Brasilien ist seit langem ein gutes Terrain für Thrash Metal. Da lohnt es sich immer, einen Blick hinzuwerfen. Der Fokus liegt dieses Mal auf Deathraiser, einem Vierer mit Geschichte aus Leopoldina. Als Merciless veröffentlichten die Jungs je zwei Demos und Split-EPs. 2009 wurde der Name in Deathraiser geändert und mit ihrem durchaus gelungenen Debütalbum Violent Aggression 2011 die Underground-Szene aufgemischt. Satte 15 Jahre Funkstille ließen sie ins Land streichen. Nun liegt ihr Zweitwerk Forged In Hatred auf dem Plattenteller: Es hat im wahrsten Sinne des Wortes zwei Seiten, eine eigene und eine aus Altenessen.
Schon beim ersten Durchlauf wird klar, dass die Deathraiser in der ungewöhnlich langen Pause nichts von ihrer jugendlichen Wut eingebüßt haben. Das Album ist ein wahres Energiebündel, voller Leidenschaft für schnelle, aggressive Mucke. Die Produktion ist druckvoll, ohne dabei den nötigen Schmutz zu verlieren, der authentischen Thrash Metal ausmacht. Deathraiser verstehen es gekonnt, das Tempo fast durchgehend im roten Drehzahlbereich zu halten, wobei die Riff-Salven präzise wie Maschinengewehrfeuer aus den Lautsprechern gepfeffert kommen. Souverän setzen sie sich zwischen die Stühle der unzähligen Retro-Releases und modernen Produktionen, ohne mit dem Arsch auf den Boden zu knallen.
Leidenschaft schlägt Eigenständigkeit
Allerdings muss der berühmt-berüchtigte Finger in die Wunde gelegt werden: Es mangelt dem Werk spürbar an Eigenständigkeit. Wer beim Hören von Songs wie dem Titeltrack oder Toxic Legacy unweigerlich an die Essener Thrash-Legende Kreator denkt, liegt nicht so ganz falsch. Deathraiser klingen auf weiten Strecken so massiv nach der Phase von Pleasure To Kill bis Coma Of Souls, dass fast von einer Hommage gesprochen werden kann. Von Milles markantem Bellen bis hin zu den spezifischen Riff-Strukturen, den plötzlichen Geschwindigkeitsausbrüchen und groovigen Midtempo-Passagen – alle diese Trademarks sind auf Forged In Hatred wiederzufinden. Ein doch vorhandener Schuss eigener Charakter rettet das Album, nur als eine gute Kopie abgestempelt zu werden.
Trotz dieser berechtigten Kritik an der Originalität überwiegt der positive Gesamteindruck. Forged In Hatred ist kein Album für Feingeister oder Innovations-Fetischisten, sondern eine Liebeserklärung an das Goldene Zeitalter des Thrash Metals als auch Kreators. Die Intensität, mit der die Brasilianer zu Werke gehen, macht die fehlende Innovation wett. Es sind förmlich der Schweiß und das Herzblut zu spüren, die in diese Aufnahmen geflossen sind. Ein solch kompromissloser Faustschlag ins Gesicht ist eine willkommene Abwechslung für jeden Die-Hard-Fan, der seinen Thrash Metal gern laut, schnell und böse mag.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Deathraiser – Forged In Hatred in unserem Time For Metal Release-Kalender.



