Event: Heathen Neverland Co Headliner Tour 2025
Bands: Green Lung, Unto Others
Support: Satan’s Satyrs
Datum: 14.01.2025
Genres: Retro Rock, Stoner Doom, Gothic Rock, Heavy Metal
Besucher: ca. 700
Ort: Gruenspan, Hamburg
Kosten: 34,90 € VVK
Setlisten:
- Thumper’s Scene
- Full Moon And Empty Vains
- Pulp Star
- Two Hands
- Quick Quiet Raid
- Iron & Ivy
- Black Souls
- Show Me Your Skull
- Alucard
- Butterfly
- Momma Likes The Door Closed
- Nightfall
- Fame
- Jackie
- Double Negative
- Suicide Today
- Raigeki
- Why
- It Doesn’t Really Matter
- Can You Hear The Rain
- Heroin
- When Will God’s Work Be Done
- Time Goes On
- Flatline
- Pat Sematary (Ramones Cover)
- Give Me To The Night
- Dragon, Why Do You Cr?
- Woodland Rites
- Reaper’s Scythe
- The Forest Church
- Song Of The Stones
- Lady Lucifer
- Ocean Of Time
- Graveyard Sun
- The Harrowing
- Old Gods
- Let The Devil In
- One For Sorrow
Heute Abend laden das Hamburger Gruenspan und auch STP Hamburg Konzerte zur Co-Headliner Heathen Neverland Tour 2025 ein. Pünktlich treffen wir ein und sehen uns zunächst mit einem nur mäßig gefüllten Gruenspan konfrontiert. Somit ist ein Platz an der Barriere vor der Bühne sicher und dem Zugang zum Fotograben kommt das auch zugute. So, wie es aussieht, sind auch nur zwei Fotografen vor Ort, sodass es nicht sonderlich eng wird. Im Vorfeld haben wir Max Von Lobeck (Outburst) mit Freundin Toni getroffen und auch Max Mutter, Großvater und Onkel sind mit von der Partie. Pünktlich um 20:00 Uhr beginnen Satan’s Satyrs mit Thumper’s Scene von ihrem bereits zehn Jahre alten Album Die Screaming. Die Bühne ist für den Support knapp bemessen, da im Hintergrund auf einem Podest bereits die Drumkits der nachfolgenden Bands stehen. Auch so ist die Bühne eng und trotzdem lassen sich die Amerikaner in ihrem Bewegungsdrang nicht stoppen. Zunächst sind die Reaktionen des Publikums noch verhalten. Auch auf dem Balkon geht es gesittet zu, obwohl der gut gefüllt ist. Auf der Bühne bemühen sich Claythanas (Bass und Vocals), die beiden Gitarristen Jarret und Morgan sowie Drummer Russ Yusuf Stimmung in die noch unterkühlten Hamburger zu bekommen. Das gelingt ihnen dann ab dem fünften Song, der von ihrem 2024er-Album After Dark stammt. Auch das folgende Iron & Ivy ist darauf zu finden und nach gut 20 Minuten scheinen sie das Eis gebrochen zu haben. Somit bleibt ihnen in den letzten Minuten noch etwas Zeit, um zu überzeugen. Gesanglich ist es ab und an etwas schwierig, wirkt die Stimme doch „quetschig“ und somit gewöhnungsbedürftig. Aber Spielfreude und Einsatz machen das wett. Gerade Drummer Russ gibt ordentlich Gas und er erinnert irgendwie an Das Tier von der Muppet Show. Sein Drumkit wirkt eher minimalistisch und auch auf dem Kopf geht es ähnlich wirr zu. So kommt der Vergleich schnell auf. Nach dreißig Minuten beenden sie ihr Set mit Alucard.
Danach wird erst mal die Bühne umgebaut. Bei der ersten Band gibt es nur einige Verstärker, das minimalistische Schlagzeug und ein paar Mikroständer abzubauen. Es füllt sich jetzt und immer mehr drängen nach vorn. Mir war nicht bewusst, dass Unto Others jetzt dran sind, aber das Backdrop und das Schlagzeug lassen keine Zweifel aufkommen. Pünktlich um 20:45 Uhr kommen die Vier auf die Bühne und es beginnt eine energetische Stunde. Im Fotograben bleibt es erfreulich leer, nur Michelle (Kollegin und Frau von NTO-Gitarrist Volker Diecken) ist da. Mit Butterfly vom letzten Album Never Neverland legen Gabriel Franco (Gitarre und Gesang), Sebastian Silva an der Gitarre, Live-Bassist Jamison Palmer und Drummer Colin Vranizan los. Ohne große Verzögerung folgen ebenfalls vom letzten Album Momma Likes The Door Closed und Nightfall, letzterer vom Album Mana. Franco mit Sonnenbrille macht nur wenige Ansagen, aber die knackig und er ist sichtlich zufrieden. Er erinnert sich an einen Auftritt vor Jahren in Hamburg und freut sich, wieder hier zu sein. Im Vordergrund steht die Musik und die Setliste hält diverse Tracks (insgesamt 18!) bereit. Gitarrist Sebastian ist der Wirbelwind auf der Bühne. In einen langen, schwarzen Mantel gehüllt, mit Schnallenlackstiefeletten an den Füßen und wilder schwarzer Mähne mit einer weißen Strähne wirbelt er über die Bühne. Das eine oder andere Mal stehen sich Gitarrist und Bassist gegenüber und Posen. Auch Franco ist mal mit dabei, aber die meiste Zeit steht er als Sänger am Mikro. Auf jeden Fall ist das Publikum begeistert und feiert die Band. Immerhin sieben Songs stammen vom letzten Album Never Neverland. Ansonsten sind Stücke aus den vorhergegangenen Platten im Fokus. Auch Mana ist mit fünf Songs vertreten, wobei da gerade Jackie und Give Me To The Night für Mitsingpotenzial sorgen. Die Platte wurde noch zu Idle Hands-Zeiten (Name der Band bis 2020) eingespielt und ist bereits jetzt ein Klassiker. Ähnlich ist es mit der EP Don’t Waste Your Time, die im Original kaum noch zu bekommen ist. Rasant geht diese Stunde um. Kaum Atempausen für Musiker und Publikum, und wenn man rechnet, dann ist kaum ein Song viel länger als drei Minuten. Auch der Ramones-Song Pet Sematary wird gern mitgesungen, bevor Dragon, Why Do You Cry das Set beendet. Franco und seine Band lassen sich feiern und mit einem abschließenden „That is Music for my ears“ verabschieden sich Unto Others. Noch ein Bild und dann ist Feierabend, leider.
Die Bühne wird nun für Green Lung vorbereitet. Ich kenne die Band nicht und bin deshalb gespannt. Viele Fans sind vor Ort, wie die Menge an Shirts und der Andrang am Merch beweisen. Die Bühne bekommt dann auch einige Accessoires, die auf das, was da kommen soll, hindeutet. Ein wenig à la Wardruna oder Heilung kommt einem da in den Sinn, wobei der Vergleich hinkt. Aber es gibt folkige Einflüsse, genauso wie Doom, Classic Rock oder auch Horrorfilmmusik im Gepäck. Es werden in bester Rockmanier zwei Keyboards aufgebaut, die mich etwas an Keith Emerson denken lassen. Die Band besteht dann auch aus fünf Musikern, die sich hier scheinbar gut verkaufen. Woodland Rites vom gleichnamigen Album aus dem Jahre 2019 eröffnet das Set. Sänger Tom Templar legt los und kann mich zunächst nicht überzeugen. Aber die Jungs aus London haben ja noch etwas Zeit. Keyboarder John Wright spielt nicht nur die Tasteninstrumente, er gibt sich auch hingebungsvoll in die Rolle des Perkussionisten. So gehören Rasseln, Schlaginstrumente und Ähnliches zu seinem Repertoire. Nach Reaper’s Scythe und The Forest Church verlasse ich den Fotograben und kann mich mehr auf die Musik konzentrieren. Es entpuppt sich schnell als nicht mein Genre. Obwohl sie stilistisch auch in den NWOBHM reinspielen, und auch Strukturen wie Deep Purple, Uriah Heep oder im okkulten Bereich wie Black Sabbath bereithalten, kann ich das alles nicht wirklich zusammenbringen. Musikalisch an vielen Stellen nicht übel, aber gesanglich holt mich Tom nicht ab. Aber das ist ja nun zum Glück Geschmacksache und die Masse der Zuschauer mag es. Einige sind nach Unto Others bereits gegangen und auch viele bleiben nicht bis zum Ende. Aber die meisten feiern die Briten und das ist auch ok.
Wir sind derweil nach vorne zum Merch gegangen, in der Hoffnung, den einen oder anderen Unto Other-Musiker zu treffen, um doch mal ein Autogramm auf die mitgebrachten Platten zu bekommen. Sebastian Silva ist auch da, dicht umlagert, und auch Basser Jamison lässt sich blicken. Ich nutze die Zeit und quatsche mit Max, dessen Band ihre erste Scheibe am 7. März veröffentlicht. Die Einladung zur Releaseshow am 8. März folgt und das werden wir wohl auch wahrnehmen. Inzwischen haben Green Lung ihren Auftritt nach gut 90 Minuten beendet.
Während sich das Gruenspan langsam lehrt, erwische ich zumindest noch Franco, der bereitwillig Rede und Antwort steht. So erfahre ich von einem Auftritt vor ein paar Jahren in der Kieler Schaubude, der bei ihm in Erinnerung geblieben ist. An einem der Mikrofonständer waren irgendwie Rosen angebracht, an denen er sich übelst gestochen hat, sodass das Blut den Arm hinunterlief. Auch die heutige Bandkonstellation ist kurz Thema, aber das lässt sich nicht ändern, auch wenn es nicht unbedingt glücklich ist. Noch ein Abschiedsbild und dann machen wir uns auf den Heimweg. Unto Others war mega, Green Lung und ich werden keine Freunde und auch Satan’s Satyrs konnten mich nicht gänzlich überzeugen. Aber ich war auch eigentlich wegen Unto Others da. Und die waren die Fahrt nach Hamburg wert.