A.R.A. – Open Air vom 16. bis 18.09.2021 in Ahe bei Rinteln

Dreitägige Neuauflage des Privatfestivals direkt an der Weser

Event: Ackerrock Open Air Steinkamp-Ahe 2021

Bands: Schwarz Rot Gold, Sleeping Dogs, Krachgarten, Dying Dreams, The Lost Members, Tyson

Ort: 31737 Rinteln, Niedersachsen, Deutschland

Datum: 16. bis 18.09.2021

Kosten: Festivalticket 33,33 €, Privat nur auf Einladung

Genre: Gemischt

Setlisten:

1. Overlord
2. Back In The USSR
3. Junkie Hell
4. You Should Talk
5. Blue In Black
6. House Of Doom
7. Black Velvet
8. Curtis Loew
9. Life Of Riley
10. Melissa
11. Waiting For The Thunder
12. Gods Problem Child
13. Sleeping Dogs (ZW)
14. Ghost
15. I Don´t Live Anywhere
16. Can´t You See
17. Sleeping Dogs (BS)
18. Sitting On The Dock
19. The Regulator
20. I Ain´t No Nice Guy
21. One Horse Town
22. Junge
23. Fortunate Son
Zugaben:
24. Im Gonna Be (500 Miles)
25. Gammeln Auf dem Strand

1. Mach´s Mal Keinem Recht
2. H.S.W.
3. Impftermin
4. Bandmonster
5. Lieber Nicht
6. Wunschkonzert
7. Der Kapitän
8. All In
9. Mach Das Licht Aus
10. Keine Ahnung
11. Theo
12. Das Gesetz
13. George Clooney
14. Gauland
15. Schöner Tag Im Mai
16. I.S.
Zugabe:
17. Plattenregal
18. Alle Mit Dabei

1. Intro
2. Pyromania
3. A Club Named Ben
4. Heavens Gate
5. Guardian Angel
6. So Long Baby
7. We Have Failed
8. Not Yet 16
9. Anyone But Me
10. Rock You
11. Just An Illusion
12. Sorry Ma´m
13. Where Are You
14. Guilty
15. Like A Prisoner
16. About Loosing A Friend
17. I Pay The Price
18. Rest Of My Money
Zugabe:
19. Aal Satt
20. The Hard Way

1. From The Ashes
2. Death By Silence
3. Counterparts
4. Anyway
5. Moshpit Alliance
6. Bleeding Machine
7. Sleep Of The Just
8. To Cross The Line
9. Egoblaster
10. False Gods Of Dertiny
11. Higher
12. Wysiwyg
13. No Class
14. Breaking The Law
15. Thin Ice
16. Water In Your Hands
17. The Storm
Zugabe:
18. Hide Your Heart
19. Rebell Yell

Was tun, wenn auch im zweiten Jahr hintereinander keine großen Festivals stattfinden? Man veranstaltet als private Party in kleinem Rahmen einfach ein eigenes…
So passiert in einem kleinen Dorf bei Rinteln.

Es kam Corona. Alle Großveranstaltungen und Festivals wurden verboten. Aus einer Bierlaune heraus plante eine Gruppe ein alternatives Amateur-Mini-Festival. Das geschah im Jahr 2020 mit solch großem Erfolg, dass schon kurz darauf feststand: Auf ein Neues in 2021!

Ja, aber wann? Alternativ zu Wacken oder dem Rockharz? Nein, dann kommt keiner. Also später, wenn alle Etablierten gewesen sind? Dann wird es kalt und unbeständig. Nun gut, ein Wochenende im September soll es sein. Die Vorbereitungen laufen, Wacken möchte nun doch ein Festival, schiebt es auf genau dieses Wochenende. 150 Leute mit 3G dürfen auf das riesige Areal kommen. Rund 100 werden es letztendlich. Diejenigen, die sich für Wacken entschieden hatten, sind nach der Absage des Bullhead City nicht zum A.R.A. zurückgekommen. Aber die, die gekommen sind, wussten, was sie erwartet. Ein familiäres Fest, das von Freundschaft und der Liebe zu Livemusik geprägt ist. Zugesagt hatten auf dem ländlichen Acker sechs Bands, fünf sind gekommen. Neueste Auflagen von den Umweltschutzbehörden machen den Bands und Organisatoren das Leben schwer, lassen das Festival aber am Leben. Die Bühne ist ein großer Anhänger für Stroh, die Beleuchtung ist mäßig. Zäune oder Absperrungen gibt es nicht. Dafür Festivalbändchen, free Dixis und eine Kuhtränke für die Hygiene. Festivalaufkleber kann man vor Ort kaufen, Shirts müssen im Internet bestellt werden.

Foto: Norbert Czybulka

Den Donnerstag kann ich noch nicht nach Niedersachsen reisen. Dienst ist Dienst. Auf das Konzert von Schwarz Rot Gold, einer einheimischen lokalen Band, muss ich verzichten. Festivalfeeling, Campen bei Livemusik und ein paar Bier mit seinen Freunden trinken geht auch am Freitag. Das Acker-Rock-Ahe bietet am Freitagabend die gleichen Bands wie im Vorjahr. Sleeping Dogs stehen zu dritt auf der Bühne. Sie spielen eigene Rocksongs, aber auch einige Cover. Sie machen Stimmung, die insbesondere zum Ende immer weiter gesteigert wird. Das Ärzte-Cover Junge oder die Zugaben I´m Gonna Be (500 miles), im Original von den Proclaimers, und Gammeln Auf Dem Strand, im Original von Torfrock, lassen hier jeden mitgrölen. Zum Ende kommt auch der Sänger und Gitarrist von Krachgarten auf den Anhänger und rockt mit.

Foto: Norbert Czybulka

Auch der Hauptact des Abends, Krachgarten, kommt aus der Gegend. Eigene Rockmusik mit deutschen Texten ist angesagt. Einheitlich in FCK AFD-Shirts haben sie eine klare Botschaft und rocken durch den Abend. Die Jungs sind hier ja alle bekannt und so ist die Megaparty ein voller Erfolg. Die Beleuchtung besteht nur aus vier lose aufgehängten LED-Strahlern. Meine Bilder sind demzufolge nichts für Ästheten… Um 22 Uhr hat nach Behördenauflagen die Musik zu verstummen. Offene Feuer sind verboten. Dafür gehen überall die Campingbeleuchtungen an.

 

Foto: Norbert Czybulka

Samstag ist das Nachmittagsprogramm abgesagt. Den heimischen Dying Dreams hat der Sänger gekündigt. So bleibt mehr Zeit für Grillwurst und den Aufbau der nächsten Band. Die Damen und Herren der Rennleitung tauchen wiederholt auf dem Gelände auf. Ja, die Boxen sind entgegen der Bühne. Lärmschutz für Vögel. Begreife, wer will. Es beginnt der Kieler Abend des A.R.A. Open Air. Es beginnen The Lost Members, ein Hardrock Trio. Seit mehr als zehn Jahren spielen nun Henrik Hagner (Gesang, Gitarre), Christoph Cammas (Bass, Gesang) sowie Torsten Hüls (Schlagzeug, Gesang) zusammen. Auftritte waren in den letzten Jahren leider nicht so häufig. Ein Festival bespielen sie in ihrem Bandleben zum ersten Mal. Auch unter den Gästen sind sie natürlich total unbekannt. Sie haben ein Programm zusammengestellt, das einen schönen Querschnitt ihres Schaffens darstellt. Zur Feier des Festivals wird eine neue technische Errungenschaft eingesetzt. Zwei Feuersäulen stehen vor der Bühne und werden mit ihrem Song Pyromania eingeweiht. Spätestens jetzt ist der letzte Gast vor der Bühne. Zweimal darf ich die Gaskartuschen während des Auftritts bei meinen Freunden austauschen, bevor ihr gefeierter Auftritt nach 100 Minuten beendet ist. Die CD der Truppe geht danach weg wie warme Semmeln. Während des Abbaus sind sie ständig am Signieren. Gut, dass der Zeitplan genug Luft lässt.

Foto: Norbert Czybulka

Obwohl Kiel musikalisch nur ein Dorf ist, kennen sich die Bands untereinander nicht. Angefragt war von den Veranstaltern Cascet Inc. von der Westküste Schleswig-Holsteins. Da der Sänger beruflich verhindert war, hat Drummer Oliver Teschner seine zweite Band gefragt, ob sie den Platz ausfüllen möchten. Wer Kochi und Tyson kennt, der weiß, dass die Jungs keine Möglichkeit auslassen, vor Metalheads einen Abriss vorzunehmen. Nun sind sie die Headliner des Festivals. Nach deren Ankunft sind sie zuerst von der Location direkt an der Weser, später dann von den Lost Members begeistert. Ein neues Bandfoto entsteht, bevor zum Aufbau gerufen wird. Die natürliche Helligkeit verschwindet und das Melodic Thrash Metal Trio beginnt. Trio? Heute ist der zweite Gitarrist Torsten Ziemann aus beruflichen Gründen nicht mit angereist. Auch hier begeistert die Kieler Truppe sofort die Festivalgemeinde. Die Bühne ist in gespenstischem Blau, passend zu Tysons Endzeitbanner, getaucht. Pierre Dapper mit seinem Gitarrenspiel lässt die Metalfreaks mit offenen Mündern staunen. André (Kochi) Koch geht zwischen den Songs auf die Headbanger vor der Bühne ein. Die Setliste umfasst die Songs der Unbreakable Tour 2021, die in lockerer Reihenfolge nach Zuruf gespielt werden. Die Tour fand durch Corona nie statt, solche Events bringen die Jungs dennoch auf die Straße. Um ein paar brauchbare Aufnahmen hinzubekommen, ist die Lichtanlage um einen Baustrahler erweitert worden. Gundis Merch-Stand ist umlagert. Das Konzert ist wie heute Nachmittag total begeisternd. Wer sagt, die Norddeutschen sind stur und können keinen Metal? Den dreien fällt nach Abarbeitung der Setliste schon nichts mehr ein. Also werden Probenraum-Klassiker wie Kiss oder Billy Idol als Zugaben gespielt. Die Menge johlt und kann nicht genug bekommen.

Leider muss wieder einmal um 22 Uhr der Abend beendet sein. Es wird trotzdem weiter gefeiert, während sich die Kiddies um die Pfandflaschen kümmern. Niemand möchte Scherben oder Kronkorken auf dem Acker. Tyson bauen ab und haben eine Menge Fans dazugewonnen. Gegen Mitternacht geht es für sie wieder gen Heimat.

Fazit: Geht doch! Mit vernünftigen Leuten und guter Planung ist sogar eine solche private Rock- und Metalparty möglich. Ich hoffe, 2022 wieder dabei sein zu dürfen, wenn ein erstes großes, offizielles Festival (?) an den Start geht! Aber will man das überhaupt? Der Charakter würde verloren gehen. Die Familie würde nicht so zusammen halten und die Bands würden vermutlich mehr kosten. Jetzt lassen sich die Kosten in Grenzen halten und mit einem freien Verkauf kommen Leute, die man nicht kennt. Harmonie ist vielen hier jedoch wichtig. Wichtiger als eine kostendeckende Bilanz, denn auch hier gilt: Support your local Heroes!

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