Vio-Lence – Let The World Burn (EP)

Niemals erlischt das Feuer in der Bay Area

Artist: Vio-Lence

Herkunft: USA

Album: Let The World Burn (EP)

Spiellänge: 24:17 Minuten

Genre: Thrash Metal

Release: 04.03.2022

Label: Metal Blade Records

Link: https://vio-lence.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Sean Killian
Gitarre – Bobby Gustafson
Gitarre – Phil Demmel
Bassgitarre – Christian Olde Wolbers
Schlagzeug – Perry Strickland

Tracklist:

  1. Flesh From Bone
  2. Screaming Always
  3. Upon Their Cross
  4. Gato Negro
  5. Let The World Burn

Die Band Vio-Lence muss man nun ja wirklich keinem mehr vorstellen. Jedem, der sich mit Thrash Metal auskennt oder zumindest nicht abgeneigt ist, ist diese Band ein Begriff. Gestartet unter dem Banner Death Penalty wechselte man im Gründungsjahr 1985 gleich den Namen. Danach hörte man auf den Namen Violence. Irgendwann wurde daraus Vio-Lence und seitdem ist man auf der thrashigen Überholspur bzw. war man. Nach acht Jahren und drei Alben war dann im Kalenderjahr 1993 Schluss. 2001 bis 2003 versuchte man es erneut, blieb aber sehr erfolglos und dann wurde es sehr lange still um die Band. 2018 bzw. 2019 versuchte man es erneut und seit dem Jahre 2020 meint man es mit einer Reunion sehr ernst.  Das aus den Anfangstagen stammende Trio Perry, Phil und Sean suchte einen Gitarristen und einen Bassisten und wurde mit Bobby Gustafson (ex-Overkill) und Christian Olde Wolbers (ex-Fear Factory ) auch fündig. Im Kalenderjahr 2020 coverte man California über alles, und da konnte man schon von ausgehen, dass es weitergeht mit der Band Vio-Lence. Nun gibt es nach fast dreißig Jahren wieder neues Material zu hören.

Es wurden zwar nur fünf Songs, aber immerhin fast 25 Minuten Spielzeit.

Flesh From Bone legt dann erst einmal ganz gechillt los. Gitarre, Bassvorspieler, langsame Drumbetonung. So zum Aufwärmen. Eine Gitarre läuft vorweg, die Drums werden ein wenig schneller. Break, Vorspieler und ab in den Achtziger Thrash. Die Vocals sind noch so richtig schön aggressiv, herrlich. Eine thrashige Uftata bestimmt das Tempo und fordert den Rest der Instrumentenfraktion auf, diesem Tempo zu folgen. Ein gelungener Mitgrölrefrainpart wurde mit eingebaut und dann das Tempo herausgenommen, um im Midtempo thrashig zu grooven. Der Part wird gesanglich am Ende aggressiver und natürlich baut man dann ein Solo mit ein. Dieses zieht sich ein wenig, macht aber absolut Laune. Break, Vorspieler und wieder in diesen Part mit der thrashigen Uftata und dem Mitgrölpart. Es werden Gangshouts mit eingebaut, dann am Ende noch einmal ein wenig herumgespielt und fertig ist diese gelungene Wiedergeburt.

Der Sound ist so etwas von Bay Area, mehr geht nicht. Diese Energie, die die Band damals hatte und vor allem bei den heftigen Liveshows auf die Fans übertragen wurde, ist noch vorhanden und das Händchen für ein thrashiges Songwriting verlernt man wohl nie, wenn man diese Art von Musik mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Dieses ist auch bei Screaming Always zu hören. Schnelle Riffs treffen auf drückende Drums und eben diesen kongenialen Gesang. Man kann sofort den Refrain heraushören und mitsingen und dieses ist natürlich besonders live sehr geil. So marschiert man sehr aggressiv durch den Song und kommt dann mit einem langsamen Cleanpart um die Ecke, den man sehr geil mit einem gelungenen Rhythmus aufbaut. Im Midtempo schreitet man voran, bis eine Gitarre vorwegspielt, der Bass sich dazugesellt und die Reise wieder fortgesetzt wird. Aber man täuscht nur an und wiederholt den vorherigen Part. Dieser klingt sehr nach Slayer. Ein Solo muss sein und folgt natürlich auch. Auch dieser Song geht über fünf Minuten, fällt aber gar nicht so auf, weil genügende Parts vorhanden sind. Der Song stoppt, ein Sprechgesang erfolgt und dann folgt wieder der thrashige Refrainpart. Ja, gute Ideen haben sie immer noch und diese können sie auch umsetzen.

Wer jetzt etwas Neues oder so erwartet hat, kann sich beruhigt umdrehen und weiterschlafen. Vio-Lence bleiben sich, den Fans und der Szene treu.

Dass die Burschen auch ordentlich Druck im Groovesektor erzeugen können, hört man bei Upon Their Cross.

Genug Pause. Gato Negro gibt dann wieder ordentlich Gummi und auch hier haben sie, wie immer, kleine Gimmicks, wie die Drumschläge zu Beginn oder den riffbetonten Gangshout. Der Groove wird hier aber auch nicht vergessen und das Solo muss auch dabei sein.

Let The World Burn, der EP-Namensgeber, führt den angefangenen Vernichtungsweg zu Ende. Dieser Song wurde ja vorher bei YouTube veröffentlicht und schürte so einige Erwartungen, die meines Erachtens erfüllt wurden. Wie bei jeden Song spürt man eine Art Hektik, gerade bei den Gitarren, als ob man sich selber links und rechts überholen möchte. Das Tempo wird herausgenommen und ein bedrohlicher Sprechgesang folgt. Die Gitarre baut den Song dann wieder auf, einzelne Drumschläge folgen und das thrashige Inferno bricht wieder aus.

Klar, was die Burschen hier an ihren Instrumenten machen, ist geil, aber die Gesangsleistung von Sean finde ich besonders erwähnenswert. Der Bursche scheint jeden Morgen mit beiden Füßen verkehrt aufzustehen, so aggressiv klingen diese. Bedenkt man, dass bei ihm Krebs diagnostiziert wurde und er diesen zum Glück bekämpfen konnte, ist diese Leistung noch höher zu bewerten. Diese Tatsache war wahrscheinlich auch der Grund, warum die Burschen es noch einmal wissen wollen.

Vio-Lence – Let The World Burn (EP)
Fazit
Die Meister des Bay Area Sounds sind nach fast dreißig Jahren wieder zurück und dürften jeden Fan dieser Richtung absolut happy machen. Diese hektischen und schnellen Riffs, die thrashigen Drums, der fette Sound, das geile Songwriting und vor allem dieser angepisste und aggressive Gesang ist echt geil. Eine Reunion, die sich wirklich gelohnt hat. Für Thrasher ein Pflichtkauf!

Anspieltipps: Flesh From Bone und Screaming Always
Michael E.
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