Event: Ancient Spells Over Leipzig
Headliner: Morbid
Vorbands: Evil Warriors, Serpere
Ort: UT Connewitz, Leipzig
Datum: 25.04.2026
Kosten: 51,50 € – Ausverkauft!
Zuschauer: ca. 450
Genre: Death Metal, Thrash Metal, Black Metal
Veranstalter: Into Endless Chaos Records
Link: https://intoendlesschaos.de/
Manche Konzertabende tragen bereits vor dem ersten Ton eine seltsame Spannung in sich. Vor dem UT Connewitz stehen Menschen in kleinen Gruppen zusammen, rauchen, sprechen leise und blicken immer wieder Richtung Eingang, als würde dort mehr auf sie warten als nur ein gewöhnlicher Auftritt. Es liegt Vorfreude in der Luft, aber auch etwas Schwereres. Keine laute Euphorie, eher das seltene Bewusstsein, Teil von etwas zu werden, das länger nachhallen würde als nur für ein paar Stunden Musik.
Das UT wirkt dabei nicht wie eine gewöhnliche Venue. Die verfallenen Wände erinnerten an eine alte Ritterrüstung: abgetragen, voller Narben, aber noch immer stehend. Nichts daran wirkt restauriert oder glatt. Genau das macht diesen Ort an diesem Abend zur einzig logischen Kulisse.
Es ist einer dieser seltenen Abende, an denen die Grenze zwischen Bühne, Publikum und privaten Momenten verschwimmt. Am Vorabend saß ich noch mit dem Veranstalter und Mitgliedern von Morbid zusammen. Biergläser wurden über den Tisch gereicht, man sprach über Musik, Reisen und Wörter, die sich kaum übersetzen lassen. Irgendwann erklärte mir jemand das schwedische Wort skitsamma. Scheißegal.
Dieses Wort wirkt plötzlich erstaunlich passend. In einer Zeit, in der fast alles auf Oberfläche, Optimierung und Wirkung reduziert wird, erinnert dieser Abend an das Gegenteil. Das Überraschendste ist, dass hinter all den Geschichten, Legenden und dem dunklen Mythos am Ende einfach Menschen sitzen, die Bier teilen. Für ein paar Stunden wirkt alles gleichzeitig weit entfernt und vollkommen nah.

Leipzig ist eine Stadt, deren Name in dieser Szene längst mehr trägt als nur Geografie. 1990 stand Per Yngve Ohlin hier mit Mayhem auf der Bühne. Jahrzehnte später scheint dieses Echo noch immer zwischen den Mauern zu existieren. Nicht als bloße Nostalgie, sondern wie eine Präsenz, die nie ganz verschwunden ist.
Als Serpere beginnen, wirkt der Raum zunächst noch zurückhaltend. Die Menschen bewegen sich langsam, als müssten sie erst in die Dunkelheit hineinfinden. Der Sound schiebt sich schwer durch das UT, weniger wie eine klassische Vorband, mehr wie das langsame Aufstemmen einer schweren Tür.
Mit den Evil Warriors verändert sich die Atmosphäre spürbar. Es wirkt, als würde Leipzig selbst seine Stimme finden: roh, widerspenstig und ohne jedes Interesse daran, gefällig zu wirken. Der Sound ist laut, dreckig und körperlich. Genau dadurch verliert er jede Distanz.

Genau deshalb entstehen solche Abende noch immer. Weil es Kollektive wie Annaconda Booking und Into Endless Chaos Records gibt, die sich gegen die Oberflächenlogik entscheiden. Sie schaffen kein glattes Event, sondern einen Raum. Einen Raum, in dem Fehler sichtbar bleiben dürfen, in dem Wände bröckeln und Musik nicht optimiert wirkt. Genau darin liegt die ungebrochene Kraft dieser Szene.
Als Morbid schließlich die Bühne betreten, liegt eine Schwere im Raum, die keiner großen Theatralik bedarft. Man wird Zeuge von etwas, das aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, und genau darin liegt die Stärke. Morbid wirken nicht wie eine Band, die ihre eigene Vergangenheit verwaltet. Die Songs klingen nicht wie konservierte Relikte, sondern gefährlich lebendig. Nichts an diesem Abend wirkt konstruiert. Nicht die Menschen, nicht die Geräusche, nicht die Dunkelheit. Das ist der Grund, weshalb Bands wie Morbid Jahrzehnte später noch immer diese Wirkung entfalten. Es ist die Weigerung, sich glätten zu lassen. Etwas Rohes. Unfertiges. Menschliches.













