Grave Digger auf „45th Anniversary Tour“ am 24.01.2025 in der Markthalle, Hamburg

Back To The Roots, The Heavy Metal Roots

Event: Grave Digger – 45th Anniversary Tour 2025

Bands: Grave Digger, Victory, Rigorious

Ort: Markthalle, Klosterwall 11, 20095 Hamburg

Datum: 24.01.2025

Kosten: VVK 43,35 €, AK 46 €

Zuschauer: ca. 600

Genre: Heavy Metal, Hard Rock, Melodic Metal, Power Metal

Links: https://markthalle-hamburg.de/

Setlisten:

  1. Rock The Neighbors
  2. Gods Of Tomorrow
  3. Standing Lika A Rock
  4. Always The Same
  5. Feel The Fire
  6. Surrender My Heart
  7. Temples Of Gold
  8. Tonight We Rock
  9. Hungry Hearts
  10. Are You Ready
  11. Take The Pace
  12. On The Loose
  13. Check’s In The Mail

Fangen wir mit der Übersetzung der Headline an, bevor wir in den Konzertabend einsteigen. Zurück zu den Wurzeln, den Heavy Metal Wurzeln. Das ist ein Song von Grave Digger, der während der Orientierungsphase unter dem Arbeitstitel Hawaii zwischen 1987 und 1992 entstanden ist. Veröffentlicht wurde die Nummer auf der EP Symphony Of Death im Jahr 1994. Warum ist das für den heutigen Abend so wichtig?

Anfang der 80er-Jahre gab es noch kein Windows, kein Notebook und keine PCs. Auch Mobilfunk war noch in weiter Ferne. Bands nutzen kabelgebundenes Equipment und stöpselten ihre Instrumente an Verstärker. Das, was aus den Boxen dröhnt, ist deine eigene Komposition und muss als Ganzes mit Melodie und Sound funktionieren. Oder einfach ausgedrückt: Gitarre, Bass, Drums und Gesang – das ist alles.
Das klingt aus heutiger Sicht utopisch. Übersetzen wir das mal auf eine der angesagtesten Power-Metal-Bands des Landes. Powerwolf hätten keine Keyboardklänge, auch keinen Bass, da es bei den Liveshows keinen Bassisten gibt. Chöre und ähnliche Dinge wären ebenfalls nicht vorhanden. Powerwolf wären Gesang, zwei Gitarren und Drums. Vorstellbar? Wohl eher nicht. Aber genau diesen Ansatz verfolgen Grave Digger.

18 Uhr ist entspannt Einlass und die üblichen Verdächtigen der norddeutschen Metalszene sammeln sich zum Jahresauftakt. Aber auch einiges an jungen Menschen ist im Club. Sänger Chris Boltendahl von Grave Digger thematisiert das Topic auch in der Show, dass er sich sehr über die jüngeren Fans freut. Circa 600 Menschen sind es am Ende in der altehrwürdigen Markthalle. Das bedeutet gut gefüllt, aber kein Gedränge und es lässt sich gut im schönen Club bewegen.

Rigorious – Markthalle, Hamburg – 2025

Den Auftakt bestreitet die deutsche Power-Metal-Band Rigorious. Allerdings vor noch schmaler Kulisse, da 19 Uhr für Hamburger Verhältnisse fast noch Nachmittag ist. Zwei Full length Alben hat die Truppe bisher auf den Markt geworfen und existiert seit 2021. Nach den ersten zwei Nummern fragen sich viele Menschen, was die Qualifikation der Combo für den heutigen Slot ist. Die passen weder zu Victory noch zu Grave Digger. Es gibt modernen Power Metal auf die Ohren, der sich ganz grob an Sachen wie Wind Rose, Sabaton und Co. orientiert. Massiver Einsatz von Backing-Tracks, alles schön rund und glatt, immer eingängig und so wie die Nummern ins Ohr gehen, so sind die auch wieder aus dem Gehörgang verschwunden. Oder einfach zusammengefasst: Rigorious reihen sich in die endlose Masse an neuen und modernen Power-Metal-Bands ein, die ein Stück vom Powerwolf– und Sabaton-Kuchen abhaben wollen. Fazit: So interessant wie beim Angeln zuzusehen.

Victory – Markthalle, Hamburg – 2025

Der Umbau ist schnell erledigt und es geht zum guten alten Hard Rock der 80er und 90er-Jahre. Victory sind in den 80ern aus der Asche von Fargo entstanden und haben mit Sachen wie Hungry Hearts oder Don’t Get Mad…Get Even einige Klassiker kreiert, die auch heute noch ihren Wert haben. Wer sich auf dem Keep It True rumtreibt, der konnte sich von der Qualität der Truppe überzeugen. Im Oktober in Würzburg legten die Herren ein blitzsauberes Old-School-Set auf die Bretter, das bei den Fans für Begeisterung sorgte. Gesagt, getan, auch heute dreht sich die Musik von Victory um den guten alten Rock & Roll. Die Temples Of Gold aus dem Jahr 1990 macht mit Rock The Neighbours den Anfang und der eingängige Refrain, die Saitenarbeit vom ehemaligen Accept-Gitarristen Hermann Frank, das gesamte Auftreten der Band – es passt wie der bekannte Deckel auf den Grave-Digger-Topf. Von der gleichen LP folgt recht früh auch noch Standing Like A Rock, zum Ende der 80er geht es mit Always The Same von der Scheibe Culture Killed The Native. Das sorgt ähnlich wie beim Keep It True für eine abgehende Meute vor der Bühne, und der Truppe um den Saitenhexer Frank gelingt das gleiche Schauspiel wie im Oktober: Die Fans überraschen mit einem Old-School-Set und für Begeisterung und stehende Ovationen sorgen. Egal ob der Schlusspunkt The Check’s In The Mail, Hungry Hearts oder Feel The Fire: Die alten Kracher erstrahlen in neuem Glanz und machen riesig Spaß. Well Done, Victory.

Grave Digger – Markthalle, Hamburg – 2025

Die Messlatte liegt weit oben. Können die Altmeister um Frontröhre Chris Boltendahl da mithalten? Wie bereits erwähnt, gibt es Musik ohne Schnickschnack. Geradeaus, direkt und mit dem, was Stimme und Instrumente hergeben. Der Auftakt stammt vom aktuellen Album mit Kingdom Of Skulls und wärmt Band wie Publikum auf. Mit The Grave Dancer und Under My Flag geht es dahin, wo heute der Fokus draufliegt. In die 90er und Alben wie The Reaper, Heart Of Darkness oder Knights Of The Cross. Der Sound ist unglaublich erdig. Es klimpert nix am Rand, die Saiten klingen dünn bei einer Gitarre, aber geerdet. Der neue Herr an der Gitarre verdient ein Sonderlob. Tobias Kersting streut die Saitenarbeit so geschickt, das selbst The Keeper Of The Holy Grail mit drei Instrumenten unfassbar stimmig rüberkommt.

Grave Digger – Markthalle, Hamburg – 2025

Natürlich gibt es die Must-Play-Dinger wie Rebellion und Excalibur. Aber die stehen bei den Fans klar im Schatten von The Round Table (Forever), Shadows Of A Moonless Night und vor allem Back To The Roots. Gibt es eigentlich eine passendere Nummer für den heutigen Abend?
Klar, Sänger Boltendahl wird im Laufe der Show bezüglich der Vocals ebenfalls dünner. Mit 63 liefert der Altmeister aber noch sauber ab und seien wir doch mal ehrlich: Wollen wir Attila Dorn mal die Backing-Tracks wegnehmen und schauen, wie der nach 70 oder 80 Minuten nur live klingen würde?

Es kommt aber doch noch was vom Band bei Grave Digger. Das sind die Dudelsäcke bei Rebellion. Klar, ein Must-Play-Ding, aber irgendwie auch ausgenudelt. Gerne bei einem Set durch zum Beispiel Legion Of The Lost, wenn möglich Teil I und II, oder Symphony Of Death ersetzen. Die Zugabe bringt mit Scotland United noch eine Nummer zum Mitgrölen auf die Bühne. Der neue Song Killing Is My Pleasure klingt deutlich frischer und der Schlusspunkt eines Grave-Digger-Konzerts ist – genau – Heavy Metal Breakdown. Nach 90 Minuten ist Schluss und die Fans sammeln sich im Vorraum bei einem Kaltgetränk und die Meinungen sind fast durchgehend identisch. Genau so muss Pure-Fucking-Metal. Neben dem Headliner haben Victory mächtig gepunktet und am Sound gibt es in der Markthalle selten etwas auszusetzen. Die beiden Hauptacts haben ihren Fokus auf handgemachter Musik, das macht es den Menschen an den Reglern einfacher. Wenn du auf Old-School-Zeug stehst, dann schau dir eine Grave-Digger-Show 2025 an. Es lohnt sich.