Conan mit UN und Sixes – am 22.10.2019 im Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden

Großartiger Doom Abend im Kesselhaus in Wiesbaden

Bands: Conan, UN, Sixes

Ort: Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden, Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden

Datum: 22.10.2019

Kosten: 17 € VVK, 21 € AK

Genre: Sludge Metal, Doom Metal, Funeral Doom

Besucher: ca. 200 Besucher

Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden

Link: https://www.schlachthof-wiesbaden.de/programmdetails/items/conan-2019.html

Setlisten:

Sixes

1. Intro To Meth
2. Fogbreather
3. Methistopheles
4. A Cross To Burn
5. Misery Hag

UN

1. In It’s Absence
2. 2. Sentiment
3. A Garden Where Nothing Grows

Conan

1. Total
2. Prosper
3. Hawk
4. Foe
5. Gravity
6. Hate Song
7. Satsumo
8. Battle
9. Volt
10. Throne
11. Pain

Nach dem letzten Sludge Battle mit Earth Ship und Lord Dying gibt es Doom von Feinsten im Kesselhaus. Mit Conan, UN und Sixes sind gleich drei Bands unterschiedlicher Doom Prägungen am Werk.

Für einen Wochentag ist es auch heute wieder recht gut gefüllt im Kesselhaus, welches gut zur Hälfte besetzt sein dürfte. Viele der hier anwesenden Fans sind natürlich wegen der legendären Conan hier, die auch den Headliner heute Abend machen werden.
Den Opener machen Sixes aus Kalifornien. Ihre Mucke ist am ehesten als eine Mischung aus Blackened Doom und Sludge zu bezeichnen. Spannung in den einzelnen Songs, die Luft zum Zerbersten. Die Songs schleudern dir regelrecht die Birne weg.

 

Im Blickpunkt vorne in der Mitte Bassistin Zander Reddis, die mit ihrem bösen Bass die Stimmung sehr tief hält. Neben ihr die nicht minder bösartigen Gitarren von Hannes Bogacs und Stephen Cummings, der zudem den stark sludgelastigen Gesang zu den Stücken beisteuert. Stephen Cummings scheint unter Adrenalin zu stehen. Während die anderen Bandmitglieder ziemlich cool und lässig ihre Musikinstrumente malträtieren, zappelt er hin und her. Dabei ist er nicht selten dem Publikum mit dem Rücken zugewandt und sucht den Kontakt zu dem Verstärker, der hinter ihm steht. Dabei gibt es natürlich auch einiges an Rückkopplungen, was zur Mucke dieses Quartett unbedingt gehört. Was da Stephen Cummings zur Musik der Band an Bewegung abzieht, ist Anspannung pur.

 

Nochmals zum Thema Verstärker, dazu ein Satz der Band: „Worship Amps, Not Gods“. Die Band ist noch recht jung, denn sie wurde erst 2016 gegründet. Nach der Single A Cross To Burn 2017 folgt 2018 der erste Longplayer mit dem Titel Methistopheles. Den Longplayer kann man am Merchstand anschließend käuflich erwerben.
Sixes spalten die Zuhörerschaft an diesem Abend ein wenig. Mir gefallen sie sehr gut. Einigen der anwesenden Fans scheint der räudige Sludgeanteil etwas zu viel zu sein. Man kann es ja nicht jedem recht machen. Für mich ist es am heutigen Abend ein sehr guter Einstieg.

Nach dem Gig unterhalte ich mich mit den Musikern von Sixes noch ein wenig. Dabei stellt sich heraus, dass Gitarrist Hannes Bogacs Österreicher ist, wen wundert es bei diesem Namen. Er ist seit ca. sechs Jahren in den USA und von Beginn an mit der Band unterwegs. Das passt recht gut. An den Drums scheint es in der Vergangenheit noch nicht so richtig gepasst zu, denn da wurde ziemlich durch rotiert und da sitzt jetzt Paul Vargas hinter den Becken.

Mit UN kommt nun eine Funeral Doom Formation auf die Bühne. Das Quartett stammt aus Seattle / USA. Zusammen mit Sixes begleiten sie Conan auf der kompletten Tour durch Europa, die insgesamt fast vier Wochen läuft und 25 Gigs bereithält. Das 2012 in Seattle gegründete Quartett UN besteht aus dem Sänger und Gitarristen Monte McCleery, dem Bassisten Clayton Wolf, dem Gitarristen David Wright und dem Schlagzeuger Alex Bytnar, der nach dem Ausstieg von Andrew Jamieson 2017 zur Band hinzugestoßen ist.

Letztes Jahr durfte ich gegenüber in der großen Halle dem grandiosen Set der Funeral Doom Legende Bell Witch beiwohnen. Am heutigen Abend sind es UN, die einen ähnlichen Funeral Doom präsentieren wie Bell Witch, ebenso packend und spannend. Mit diesem Szenarium habe nicht nur ich heute Abend nicht gerechnet. Auf der Bühne, teilweise spannend durch Scheinwerfer eingefangen, schlängelt sich die Musik von UN quasi wie ein Trauermarsch vor sich hin. Die allermeisten Besucher sind regelrecht fasziniert und richtig angetan von dieser Band. Die Songs sind alle sehr lang. So sind es nur drei Songs, die heute Abend geboten werden, jedoch genügend Zeit einnehmend, denn es ist fast das gesamte letzte Album Sentiment, alleine der Song Pools Of Reflection wird nicht gespielt. Drei Songs genügen, um auf über 45 Minuten Spielzeit zu kommen! Betäubt lassen UN die Zuhörer nach ihrem Gig zurück. Das Quartett trifft man sogleich am Merchstand, an dem sie die neue, streng limitierte (250 Stück) Sentiment auch auf Vinyl anbieten. Da muss man einfach zuschlagen. Die Platte steht jetzt neben meinen Bell Witch Vinyls.

Zu guter Letzt kommt mit Conan wohl die Band, wegen der die meisten Fans heute Abend hier sind. Ihren Doom nennt das Trio aus Liverpool Caveman Battle Doom! Ja richtig, sie kommen aus Liverpool und haben mit den Fab Four genauso wenig gemeinsam wie der Homo Sapiens mit dem Neandertaler. Gemeinsamer Knotenpunkt dürfte einzig und alleine sein, dass sie Musik machen.

Es gibt also authentischen, kraftvollen Höhlendoom. Die urwüchsigen Höhlenbewohner kriechen nun hervor und schütteln ihr Haupt zu den mächtigen Klängen des Trios. Ihr doch sehr markanter Doom, mit Versatzstücken von Sludge versehen, ist schon außergewöhnlich. Die Band ist mit kurzen Auszeiten bereits seit 2006 im Stoner und Doom Bereich unterwegs und hat wohl so jedes bekannte Festival gespielt. Sänger und Gitarrist Jon Davis ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied und hält die Flamme in der Höhle des Dooms am Brennen. Langsam wälzt sich der urzeitliche Doom voran und lässt die Halle in Wiesbaden erbeben. Neben Songs wie Prosper On The Path, Volt Thrower oder Paincantation vom neuen Album Existential Void Guardian gibt es auch ältere Songs. Conan haben schließlich vier Longplayer, einige EPs / Splits und zwei Livealben hervorgebracht.

 

Die Songs von Conan sind zäh, roh und stecken voller urmenschlicher Energie, die sich in bekannter Weise in einem Caveman Battle Doom entlädt. Eine volle Sludge Doom Dröhnung, die dem Hörer durch unaufhörliche Dissonanz wahrlich wohlige körperliche Schmerzen bringen kann. Manche Fans stehen so auch noch völlig erstarrt im Kesselhaus, nachdem der letzte Ton von Conan bereits vorbeigerauscht ist!

 

Fazit: Großartiger Abend dreier Bands, die Doom unterschiedlicher Coleur präsentierten. Akzente von Sludge in verschiedenen Variationen waren ebenfalls vorhanden. Caveman Battle Doom, begleitet von Trauermarsch des Funeral Doom und angebetet von den Amp Göttern.

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