Eventname: Spring European Tour 2025
Headliner: Eyehategod
Vorbands: Doghag
Ort: Backstage Club, München
Datum: 11.06.2025
Genre: Sludge
Besucher: ca. 250 Besucher
Veranstalter: Maximum Torque Agency
Link: https://eyehategod.ee/gigs.html
Die Reunion der NOLA-Legenden Acid Bath schlägt wohl gerade hohe Wellen in den sozialen Medien – und zieht Kreise bis in das Münchner Backstage. Sludge ist wieder Gesprächsthema, und plötzlich interessieren sich anscheinend ganz neue Zielgruppen für den Sumpf, dem die Band mit dem prägnanten Sound entstiegen ist.
Am Mittwochabend haben sich jedenfalls unerwartet viele Musikfreunde im Backstage Club eingefunden, um den Genremitbegründern Eyehategod zu lauschen. Das Publikum? Überraschend jung. Zwischen Doom-Dads und Sludge-Veteranen stehen Kids mit Hardcore-Shirts, dazwischen ein paar verwahrloste Crustpunks mit Bier in der Hand.

Für Eyehategod und den Club ist das natürlich ein Geschenk. Und auch mir ist lieber, wenn ein bisschen Leben in der Bude ist und man nicht nur dem Mischer beim Gähnen zuschauen kann. Freuen dürften sich auch Doghag, die den Auftrag haben, die anwesenden Sludge-Jünger auf Betriebstemperatur zu bringen.
Obwohl Doghag aus München kommen und schon ein paar Releases auf dem Buckel haben (eine Demo, drei EPs, eine Split) hatte ich sie bisher nicht auf dem Schirm. Aber das, was sie da abliefern, passt wie die Faust aufs geschwollene Auge eines Eyehategod-Supports: roh, dreckig, schwer verdaulich. Proto-Doom mit Hardcore-Einsprengsel. Man hört sofort, was so in der Plattensammlung steht – NOLA lässt grüßen.
Klar, neu ist das alles nicht. Muss es aber auch nicht sein, wenn’s mit so viel Inbrunst vorgetragen wird. Die drei haben Bock, und das merkt man. Die Show ist authentisch, nicht aufgesetzt: Sludge aus Überzeugung, nicht aus Kalkül. Das kommt auch beim Publikum an, das mehr als nur Höflichkeitsapplaus spendet. Vielleicht werden sie sogar ein paar Schallplatten oder T-Shirts los, ich würd’s ihnen gönnen.
Klar ist: Gekommen sind die Leute wegen Eyehategod. Und das merkt man vom ersten Ton an. Als Mike Williams und der Rest der Truppe auf die Bühne wanken, brandet Applaus auf, der eher nach Festival-Headliner klingt als nach Clubshow mitten in der Woche. Dabei gibt’s zur Begrüßung erst mal ausgestreckte Mittelfinger – stilecht. Bassist Gary Mader legt direkt nach und beschimpft das Publikum, als wär’s ein Sport.
Kaum setzt der erste Song ein, bricht vor der Bühne ein Moshpit los, der für Clubverhältnisse amtlich ist. Viel Platz ist im Club nicht, also kriegt fast jeder was ab. Ob man will oder nicht. Ich gebe mir das für einige Songs aus nächster Nähe. Um meine alten Knochen vor bleibenden Schäden zu bewahren, trete ich dann aber den Rückzug auf die Galerie an. Die ist am heutigen Abend dankenswerterweise begehbar und bietet einen guten Blick auf die Bühne und das wilde Treiben davor. Auch der Sound ist hier oben hervorragend.

Eyehategod liefern. Sie spielen sich quer durch ihren beeindruckenden Backkatalog und wirken dabei so authentisch wie eh und je. Klar, die Gesichter sind faltiger und die Haare grauer geworden. Aber die abgerissenen Klamotten, die Fuck-you-Attitüde und die rohe Energie – das alles kommt direkt aus den Neunzigern.
Bass und Gitarre walzen sich durch den Raum: tiefgestimmt, schwer wie Beton bei Nieselregen. Das Schlagzeug groovt dazu wie eine kaputte Straßenwalze. Und Mike Williams? Der rotzt ins Publikum. Nicht im übertragenen Sinn. Sondern wortwörtlich. Inhalt der Nebenhöhlen, erste Reihe. Willkommen bei Eyehategod. Die Fans vorne lassen sich davon nicht schocken. Die bleiben stehen, als wär’s Teil des Rituals. Vielleicht aus Hingabe. Vielleicht auch nur, weil hinter ihnen der Moshpit tobt wie eine Waschmaschine im Schleudergang – und keiner Bock hat, da reinzufliegen.
Diese Energie bleibt. Bis zum bitteren Ende. Als das Set durch ist, hallen „We want more“-Rufe durch den Club. Williams reagiert, wie man’s erwarten darf: mit einem weiteren Mittelfinger. Doch das Sludge-Pack lässt nicht locker, brüllt weiter, gibt keine Ruhe. Und siehe da – die Louisiana-Veteranen lassen sich erweichen, trotten zurück auf die Bühne. Für das Backstage gibt’s noch eine weitere Gelegenheit, sich im Pit ordentlich zu kloppen, dann ziehen Eyehategod den Stecker. Die bierselige Meute verteilt sich – Richtung Merch, Ausgang oder nächstes Bier. Klar ist: Heute hat jeder bekommen, wofür er gekommen ist. Dreck, Lärm und eine ordentliche Packung Sludge.




















