Event: Baden In Blut Open Air
Bands: Words Of Farewell, Venues, Istapp, Iotunn, Tribulation, Soulfly, The Halo Effect, Black Diamonds, Oceans, Heretoir, Angelus Apatrida, Borknagar, Any Given Day, Rotting Christ, Hypocrisy
Datum: 18. & 19.07.2025
Ort: Dreiländergarten, Weil Am Rhein
Veranstalter: Metal Maniacs Markgräflerland e.V.
Link: https://www.metal-maniacs.eu/
Nachdem das Warm-Up am Donnerstag in kleinem Rahmen stattgefunden hat (Bericht: hier!), starten wir nach dem ausgiebigen Hotelfrühstück in den ersten vollwertigen Festivaltag des Baden In Blut. Auf dem Weg vom Hotel zum Parkplatz, bzw. den Wohnmobilstellplätzen, auf denen ein Teil unserer Gruppe übernachtet, versorgen wir uns im örtlichen Alnatura erst mal mit einer flüssigen Wegzehrung. Das Gelände öffnet heute schon am Vormittag und wir wollen die Zeit vor der ersten Band direkt nutzen, um uns am Merchstand einzudecken.

Musikalisch startet der Tag mit Words Of Farewell. Die Deutschen müssen sich vor Genrevertretern aus Schweden oder Finnland nicht verstecken, und dennoch muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich mich bisher mit der Combo nicht befasst habe, obwohl sie mit ihrem melodischen Death Metal und ihren progressiven Songstrukturen genau meinen Geschmack treffen. Die Herren eröffnen den BiB-Freitag auf alle Fälle gebürtig und setzen das Niveau für diesen Tag hoch an.

Die Stuttgarter Venues stehen als Nächstes auf der Bühne. Bereits bei der Covid-Edition des Festivals waren sie zu Gast in Weil am Rhein. Mit ihrem emotionalen Post-Hardcore lockern sie zwischen Death und Black Metal den frühen Nachmittag etwas auf. Endlich steht mit Lela auch eine Frau auf der Bühne der diesjährigen Ausgabe. Ihre clean gesungenen Passagen wechseln sich mit den Screams von Shouter Robin ab. In den 45 Minuten ihres Auftritts, beweisen Venues, wie vielseitig ihre Songs sind, und werden unter Beifall ihrer Fans gefeiert.
Während von oben die Sonne brennt, tauchen Istapp die Bühne in eisige Kälte. Von der Stimmung der Schweden hätte ich zu diesem Zeitpunkt wirklich gern etwas an den Temperaturen gespürt. Die Sonne verlangte uns alles ab, wenn auch nicht ganz so heiß wie im Vorjahr. Währenddessen zelebrieren Istapp ihren Black Metal und trotzen der Sonne. Absolut erfrischend sind auch die immer wieder clean gesungenen Passagen in den Songs der Schweden.

Die Tour von Iotunn stand anfangs unter keinem guten Stern, als Sänger Jón Aldará kurz vor der Tour bekannt gab, aus persönlichen Gründen an den meisten Live-Aktivitäten für 2025 nicht teilnehmen zu können. Doch mit Morten Bering Bryld haben die Dänen einen würdigen Ersatz im Gepäck. Und was soll ich sagen, Morten hat einen großartigen Job gemacht! Fast ausschließlich widmen Iotunn ihr Set dem 2024 erschienenen Album Kinship, doch mit The Tower Of Cosmic Nihility wagt man auch einen Ausflug zum Erstlingswerk. Noch zählt die Band etwas als Geheimtipp im Bereich des Progressive Metals, doch das wird sich sicherlich sehr schnell ändern.


Pünktlich zu Soulfly habe ich mich allerdings wieder vor der Bühne eingefunden. Über Max Cavalera und seine Kollegen habe ich mich im Vorfeld riesig gefreut. Mein letztes Soulfly-Konzert dürfte mittlerweile weit über zehn Jahre her sein, doch was die Band immer noch an Energie versprüht, ist bemerkenswert. Das Set ist gespickt mit allerlei Klassikern und das Publikum rastet förmlich aus! Seek ’n‘ Strike, Back To The Primitive, Bleed oder Jumpdafuckup lassen fast keine Fanwünsche offen. Von Song zu Song kann man dem Pit beim Wachsen zusehen und die Band hat sichtlich Spaß, ihren Fans einzuheizen. Großartiger Auftritt des Co-Headliners, der nur schwer zu toppen sein wird.

Innerhalb kürzester Zeit haben sich The Halo Effect zum Headliner gemausert. Die Band um die ehemaligen In Flames-Mitglieder hat mit ihren beiden bisher veröffentlichten Alben bewiesen, dass sie ihr Handwerk versteht und steht somit auf gleich mehreren Festivals dieser Größenordnung auf dem Headlinerposten. Mit Detonate vom aktuellen Album March Of The Unheard starten die Schweden. Sofort bemerkt man die kreisenden Köpfe im Publikum. Freudig feiern die Fans Songs wie Days Of The Lost oder Feel What I Believe, bevor die Göteborger ihr Set mit ihrer ersten Single Shadowminds besiegeln und das Ende des ersten vollen Baden-In-Blut-Tages einläuten.
Noch mal eine Stunde früher als am Vortag sind die Öffnung des Geländes und auch der Auftritt der ersten Band angesetzt. Da es für den Nachmittag eine Starkregen- und Gewitterwarnung seitens des Wetterdienstes gibt, habe ich mich entschlossen, vom Hotel zum Parkplatz zu fahren, was sehr zur Freude bei meinen Freunde führt.

Opener des Samstages ist, wie in jedem Jahr, der Gewinner des Blood Battles, dem hauseigenen Bandcontest. Dieses Mal ging der erste Platz an die Schweizer von Black Diamonds, die uns nun ihren stark von den 80ern beeinflussten Hard Rock präsentieren dürfen. Mit Spandexhosen und Stirnbändern präsentiert sich das Ensemble dem Publikum und sorgt schon um die Mittagszeit für gute Stimmung mit reichlichen Singalongs. Auch wenn das vielleicht etwas abgedroschen klingt, macht das Ganze ordentlich Laune und sowohl Band als auch Publikum haben sichtlich Spaß.
Wesentlich moderner und auch ernster wird es hingegen bei Oceans. Auch wenn man den Sound der aus Deutschland und Österreich stammenden Musiker im Großen und Ganzen als modernen Death Metal bezeichnen kann, scheuen Oceans keine Genregrenzen und lassen immer wieder andere Einflüsse in ihre Musik fließen, wie zum Beispiel Nu Metal oder Post-Hardcore. Fronter Timo, einigen vielleicht noch als Managarm von Varg bekannt, setzt seine vielseitige Stimme gekonnt ein und sorgt somit für einen unverkennbares Klangbild, das irgendwo zwischen Aggressivität und Melancholie angesiedelt ist.

Neben dem Headliner sind Heretoir für mich das Highlight des Tages! Eklatanz und seine Bandkollegen durfte ich bereits als Support von Killswitch Engage ablichten und ich war damals schon von ihrer Performance begeistert. Als die Post-Metaller die Bühne betreten, ist es noch trocken, doch die Wolken kündigen den Regen schon langsam an. Als Highlight haben Heretoir einen neuen Song vom kommenden Album Solastalgia in das Set integriert, was bei den Fans Freudenjubel auslöst. Vor allem, weil der Release von The Ashen Falls erst für die folgende Woche geplant ist. Im Verlauf des Auftrittes kommt es dann auch, wie es kommen musste: Der Regen setzt ein! Doch von Gewitter und Starkregen bleiben wir verschont und nach einem kurzen, vielleicht 30-minütigen Schauer, hat sich das Wetterthema für das restliche Baden-In-Blut-Wochenende erledigt. Die Stimmung leidet jedoch nicht und Heretoir schmettern uns mit drei Gitarren eine Soundwand entgegen, die mich erneut begeistert.

Nun wird es thrashig. Angelus Apatrida aus Spanien sind vielleicht nicht die bekanntesten Genrevertreter, haben sich in den fast 20 Jahren seit ihrem Debüt allerdings eine ordentliche Fanbase in der Szene erspielt. Die Songs des Quartetts laden allesamt zum Moshen ein und so jagt ein Circlepit den Nächsten. Eine Verschnaufpause gibt es maximal beim Intro zu Sharpen The Guillotine, doch diese hält nicht lange an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Thrash-Fans hier voll auf ihre Kosten kommen.
Das Tempo wird von Borknagar zwar erheblich gedrosselt, an epischen Hymnen bleiben die Norweger allerdings unübertroffen an diesem Wochenende. Die Progressive Metaller verknüpfen gekonnt Black Metal mit klassischen, nordischen Klängen auf ganz hohem Niveau. Soundtechnisch definitiv die auffälligste Band im diesjährigen Billing.

Weniger experimentierfreudig, dafür ein wahres Powerhouse sind Any Given Day. Bereits zum zweiten Mal dieses Jahr habe ich die deutsche Metalcore-Combo vor der Kamera, und wer die Band bereits live erlebt hat, weiß, dass die Shows einem echten Sportprogramm gleichen. Das Ganze beginnt mit einer Cardio-Einheit in Form von Circlepits. Es folgen Push-Ups zum Aufwärmen, bei denen der muskulöse Fronter Dennis Diehl es sich nicht nehmen lässt, selbst mitzumachen. Höhepunkt des Workouts sind eine Wall Of Death und eine ausgiebig moshende Fanschar vor der Bühne.

Es wird erneut düster beim Baden In Blut und das liegt nicht nur an der langsam untergehenden Sonne. Rotting Christ entern die Bühne und mit meterhohen Flammen auf dem Dach der Bühne trotzen sie der eintretenden Dunkelheit. Die Griechen, allen voran Sakis, zeigen sich gut gelaunt und voller Spielfreude. Bereits zum dritten Mal dürfen Stammgäste, von denen es auf dem BiB einige gibt, Rotting Christ live erleben und bisher hat die Band noch nie enttäuscht. Für die Geburtstagsausgabe des Festivals haben es sich die Black Metaller nicht nehmen lassen, ein spezielles Anniversary-Set zu spielen, bei dem es Songs zu hören gibt, die es sonst nicht auf die Setliste dieser Tour geschafft haben. Darunter zum Beispiel Non Serviam und In-Yumen Xibalba. Leider ist der Auftritt viel zu schnell zu Ende, obwohl laut offziellem Timetable noch gut 15 Minuten Zeit gewesen wären.

Der Headliner startet etwas verspätet. Nachdem Hypocrisy auf der Bühne erschienen sind und mit dem Banger End Of Disclosure ihr Set eröffnet haben, gibt es eine Aufklärung durch Peter Tägtgren. Zwei Bandmitglieder sind an Fieber erkrankt und so hat man auch kurzerhand das Set etwas gekürzt. Dass es sich die Schweden allerdings, trotz der Umstände, nicht nehmen lassen, ihren Auftritt durchzuziehen, hat kompletten Respekt verdient. Und das, was Hypocrisy hier abziehen, ist eine absolute Machtdemonstration. Neben Songs des aktuellen Albums Worship, finden sich auch einige Klassiker im Set. So reihen sich Don’t Judge Me und Fire In The Sky direkt zwischen Chemical Whore und Children Of The Grey ein. Mit ihren Überhit Roswell 47 beenden die Death-Metal-Legenden ihren zwar kurzen, aber denkwürdigen Auftritt und somit das 20. Baden In Blut Metal Open Air.
Die Geburtstagsfeier des Baden In Blutes war ein voller Erfolg. Immer wieder gelingt es den Metal Maniacs an kleinen Stellschrauben zu drehen und ihr Festival zu verbessern. Die Essensauswahl war noch mal größer als im Vorjahr und dadurch die Wartezeiten generell recht kurz. Die Bierauswahl ist ebenfalls bei weitem größer, als auf den meisten Festivals. Die Veranstalter können zu Recht stolz auf ihr wirklich einzigartiges Festival sein, das ich auch gerne weiterhin besuchen und unterstützen werde!















































































