Hardline – Shout

17.04.2026 – Hard Rock, Melodic Rock, Classic Rock, AOR – Steamhammer – 46:35 Minuten

Laut eigenen Angaben veröffentlicht Sänger Johnny Gioeli mit Shout sein 108. Release. Primär dürfte Gioeli von Axel Rudi Pell bekannt sein. Seit den frühen 80ern ist der in Brooklyn geborene Sänger in der Rockmusik aktiv. Einer seiner ersten Schritte war die Gründung der Band Hardline, die 1992 gemeinsam mit den beiden Journey-Musikern Neil Schon und Deen Castronovo das Album Double Eclipse veröffentlichte. Die Platte ist bis heute ein Klassiker des 90er-Jahre-Rocks. Eine weitere Spielwiese von Gioeli ist Crush 40, um die es in den vergangenen Jahren ruhig geworden ist. Mit Hardline folgt auf Heart, Mind And Soul 2021 im Jahr 2026 Shout.

Shout und Album Nummer 108 von Johnny Gioeli

Aus der Zeit der Double Eclipse ist außer der Musik nicht viel geblieben. 1992 lösten sich Hardline erstmalig auf – und das ein Jahr nach der Gründung und der Veröffentlichung des Debüts, das zur Hochzeit von Grunge kommerziell nur bedingt erfolgreich war. Seit 2011 haben sich Hardline stabilisiert und veröffentlichen regelmäßig neues Material.

Der Auftakt ist der Titeltrack Shout, der ordentlich rockt und einen eingängigen Refrain liefert. Gioeli und seine italienischen Mitstreiter haben ihr Rezept gefunden und setzen den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Dass eine Band mit einer derart langen Historie im Rockgeschäft keine neuen Räder erfindet, steht bereits vor dem ersten Ton fest und wird von der Fanbase auch nicht erwartet. Hier treffen sich die Ansätze von Axel Rudi Pell und Hardline. Hardline sind mehr im 90er-Rock verwurzelt und setzen auf den Gesang und nicht primär auf das Gitarrenspiel, wo Rise Up, It Owns You, das in Richtung Stadionrock schielende Mother Love oder Rise Above No Fear passende Beispiele sind.

Balladen gehörten in den 90ern auf Rock-LPs, genauso wie 2026. Hardline covern When You Came Into My Life von den Scorpions, das auf der Pure Instinct aus dem Jahr 1996 zu finden ist. Zum Ende der Platte folgt mit Glow eine weitere Ballade, die den Verlust von geliebten Haustieren thematisiert und aus der Feder von Keyboarder Alessandro Del Vecchio stammt. Gioeli und Del Vecchio engagieren sich zum Beispiel für Hunde, die Gioeli aus Tierheimen vor dem Einschläfern rettet, weil sie kein neues Zuhause finden.

Etwas mehr lassen es die Protagonisten bei Candy Love krachen. Die Nummer könnte auch aus dem Axel-Rudi-Pell-Umfeld stammen und gibt der Saitenfraktion mehr Spielraum. Mit dem nach vorne gehenden und über fünf Minuten langen Welcome To The Thunder biegt Shout auf die Ziellinie, wobei die bereits erwähnte Ballade Glow den Schlusspunkt setzt.

Hier geht es für weitere Informationen zu Hardline  Shout in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Hardline – Shout
Fazit Shout
Es ist erfreulich, dass Johnny Gioeli neben seiner Tätigkeit bei Axel Rudi Pell noch Zeit für seine eigene Band Hardline findet. Fast zwangsläufig ergeben sich Parallelen, da beide Ansätze in ähnlichen Gewässern fischen, wo sich nur der Schwerpunkt unterscheidet. Ähnlich wie bei Axel Rudi Pell liefert auch Hardline mit dem aktuellen Output Shout alles andere als ein schlechtes Album. Gut konzipierte Rockmusik zwischen kernigem Hardrock und balladeskem AOR gibt es auf die Ohren, immer eingängig und melodiös.

Die Fanbase von Hardline bzw. Johnny Gioeli wird die neue Platte vollauf zufriedenstellen. Die Protagonisten liefern die zu erwartenden Trademarks und lassen Experimente außen vor. Womit sich der Kreis schließt und wir wieder bei Axel Rudi Pell sind. Natürlich haben Hardline- oder Axel-Rudi-Pell-LPs ihre Qualität, sind aber in großen Teilen vorhersehbar, sodass es mehr von Omas Kuchen gibt, der zwar jedes Jahr zu Ostern gut schmeckt, sich am Ende halt doch wiederholt. Die-Hard-Fans können bedenkenlos zugreifen. Wer etwas mehr Innovation benötigt, findet bei jungen, aufstrebenden Bands interessanteres Material.

Anspieltipps: Mother Love, Candy Love und Welcome To The Thunder
Jürgen F.
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