Defaced – Icon

30.01.2026 - Death Metal - Massacre Records - 36:25 Minuten

Die Schweizer Formation Defaced aus dem schönen Emmental ist bereits seit dem Jahre 2012 aktiv, aber eigentlich schon seit 2006, damals noch unter dem Banner Trigger Tones. Allerdings ist meines Erachtens auch keiner der damaligen Member mehr mit dabei. Sei es drum. Gleich im Gründungsjahr haute man dann das Album namens On The Frontline heraus und ließ 2016 das zweite Werk Forging The Sanctuary folgen,. Dann wurde es irgendwie ein wenig still um die Band. Im Jahre 2021 kam Basser Michael dazu und im Jahre 2023 der Trommler Max Grinder (Ex-Amputate). So zog man sich ins schweizerische Tunnelsystem zurück und schrieb neue Songs, welche man nun auf dem lang erwarteten, dritten Album namens Icon via Massacre Records hören kann.

Los geht es mit The Antagonist. 1, 2, 3 und dabei. Kurze Einleitung mit einer langsamen Ummantelung, aber dann entledigt man sich dessen und haut erst einmal ordentlich in die Magengegend, sowohl musikalisch als auch soundtechnisch. Straight forward ist man unterwegs, im Namen des Death Metal natürlich, alles andere würde keinen Sinn ergeben. Die tiefen Vocals sind kraftvoll und gesellen sich gerne zum Untergang dazu. Mit melodischer Leadarbeit kämpft man sich vorwärts, geht kurz in einen stakkato-klingenden Moment, verschleppt dann das Tempo und lässt es aus Sicht der Geschwindigkeit eher chillig angehen, während ein fettes Riffing die Gemüter beschwichtigt, zusammen mit den aggressiven Screamvocals. Dann wird wieder Fahrt aufgenommen, man holt einen Stop-and-go-Part dazu und danach einen melodischen Moment, der recht atmosphärisch daherkommt, aber zu jeder Zeit, auch durch die Vocals, aggressiv klingt. Hier passiert viel, also: Spitz, pass auf. Guter Einstieg. Wuchtig und kraftvoll.

Präzise wie ein schweizerisches Uhrwerk

Perception kommt mit einem gesprochenen Intro daher und man lässt dazu die Gitarre erklingen, gepaart mit langsamen Drumming. Sicherlich nicht neu, aber ein guter Anfang, definitiv. Besonders auffallend ist das Riffing, muss man schon sagen. Auch der Song geht sofort ins Ohr, weil man schön straight zu Beginn agiert und dann immer wieder mit Rhythmus- und Tempowechseln arbeitet. Die Gitarrenarbeit klingt teilweise, als wäre sie aus dem Heavy-Metal-Bereich entnommen worden, um dann den eigenen Death-Metal-Stempel daraufzusetzen. Macht absoluten Spaß. Worauf sie meines Erachtens sehr viel Wert legen, ist, dass man immer eine gewisse atmosphärische Komponente mit einbaut. Gut zu hören bei diesem Song im mittleren Teil. Hier gibt es eben einen düsteren und melodischen Sektor, der langsam treibend deine Seelenschmerzen hervorhebt. Diesen Moment nimmt man gerne auf und lässt sich drauf ein, zumal durch die Produktion das Ganze eben absolut gepresst um die Ecke kommt. Sehr stark, kann man nicht anders sagen. Die fiesen, aber so was von passenden Vocals erledigen dann den Rest und, das hätte ich jetzt so nicht gedacht, man endet quasi fast so. Ich hätte jetzt noch mit einer schnellen Attacke gerechnet, aber weit gefehlt. Zwar macht man, nachdem der Sprecher, der zu Beginn des Songs aktiv war, noch einmal dran war, weiter, aber man bleibt auf der dunklen Spur des Daseins. Sehr lecker. Da drückt man gerne auf die Repeattaste.

Man geht eben vor wie ein schweizerisches Uhrwerk. Und so geht es dann auch immer weiter und weiter. Auch der nachfolgende Song As My Will Prevails kann mich dann überzeugen und bietet diese Mischung aus Aggressivität und dunklem Material. Vor allem sind sie sehr abwechslungsreich und auch technisch versiert, können dieses aber eben geschickt ins Songwriting mit einbauen. Kann man so machen. Immer wieder blitzen Einflüsse aus dem Black Metal auf und man hat kreative Ideen, wie am Ende. Die Gitarren zocken langsame Anschläge und der Drummer knüppelt durch und steht damit ganz oben in der Nahrungskette und im Geschehen.

Psychische Manipulation – sowohl textlich als auch musikalisch

Textlich beschäftigt sich das Album mit Themen wie Autoritarismus, Massenüberwachung und psychologischer Manipulation aus der Perspektive des Unterdrückers selbst. Die dazu geschriebenen Songs spiegeln, zusammen mit dem Artwork des Albums, diese Themen absolut wider. Hört mal Songs wie The Initiation (diese melodische Leadarbeit und die daraus resultierende Atmosphäre, einfach nur geil) oder Anthem Of Vermin (Druck hoch zehn), dann wird euch schnell klar, was ich meine.

Das schwere, schleppend und drückende Stück Icon zum Beispiel führt dich in den Abgrund des eigenen Schaffens und das schnelle Stück Culling The Herd holt dich da wieder raus. Letztes finde ich sogar noch ein Stück intensiver. Das mag natürlich an meiner Affinität zum schnellen Death Metal liegen. Aber auch hier agieren sie nach eigenem Schema und nehmen das Tempo heraus, fügen eine etwas komisch klingende Sprechpassage hinzu und bauen den Song wieder auf.

Hier und da ist mir die Mischung dann ein wenig zu viel, wie z.B. bei dem Song Betrayer, aber das ist wieder einmal Jammern auf hohem Niveau.

Hier geht es für weitere Informationen zu Defaced Icon in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Defaced – Icon
Fazit zu Icon
Defaced aus der Schweiz haben die hungrige Gemeinde zehn Jahre auf neues Material warten lassen, aber man muss sagen, das Warten hat sich gelohnt. Man ist natürlich tief im Death Metal verankert, macht aber auch kein Hehl daraus, dass diese Spielwiese ihnen viel zu klein ist. Manche Riffs klingen nach Heavy Metal, die natürlich auf Death Metal getrimmt wurden, dann verarbeitet man die Aggression des Grindcores, fügt immer wieder blackige Riffs dazu und fühlt sich sehr wohl in atmosphärischen Gefilden. Diese Kombination und die Fähigkeit, die Komponenten in gutes Songwriting umzusetzen, führen einfach zu einem gelungenen Gesamtergebnis, welches brutal, intensiv und eben atmosphärisch ist. Die geilen Vocals und die dunkle Produktion dazu, und fertig ist ein gutes Comeback-Album.

Anspieltipps: Perception und The Initiation
Michael E.
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