Das Interview mit Nico Sallach über die Eskimo Callboy EP „MMXX“

Der Weg in die Band und die Sonderedition von "Hypa Hypa"

Artist: Eskimo Callboy

Herkunft: Castrop-Rauxel, Deutschland

Genre: Metalcore, Trancecore

Label: Century Media Records

Link: https://eskimocallboy.com
https://time-for-metal.eu/eskimo-callboy-mmxx-hypa-hypa-edition/

Bandmitglieder:

Gesang – Nico Sallach
Gesang und Keyboard – Kevin Ratajczak
Gitarre – Daniel „Danskimo“ Haniß
Gitarre – Pascal Schillo
Bassgitarre – Daniel Klossek
Schlagzeug – David Friedrich

Time For Metal / Paul M.:
Hallo Nico, schön, dass du dir heute die Zeit genommen hast, mir meine Fragen zu beantworten. Ich bin unglaublich neugierig, was die neue Stimme von Eskimo Callboy ausmacht.

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Ja, hi Paul, vielen Dank erst mal für die Einladung. Ich freu mich, heute hier sein zu dürfen und werde dir natürlich Rede und Antwort stehen – also schieß los, was willst du wissen?

Time For Metal / Paul M.:
Du klingst sehr motiviert, das gefällt mir! Dann geht es auch direkt los, als Erstes würde ich mich brennend dafür interessieren, wie du zu den Jungs von Eskimo Callboy gekommen bist.

Eskimo Callboy, Wacken Wrld Wide, 29.07.2020Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Mit einer Frage dieser Art habe ich schon gerechnet, dafür muss ich etwas weiter ausholen. Ich war mit meiner vorherigen Gruppe schon zwei-, dreimal auf einer Tournee mit Eskimo Callboy mit dabei und daher kannten wir uns auch schon recht gut. Vor allem hatten wir auch denselben Proberaumkomplex und haben im Grunde Tür an Tür geprobt. Als dann mit meiner Band To The Rats And Wolves 2019 der Schlussstrich war, war für mich auch erst mal ein Buch, ein Kapitel abgeschlossen – in der Zeit hatte ich dann die Zeit, mich zu orientieren, weil ich nicht wusste, wohin mit meinem Kopf. Kurze Zeit später bekam ich eine Anfrage, ob ich Eskimo Callboy nicht als Ersatzsänger auf einer Tournee begleiten möchte, wo ich, ohne lange zu überlegen, zugesagt habe. Ich habe dann gesehen, dass die Jungs einen neuen Sänger suchen, worauf ich mich dann beworben habe und paar Tage später hatte ich die Möglichkeit, auf teils fertige Instrumente was zu singen und dann stand relativ schnell fest, dass die Zusammenarbeit wunderbar funktioniert und ich der neue Sänger von den Callboys werde.

Time For Metal / Paul M.:
Das ist auf jeden Fall ein gewaltiger Zufall, aber vermutlich warst du einfach für diese Rolle bestimmt. Wie lief denn die Arbeit an der ersten gemeinsamen EP MMXX ab?

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Ja, das Ganze war ein sehr harmonisches Arbeiten – komplett ohne Druck. Das kommt daher, dass wir erst mal eine Single veröffentlicht haben, welche aus einer EP kommt. Nach dem Song Hypa Hypa war dann alles ein Selbstläufer und die Arbeit an der EP war sehr entspannt und angenehm, was mich selbst etwas überrascht hatte für mein erstes Projekt mit Eskimo Callboys. Es war generell eine sehr schöne Zeit, die wir während der Produktionsphase hatten und ich freue mich auf die nächsten Aufnahmen mit den Jungs.

Time For Metal / Paul M.:
Hate/Love war für mich erst mal ein richtiger Partyhit, bis ich einen Blick auf den Text geworfen habe und mit Entsetzen feststellen musste, dass die Lyrics einer Ballade gleichkommen. Welchen Hintergrund hat der Song?

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
In dem Text geht es um eine kaputte Beziehung, der Abhängigkeit voneinander und einer Liebe, die sich aus Hass begründet. Wir fanden den Kontrast witzig zwischen dem Refrain, der absolut einen Partycharakter aufzeigt und dem Text und dessen Hintergrund. Die Kernaussage des Textes ist: „Ich liebe es, dich zu hassen und deswegen halte ich dich am Leben“, das steht im krassen Kontrast dann zu der vorantreibenden musikalischen Ausdeutung – es sollte einfach etwas paradox sein, sodass sich die Leute denken, Hate/Love sei echt krasser, fröhlicher Song – ist er aber nicht. Liebeslieder gibt es wie Sand am Meer und die Probleme innerhalb der Liebe gibt es, seitdem es den Menschen gibt, und wir haben dann ein Liebeslied in unserem Stil gemacht, was uns dann auch richtig gut gefallen hat.

Time For Metal / Paul M.:
Wo nehmt ihr eure Inspiration her? Ballermannmusik wie Atzen oder Mia Julia werden, zumindest kann ich es mir nicht vorstellen, nicht für eure Inspirationen verantwortlich sein.

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Ja also Mia Julia und klassische Ballermannmusik hören wir nicht, das ist ja klar! Spezielle Vorbilder haben wir jetzt nicht, ich denke eher, dass unsere Inspiration aus der musikalischen Prägung des Einzelnen zustande kommt. Bei mir waren es Bands wie Papa Roach, Linkin Park, Limp Bizkit sowie auch unglaublich viel Emomusik. Generell ist es aber so, dass wir uns nicht denken, der Song muss so und so klingen, sondern wir schreiben drauflos, schauen, auf was wir Lust haben und was gut klingt. Wir versuchen, uns nicht an ein Muster zuhalten oder irgendetwas zu imitieren. So kommen dann auch Songkonstellationen zustande wie Hypa Hypa und Hate/Love, die sich krass voneinander unterscheiden.

Time For Metal / Paul M.:
Könntest du dennoch drei Bands nennen, die vielleicht für Callboy am ausschlaggebendsten sind oder macht gerade die große Mischung Eskimo aus?

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Das ist schwer, ich würde jetzt aus dem Bauch heraus eher zu Letzterem tendieren. Es gibt zwei von uns, die wirklich extrem hartes Zeug hören, wie beispielsweise Deathcore, mit dem du mich jagen könntest. Ich höre gerne Musik mit Melodie, Gesang und Takt. Aber wenn ich wirklich mal kurz überlege, selbst dann könnte ich keine drei Bands nennen und selbst wenn ich dir jetzt was sagen würde, wären es nicht die Richtigen. 

Time For Metal / Paul M.:
Prism ist dann am Ende die eigentliche Ballade, wie kam es zu diesem Song? Wie gefällt er dir, denn das ist am Ende doch ein Ausriss aus dem Callboy Konzept?

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Also bei dem ganzen Entstehungsprozess von Prism war ich selbst nicht dabei, der Song stand schon komplett, bevor ich kam, ich habe lediglich meine Stimme daruntergesetzt und war begeistert von dem Song. Also erstmals ist der Track der durchdachteste und ein sehr atmosphärischer Song. Und es klingt zwar etwas bescheuert, denn ich bin Sänger einer Core Band, aber ich bin immer noch Sänger und auch klare Vocals machen mich glücklich – bereiten mir vor allem unglaublich viel Spaß zu singen.

Time For Metal / Paul M.:
In welcher Beziehung steht ihr zu Tobias (Anm.: Tobias Rauscher)? Und besteht die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf neuen Alben wieder von seinem Gitarrenspiel zu hören bekommen?

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Ich habe leider noch nicht die Möglichkeit gehabt, Tobias persönlich kennenzulernen, aber ich kann sagen, dass Tobias ein unglaublich guter Gitarrist ist. Man kann ohne Probleme sagen: „Hey spiel mal das“ und ein paar Sekunden später hat er den Part fehlerfrei aufgenommen. Die Zusammenarbeit hat, sofern ich das sagen kann, enorm gut und unkompliziert funktioniert, da er halt einfach ein Profi ist. Und ja, ich will hoffen, dass Tobias auf kommenden Alben wieder seinen Auftritt bekommt. Wenn er kommen möchte, wird sich niemand beschweren, jeder in der Band weiß seine Arbeit wirklich zu schätzen.

Time For Metal / Paul M.:
MC Thunder II (Dancing Like A Ninja), der große Nachfolger vom bisher größten Hit und wieder mit HandOfBlood. Wie ist es, mit Maximilian Knabe zu arbeiten?

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Hänno ist einfach ein metalliebender Mensch, der sich gerne in die Mengen schmeißt und mittobt. Es war natürlich wieder eine Ehre, dass er die Hauptrolle in dem Musikvideo übernommen hat. Auch ihn konnte ich durch Corona-Auflagen beim Dreh leider nicht treffen, aber ich hoffe ganz stark, dass er uns bei zukünftigen Konzerten das eine oder andere Mal besucht und mit uns abfeiert. Er ist einfach ein super umgänglicher, liebenswerter Mensch! Die Arbeit ist total frei von Komplikationen und hat den Menschen vor Ort bestimmt jede Menge Spaß gemacht.

Time For Metal / Paul M.:
Eine letzte Frage habe ich noch in petto. We Butter The Bread With Butter haben Hypa Hypa komplett auseinandergenommen, dann gibt es noch eine Western-, Core-, Mittelalter-Version wie kam es zu diesem Genremix?Eskimo Callboy, Wacken Wrld Wide, 29.07.2020

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Naja, also erst mal – der Song ist ja schon bescheuert genug, ich denke, da stimmst du mir zu. Dann haben wir, um ehrlich zu sein, niemals damit gerechnet, dass der Song so krass durch die Decke geht. Wir haben uns dann auf TikTok den Spaß erlaubt und eine bayerische Version gemacht, die wieder gut ankam, die Fans haben ständig nach einer Vollversion gefragt und hier fing der ganze Spaß dann an. Wir haben uns gedacht, dass es unglaublich langweilig ist, verschiedene Versionen von Hypa Hypa von Eskimo Callboy zu hören und haben angefangen, die verschiedensten Leute zu fragen. Am Ende hat das unglaublich gut funktioniert und hier müssen wir auch noch mal den Fans danken, die uns auf diese Idee überhaupt gebracht haben – Danke!

Time For Metal / Paul M.:
Das sind doch unglaublich schöne Worte zum Abschluss. Nico, ich bedanke mich herzlich für deine Zeit und die ehrlichen Antworten und für das super entspannte Gespräch. Ich hoffe, wir sehen uns bei der Tour mal und genieß die Zeit bis dahin! Tschüss.

Eskimo Callboy / Nico Sallach:
Ja gerne, hat mir Spaß bereitet mit dir zu reden. Ich hoffe, du hast auch einen wunderschönen Sommer und hoffentlich sehen wir uns auf Tour. Mach’s gut!

Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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