Devin Townsend – Empath

“Das Unerwartete wird erwartet!”

Artist: Devin Townsend

Herkunft: Kanada

Album: Empath

Genre: Alternativ Metal, Prog Metal, Prog Rock

Spiellänge: 74:15 Minuten

Release: 29.03.2019

Label: Inside Out Music

Link: https://www.hevydevy.com/

Bandmitglieder:

Devin Townsend

Gastmusiker: Mike Keneally (Music Director) Morgan Agren, Anup Sastry, Samus Paulicelli, Nathan Navarro, Elliot Desagnes, Steve Vai, Chad Kroeger, Anneke Van Giersbergen, Ché Aiee Dorval, Ryan Dhale, Elektra Women’s Choir

Tracklist:

    1. Castaway
    2. Genesis
    3. Spirits Will Collide
    4. Evermore
    5. Sprite
    6. Hear Me
    7. Why?
    8. Borderlands
    9. Requiem
    10. Singularity: a. Adrift b. I Am I c. There Be Monsters d. Curious Gods e. Silicon Scientists f. Here Comes The Sun

Tausendsassa Devin Townsend bringt am 29.03.2019 sein neuestes Werk mit dem Titel Empath auf den Markt. Erscheinen wird es bei Inside Out Music. Erhältlich sein wird es als Standard CD, limitiertes 2 CD Digipak (inklusive eine CD mit Bonusmaterial). Daneben gibt es neben der black Vinyl verschiedene limitierte farbige Vinylvarianten, wie z.B. orange (400 Stück), transparent magenta (200 Stück), white (200 Stück).

Beim Multikünstler Devin Townsend kann man sich nie gewiss sein, was einen denn jetzt auf dem neuen Album erwartet. Dies natürlich erst recht nicht, wenn er sich für die Aufnahmen als Music Director mit Mike Keneally einen ehemaligen Zappa Musiker mit an Bord holt.

Ja, was erwartet man von Devin Townsend eigentlich bei einem neuen Album wie Empath? Diese Frage kann man eigentlich klar beantworten: Man erwartet bei Devin Townsend generell das Unerwartete!!! Also erwarte auch ich bei Empath natürlich das Unerwartete!

Vorab kann ich da bereits Vollzug melden, denn Empath ist voll mit Unerwartetem und dies vorzüglich geschmückt mit zappaesken Zügen.

Devin Townsend mixt auf Empath verschiedene musikalische Linien. Metal trifft auf Klassik, Rock triff auf Ambient, Jazz trifft auf Country ….liebliche Melodien und klarer Gesang treffen auf bitterböse Growls. Devin Townsend mixt dies alles, rührt es praktisch im Cocktailshaker. Heraus kommt dabei eine ihm sehr eigene Cocktailkreation: süß, bitter, hell, dunkel – auf jeden Fall ein exquisites Geschmacksergebnis.

Das Album beginnt mit dem Rauschen eines Ozeans. Möwen sind in der Ferne zu vernehmen. Eine akustische Gitarre lässt ein wenig Südseestimmung aufkommen, während ein Frauenchor langsam einstimmt. Castaway führt direkt übergangslos zum zweiten Song des Albums mit dem Titel Genesis. In Genesis kommt bereits alles zum Tragen, was dieses Album in seiner Widersprüchlichkeit ausmacht. Genesis ist beruhigend und schön, es ist elektrifizierend, atmosphärisch; zugleich ist er ein böser und wütender Metalsong mit einem Drumbattle und allem was dazugehört.

Mit Spirits Will Collide folgt ein leicht poppiger Song mit Chor und einem Devin Townsend mit Nachdruck in seiner Stimme. Dieser Song würde sich auch gut als Melodie für das Auslaufen von Kreuzfahrtschiffen eignen. Mal schauen, vielleicht wird er ja mal Enya’s Orinoco Flow auf der AIDA ablösen.

Evermore greift die Grundlage von Spirits Will Collide zunächst ein wenig auf, wird dabei jedoch flotter. Ein zappeskes Intermezzo verändert diese Stimmung zugleich. Es folgt eine ganz andere Stimmung, in der sogar Metalsounds eingebunden werden und heftige Growls zu vernehmen sind.

Sprite führt uns ins Fantaland, oder so ähnlich. Zu Beginn erhalten wir eine Einführung durch Devin Tonwsend in Form eines Narrators. Der Song ist insgesamt recht elektronisch, harmonisch und atmosphärisch dicht gehalten. Er kommt wirklich fast so vor, wie ein Flug durch das Fantaland (das ist nun eine Erfindung von mir, in Anlehnung an den Songtitel Sprite).

Bereits das Ende von Sprite kündigt uns etwas anderes an, denn mit Hear Me kommt der Metal zurück. Schnell und wütend. Hear Metal. Devin Townsend hat bei diesem Songtitel einfach drei Buchstaben vergessen. Dieser Song wird jeden Metalfan verzücken. Schweres Geschütz wird aufgefahren und aus allen Rohren gefeuert.

Nach diesem wütendem Geballere überrascht Why? mit einer beschwingten klassischen Orchestrierung, Gesang und dem Einsatz des Elektra Womens’s Choir! Wieso, das überlasse ich mal Devin Townsend ganz allein. Der mag jedoch seinen Grund haben und das passt sehr gut zum ganzen Konzept. Vor allem, weil hier und da dann auch noch ein paar völlig unerwartete Growls kommen. Der Mann ist wahnsinnig genial, oder doch genial wahnsinnig!?

Hahnenkrähen und beschwingte Musik. Borderlands könnte der Soundtrack für einen gut gelaunten Film sein. Devin Townsend wäre nicht Devin Townsend, wenn dem wirklich so wäre, denn einfach so dahin fließt der Song nicht. Hier gibt es solch geniale zappesken Einlagen, dass der Meister selbst seinen Spaß daran gehabt hätte. Devin Townsend setzt hier ein Glanzstück!

Bereits gegen Ende hin geht der Song in Requiem über, einem klassischen Intermezzo, welches wiederum den Übergang zu Singularity bildet. Dieses Requiem nimmt einen regelrecht mit und trägt uns zum abschließenden, 23-minütigen Song, der in sechs Kapitel unterteilt ist. Singularity ist fast ein Album für sich. Es enthält nochmals alles, was die vorangegangen neun Songs vorher bis hierhin uns gebracht haben.

Prog Rock und Metal bilden das Fundament für diesen zudem epischen Song. Ein Spagat zwischen Himmel und Hölle und dies ausgezeichnet musikalisch dargestellt. Ein Widerspruch in sich? Ja und nein. Das gesamte Album ist Widersprüchlichkeit in sich. Und gerade das macht das geniale Gesamtwerk aus! Prog Fans werden diesen Song und dieses Album lieben.

Devin Townsend promoted das Album mit einer Tour. Vier Termine davon sind auch in Deutschland:

04.04.2019 Passionskirche, Berlin
07.04.2019 Freiheiz; München
09.04.2019 Kulturkirche, Köln
10.04.2019 Grünspan, Hamburg

Fazit
Devin Townsend hat mit Empath erneut glanzvoll abgeliefert! Devin Townsend schafft es, mit Empath das erwartete Unerwartete zu schaffen. Empath ist voll mit Unerwartetem und dies noch vorzüglich geschmückt mit zappaesken Zügen. Ein musikalischer Spagat zwischen Himmel und Hölle. Neun diverse Songs, die am Schluss alle in den einen Song Singularity fließen. Devin Townsend schafft es, aus der Mehrzahl die Einzahl zu machen! Natürlich wird es auch Fans geben, denen der Zugang zu diesem Werk verschlossen bleibt, da es weit über die Belanglosigkeit mancher Prog Rock / Prog Metal Scheiben hinaus geht.

Anspieltipps: Genesis, Hear Me, Singularity
Juergen S.
9.4
Leserbewertung1 Bewertung
9.5
Pro
Contra
9.4
Punkte