Water
4. Let It Rain
5. Ride Like The Wind
6. Shout
7. Shitstorm
8. Light Up The Sky
9. Burning Heart
10. Skyfall

Vandenberg are back! Die Niederländer Vandenberg um den Gitarristen Adrian Vandenberg – gebürtig Adrianus van den Berg – werden noch vielen Hardrock Fans der frühen 80er-Jahre in guter Erinnerung geblieben sein, denn zwischen 1982 und 1985 lieferte der rockende Vierer mit Vandenberg (1982), Heading For A Storm (1983) und Alibi (1985) drei ordentliche Alben ab. Zuvor spielte ihr Namensgeber Adrian Vandenberg gegen Ende der 70er Jahre schon bei der niederländischen Formation Teaser, bevor er dann ab 1981 mit Vandenberg eigene Wege beschritt. Das selbst betitelte Debüt Vandenberg mit dem Hit Burning Heart gehört bis heute zu den wichtigsten und besten Hardrockalben aller Zeiten. Die Band aus dem Land der Tulpen, Käse und Windmühlen erntete damals viel Anerkennung und tourte mit Szenegrößen wie Kiss, Ozzy Osbourne, Michael Schenker, Rush, Scorpions … u.v.m. durch die USA, Japan und Europa.

Dann war jedoch plötzlich Schluss, denn der damalige Whitesnake Frontmann David Coverdale rief nach Adrian Vandenberg und so ersetzte dieser den bisherigen Gitarristen John Sykes bei den britischen Blues/Hardrockern. Sykes spielte noch alle Gitarren auf dem Album 1987 ein, bevor er die Band verließ, doch auch Vandenberg ist auf der neu eingespielten Version von Here I Go Again erstmals zu hören. Mit 1987 gelang Whitesnake der weltweite Durchbruch und avancierten nicht zuletzt wegen der Nummer Here I Go Again zum Millionenseller. Für die Aufnahmen des nächsten Album Slip Of The Tongue (1989) fiel Vandenberg wegen einer Armverletzung aus und Steve Vai spielte alle Gitarrenspuren alleine ein.

1992 legte David Coverdale Whitesnake zunächst auf Eis, was dazu führte, dass Adrian Vandenberg 1993 mit weiteren Whitesnake und Little Caesar Mitgliedern die kurzlebige Hardrock Band Manic Eden ins Leben rief, die 1994 ein selbst betiteltes Album veröffentlichte. Auch an den Whitesnake Alben Greatest Hits (1994) und Restless Heart (1997) war Vandenberg dann wieder beteiligt, bevor er sich 1998 aus dem Musikbusiness zurückzog und sich der Malerei widmete. 2004 wurden Vandenberg kurzzeitig reaktiviert und The Definitive Vandenberg und eine Live-DVD mit altem Material erschien, bevor man wieder in der Versenkung verschwand. Es war jedoch nur eine Frage der Zeit, bis sich Adrian Vandenberg die Gitarre erneut umschnallen sollte. Das geschah dann 2014, wo er sich mit brandneuer Band Vandenberg`s Moonkings zurückmeldete und mit der er zwei Alben auf den Markt warf, Vandenberg`s Moonkings (2014) und MK II (2017).

Nun ist der Niederländer seit Januar mit seiner Hauptband zurück, mit neuem Album 2020 und völlig runderneuertem Band-Line-Up. Stimmlich hat man sich mit dem gebürtigen Chilenen Ronnie Romero (Rainbow, Lords Of Black, The Ferryman, Walter Giardino Temple, ex-CoreLeoni, ex-Aria Inferno, ex-Jose Rubio’s Nova Era, ex-Santelmo, ex-Voces Del Rock) verstärkt, aber auch die neue Rhythmusfraktion in Form von Bassist Randy van der Elsen (Tank) und Schlagwerker Koen Herfst (I Chaos, Cypher, HDK, ex-Dew-Scented, ex-Xenobia, ex-Epica) muss sich keinesfalls verstecken. Zudem sind auf 2020 mit Bassist Rudy Sarzo (A New Revenge, Animetal USA, Devil City Angels, Dream Child, Gunzo, Project Rock, The Guess Who, Tred, ex-Whitesnake, ex-Ratt, ex-Quiet Riot, ex-Ozzy Osbourne, ex-Queensrÿche, ex-Manic Eden, ex-M.A.R.S., ex-Dio, ex-Dee Snider, ex-Blue Öyster Cult, ex-Angel, ex-Hardline, ex-Hear’n Aid, ex-Dio Disciples) und Drummer Brian Tichy (Lynch Mob, S.U.N., Sweet & Lynch, T&N, TAK Matsumoto Group, ex-Whitesnake, ex-Vinnie Moore, ex-TMG, ex-The Dead Daisies, ex-Operation: Mindcrime, ex-Pride & Glory, ex-Billy Idol, ex-Foreigner, ex-Gilby Clarke, ex-Nicklebag …) zwei äußerst prominente Gastmusiker auf einigen Tracks zu hören.

Das Ergebnis ist nun auf dem Album 2020 zu hören, welches seit dem 29. Mai in den Regalen der örtlichen CD-Dealer zu finden ist. Der Einstieg gelingt mit dem dynamisch rockigen Shadows Of The Night, welches durchaus Erinnerungen an Deep Purples Burn oder alte Dio Zeiten aufleben lässt. Purer, energiegeladener Melodic Stadienrock mit leichtem sleazy Unterton, der durchaus auch von den bereits erwähnten Whitesnake Alben stammen könnte. Goldkehlchen Romero, der ja bekanntlich in den großen Fußstapfen des verstorbenen Ronnie James Dio wandelt, präsentiert sich in der Uptempo-Eröffnungsnummer von seiner Schokoladenseite.

Der stampfend, groovende Midtempo Rocker Freight Train im Anschluss besticht vor allem durch einen Chorus, der sich auf Anhieb zwischen den Ohren festsetzt. Mit der stark nach vorne gehenden Nummer hat sich der mittlerweile 66-Jährige, der hier eindrucksvoll demonstriert, was er an der Gitarre noch zu leisten vermag, ganz offenbar an seine eigene Vergangenheit erinnert. Der Song macht gute Laune, jedoch ist man von Eigenständigkeit hier ein gutes Stück entfernt, denn von diversen anderen Bands, wie z.B. Gotthard, hat man das alles schon gehört.

Das Gefühl hat man auch an anderen Stellen, denn genau genommen balancieren die Songs von 2020 zwischen Whitesnake, Deep Purple, Dio, Rainbow, Gotthard und weiteren Experten des Genres, besonders in dem leicht bluesigen Hell Or High Water liegt der Vergleich nahe, jedoch wird hier keinesfalls einfach kopiert, sondern interessant arrangiert. Ronnie „Ich singe überall“ Romeros Gesang erinnert zeitweise einmal mehr an Black Sabbath / Rainbow und den kleinen Mann mit der großen Stimme, der uns vor zehn Jahren verlassen hat, und auch das prägnante Riff ist hier einzuordnen. Dann wiederum klopft auch kurz Steve Lee, der ebenfalls 2010 verstorbene Gotthard Leadsänger, an. Doch auch hier wird nicht abgekupfert, sondern der vielseitige Sänger, der hier einen großartigen Job macht, drückt dem allen seinen ganz eigenen Stempel auf. Nach dem Opener ein weiteres Highlight.

Mit der melancholischen Powerballade Let It Rain wird dann stark auf die Bremse getreten, jedoch erweitert dieses die stilistische Bandbreite des Albums enorm. Einfach gestickter, getragener, aber sehr gut funktionierender Hardrock à la Michael Schenker Fest mit ganz eigener Atmosphäre.

Auch Ride Like The Wind ist einfach gestrickter Hardrock mit leicht orientalischem Akzent, der ordentlich abrockt. Einziger Schwachpunkt ist hier ausgerechnet Romeros Gesang, selbst wenn er erneut zeitweise an Ronnie Dio erinnert. Konnte der Chilene bisher auf ganzer Linie begeistern, so ist der Songtext, in dem sich das Wort Wind ständig wiederholt, nicht geeignet für die Aussprache des Südländers, der ja in Spanien wohnt. Dafür knallt die Gitarre knackig frisch aus den Boxen und was der Altmeister hier abliefert, ist ganz großes Kino und weit entfernt von Alterserscheinungen.

Bei Shout ist wieder alles im grünen Bereich und der bluesige Singalong-Stampfer wird mit Sicherheit auf den Setlisten der zukünftigen Konzerte zu finden sein. Gesangstechnisch bewegt Romero sich hier auf hohem Level und braucht sich nicht hinter Coverdale und Dio verstecken. An Bass und Schießbude sind hier übrigens Vandenbergs einstige Whitesnake Mitstreiter Rudy Sarzo und Brian Tichy zu hören.

Bei dem ebenfalls leicht bluesigen Shitstorm macht sich erneut die Whitesnake Vergangenheit Vandenbergs bemerkbar. Die Nummer begeistert mit einem gelungenen Riff und hätte sich problemlos in das 1987 Album der prägnanten weißen Schlange eingereiht.

Auch das flotte Light Up The Sky mit AOR-Touch erinnert an Coverdales Whitesnake und Fans des späten 80er-Jahre Hardrocks kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Neben der genialen Gitarrenarbeit, die sich quasi durch das ganze Album zieht, macht hier Romero erneut auf sich aufmerksam, der sich wandelbar wie ein Chamäleon zeigt. Der Chilene klingt wie ein frischer, unverbrauchter Coverdale in Höchstform.

Die Heavy Rock Ballade Burning Heart ist natürlich ein Remake des Klassikers vom selbst betitelten Debütalbum aus 1982. Der Instrumental-Track stammt hier noch aus einer Vandenberg`s Moonking Session und Romero brauchte nun nur noch die Gesangsspuren zufügen. Ob das alles Sinn macht, ober ob ein weiterer neuer Song sinnvoller gewesen wäre, darüber werden die Meinungen auseinandergehen. Ihr Gänsehautpotenzial hat die Nummer in all den Jahren jedenfalls nicht eingebüßt und für Hörer, die erst jetzt durch Ronnie Romero auf Vandenberg aufmerksam werden, macht das durchaus Sinn.

Beim Rausschmeißer Skyfall geht es noch einmal melodisch rockig zur Sache, eine epische Nummer mit viel Dynamik und Dramatik.

Produziert wurde das Hardrock-Meisterwerk von Bob Marlette (Alice Cooper, Black Sabbath, Rob Zombie, Marilyn Manson).

Vandenberg – 2020
Fazit
Auf 2020 wird das Rad des Hardrock sicherlich nicht neu erfunden, vieles wirkt, als hätte man es schon gehört oder als stammten die Songs aus der Vergangenheit von Whitesnake, Rainbow, Gotthard oder Black Sabbath. Vandenberg punkten durch Souveränität und spürbarem Spaß an der Sache. Originelle musikalische Experimente Fehlanzeige, aber will die ein Hörer eines Vandenberg Albums überhaupt haben? Wohl eher nicht und deshalb wird hier bodenständiger, klassischer, leicht bluesiger 80er-Jahre Hardrock auf sehr hohem Niveau geboten. Das einzig wirklich Neue ist die Kombi Vandenberg und Romero und das funktioniert ausgesprochen gut, denn der Chilene bringt richtig Schwung in die Geschichte. Wenn man es schafft, diese Power auf die Konzertbühne zu transferieren, dann stehen uns tolle Erlebnisse bevor. Das Album wird sich Ende des Jahres unter den Top 5-Alben des Jahres im Genre Hardrock wiederfinden.

Anspieltipps: Shadows Of The Night, Burning Heart, Light Up The Sky und Hell Or High Water
Andreas F.
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8.5
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