At The Gates – The Ghost Of A Future Dead

24.04.2026 - Death Metal - Century Media Records - 42:22 Minuten

Was soll man noch über At The Gates aka ATG sagen? Eine Band, die innerhalb der Szene, aber auch außerhalb ein extremes Ansehen genießt. Ich habe es nie verstanden, dass sie sich im Jahre 1996, nach dem grandiosen vierten Album namens Slaughter Of The Soul aufgelöst hatten. Ein Album, welches nicht nur mich extrem begeistert hat. 2010 waren sie ja dann wieder da und seitdem ist die im Jahre 1991 gegründete Band nicht mehr wegzudenken. Drei weitere Alben und viele Touren folgten und dann kam letztes Jahr der Schock. Tomas Lindberg, Hochsympath, Metalfreak und eben Sänger von At The Gates, erkrankte und starb dann im September. Goatspell, so sein Pseudonym der Vorgängerband Grotesque, hat aber noch alles eingesungen und hinterlässt uns hier sein Vermächtnis. Eine sehr traurige Geschichte. Fassen kann man es noch nicht so richtig. Ich konnte ihn auch einige Male sprechen und er hat sich immer Zeit für seine Fans genommen. Die Welt ist eben eine ungerechte. Wenn ich es richtig verstanden habe, konnte er auch die Reihenfolge auf dem mittlerweile achten Album der Schweden mit dem passenden Titel The Ghost Of A Future Dead festlegen.

Das Vorgängeralbum The Nightmare Of Being war natürlich gut, denn schlecht können At The Gates ja auch gar nicht, aber sie haben dort ein wenig experimentiert und es hat mich nicht komplett abgeholt. Im Vorfeld klang es so, als wolle man auf diesem Album wieder mehr in Richtung Slaughter Of The Soul gehen und einige Songs waren auch schon aufgenommen, bis dann die traurige Nachricht von der Erkrankung Tomas kam. Anders Björler,Gitarrist und Songwriter, ist wieder mit am Start. Also einer der Gitarristen, der auch bei der Slaughter Of The Soul das Ruder übernommen hat. Und manchmal sind ja negative Aspekte auch irgendwie hilfreich und führen dazu, dass das Ergebnis sehr positiv sein kann.

The Fever Mask, der Opener des Albums, wurde im Vorfeld schon als Single veröffentlicht und hat diese typischen Trademarks in sich. Ein melodisches Riff wird zum Besten gegeben, ein wenig in technisches Riffing verwickelt und druckvoll vorgetragen. Death Metal der Marke At The Gates, immer versehen mit einer Brise Thrash Metal. Nach einigen Sekunden setzt dann der Gesang ein und ich bekomme tatsächlich Pipi in den Augen. Man mag nicht dran denken, dass man ihn nicht mehr live hören und sehen wird. Musikalisch ist der Song ein echter Brecher. Kurz und knackig. Geiles Solo und schön nach vorne gehend. Gefällt mir absolut und geht tatsächlich in Richtung 1995. So habe ich es mir gewünscht und auch vorgestellt.

The Dissonant Void kommt mit einem kleinen Intro um die Ecke, marschiert dann durch die Gehörgänge und nimmt einen einfach mit. Schnelles Tempo, technische Spielereien und melodisches Riffing. Die markante Stimme darüber und fertig. Dann noch dieses lange und verspielte Solo, welches absolut großartig ist. Einfach nur lecker. Ja, die Burschen legen sich echt ins Zeug, um einen würdigen Abschied zu feiern, und auch dieser Song ist recht kurz.

Mit einem dramatischen Intro legt man bei Det Oerhörda los und zelebriert dann voller Emotionen die langsame Geschwindigkeit. Im Midtempo drückt man dann dem geneigten Fan die Faust in die Magengegend und nimmt alles auseinander, um dann mit einer langen Melodie die Herrschaft auszubauen. Wieder so ein kongeniales Solo, welches dann zu einem atmosphärischen Bastard weiterverarbeitet wird. Klasse. Hat ein gewisses nordisches Flair.

Drumming im Hintergrund und dann ab dafür. Straight forward und Vollgas gibt es bei A Ritual Of Waste und zeigt, dass die Burschen nichts an Härte verloren haben, sondern, wenn sie wollen, immer noch die Zwölf bedienen können. Ja, sehr gut. Das treibt die Sau aus dem Dorf und wieder zurück. Fettes Riffing und aggressives Drumming treffen hier auf brutale Vocals – At The Gates eben. Dann nimmt man das Tempo heraus, verschleppt es, baut eine Melodie mit ein und drückt im Midtempo wieder ohne Ende, um noch einmal ein melodisches Riff zum Vorschein zu bringen. Alles natürlich handwerklich vom Feinsten. Willkommen in der Vergangenheit und Gegenwart. So mag ich es.

Etwas fremde Klänge, so wie bei In Dark Distortion, hatten die Schweden ja immer mit dabei und so natürlich auch anno 2026. Dieses zeigt, wie abwechslungsreich die Band sein kann und ist.

Of Interstellar Death kommt dann wieder in typischer Manier aus den Boxen geknallt und haut einen förmlich um. I love it. Diese Mischung aus Geschwindigkeit, drückenden Riffs, Aggro-Vocals und melodischen Momenten haben die Schweden einfach drauf. Da sind sie absolute Meister ihres Fachs, gar keine Frage. Welch ein Song. Und dann dieses melodische Solo. Unbedingt anhören. Gänsehaut pur. Aus welchem Ärmel wurde das denn gezaubert? Hervorragend. Schade, dass man diesen Song, wie viele andere, nicht mehr mit Tomas Stimme hören wird.

Der Song ist der Anfang eines gewaltigen Trios, denn auch Tomb Of Heaven und Parasitical Hive gehen in diese fantastische Richtung und setzen sich in den Gehörgängen fest. Davon braucht man immer mehr und kann man nicht genug bekommen.

The Unfathomable ist ein krasser Death-Metal-Song, der am Anfang ballert und sich zu einem fetten Groover entwickelt. Fett. Melodien sind hier dann nicht so wichtig.

Diese werden dann wieder bei The Phantom Gospel herausgeholt. Der Song bleibt unter drei Minuten und bietet Gitarrenharmonien an, welche sich gewaschen haben. Der Gesang ist wieder sehr melancholisch. Der Song kommt sehr hymnenhaft herüber.

Das akustische Stück Förgängligheten zieht einen dann ganz runter und macht einem klar, wie vergänglich alles ist.

Nach den letzten Klängen von Black Hole Emission bleibt einem eigentlich nur die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden und die Repeattaste zu drücken. Am Ende gibt es noch einmal einen richtigen Kracher, welcher melancholisch und brutal zugleich ist.

Danke Tomas – Danke At The Gates

Hier geht es für weitere Informationen zu At The Gates – The Ghost Of A Future Dead in unserem Time For Metal Release-Kalender.

At The Gates – The Ghost Of A Future Dead
Fazit zu The Ghost Of A Future Dead
Ich verweile ja auch schon über fünf Dekaden auf diesem Erdball und habe leider schon viele gehen sehen, sowohl im privaten als auch im musikalischen Bereich, und dieses macht es einem nicht wirklich leichter, den Alltag zu überstehen. Manchmal vermengt sich das natürlich, wie bei Svensson. Es ist schon traurig, wenn man sieht, dass z. B. Miezko von Nasum oder Chuck von Death nicht mehr unter uns weilen. Als die Nachricht über die Krankheit von Tomas die Runde machte und die über seinen Tod im September 2025, war ich erstmal sprach- und fassungslos. Trotzdem haben At The Gates oder gerade deswegen dieses Album noch aufgenommen und es ist ein absolutes Brett, denn man geht zurück ins Jahr 1995 und zaubert Songs hervor, die auch auf dem Album Slaughter Of The Soul hätte erscheinen können. Unabhängig von allem muss man sagen, dass At The Gates hier ein absolutes geiles Werk gelungen ist, in allen Bereichen. Das Songwriter-Duo Björler und Larsson hat hier so etwas von abgeliefert. Unfassbar und dazu dann das Organ von Lindberg. Liebe pur!

Ein gelungenes Requiem und eine würdige Verabschiedung. Da geht wieder ein Großer!

Anspieltipps: The Fever Mask, A Ritual Of Waste und Of Interstellar Death
Michael E.
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