”Test bestanden. Setzen.”

Bands: AC Angry, b.o.s.c.h., Die Vorboten, Do Not Dream, Ohrenfeindt, Passfader, Shockwave Riders, Stahlmann, Still No Doubt, Torfrock

Location: Zum Voslapper Leuchtturm 12, Wilhelmshaven (Gelände des Captain’s Diner)

Homepage: http://www.highvoltage-openair.de

Datum: 30.08.2013 – 31.08.2013

Einlass: 18:00 Uhr / Konzertbeginn: 18:30 Uhr an beiden Tagen

Kosten: 15 € Kombiticket oder 7,50 € Freitag, 10 € Samstag

Besucher: Am Samstag ca. 1.200

Veranstalter: Pumpwerk Gastronomie GmbH

Freitag, 30.08.2013

Am heutigen Tag soll er also fallen, der Startschuss für das High Voltage Open Air. Also geht’s bei schönem Wetter und mit guter Laune recht zeitig los Richtung Bus, der zum Glück direkt vor dem Festivalgelände anhält. Erste Amtshandlung: Kurz mal Tag sagen, sich das Presseticket aushändigen lassen und ab auf’s Gelände. Vorbei an den ersten Merchandise-Ständen geht es direkt zu den Bühnen, auf denen auch schon fleißig geprobt wird.

Nachdem ich mir einen kurzen Überblick über das Gelände verschafft habe, werden erstmal die wichtigsten Dinge – abgesehen von den Bühnen – unter die Lupe genommen: Bier und Toiletten.
Hauptsponsor des Festivals ist, wie schwer zu übersehen ist, Astra und so wird natürlich auch selbiges Bier ausgeschenkt. Der 0,5 l Becher Astra kostet 4 € + 0,50 € Pfand. Selbstverständlich gibt es auch noch andere Biersorten. Bei mehreren Bierständen und motivierten Mitarbeitern dauert es zumeist keine zwei Minuten, bis man sein Getränk in der Hand hält und mit zwei Standorten für ein paar Toiletten und dem Captain’s Diner, welches ebenfalls seine Türen geöffnet hat, muss kein Festivalbesucher lange Wartezeiten in Kauf nehmen, wenn es mal drückt.

Für ein sicheres Festival wird durch die eingesetzte Security und natürlich die Ersthelfer vor Ort gesorgt. Doch wirklich zum ernsten Einsatz kommt es – meines Wissens nach – an beiden Tagen nicht.

Genug der Theorie: Um 18:30 Uhr eröffnen Passfader (Website) das Festival und geben wie gewohnt ordentlich Gas. Da die Shuttleverkehr-Planung jedoch ein wenig suboptimal ausfällt (der erste Shuttlebus fährt am Hauptbahnhof um 18:00 Uhr ab), ist das Festivalgelände noch ziemlich leer und so spielen Passfader für ein recht kleines Publikum. Mir gibt das jedoch die Möglichkeit, mich noch relativ frei über das Gelände zu bewegen und in Erfahrung zu bringen, wie der Sound so an den verschiedenen Orten klingt: Überall alles gut. Die Sound-Crew hat ihre Arbeit also gut im Griff – zumindest auf dieser Bühne. Trotz der wenigen Zuschauer lassen sich die vier Jungs auf der Bühne jedoch nicht beirren und geben bis zuletzt Vollgas.

Direkt im Anschluss geht es mit Do Not Dream weiter. Also ab zur Bühne am anderen Ende des Geländes. Klingt viel, sind aber nur 2-3 Minuten Fußweg (bei dem Alkoholpegel mancher Festivalbesucher auch gerne mal fünf Minuten). Warum die Band immer noch recht unbekannt ist, ist mir einmal mehr unklar. Stimmungsgeladen und mit fettem Sound rocken die Oldenburger die Bühne. Doch auch hier lässt die Flut an Publikum auf sich warten. Eher schleichend, aber stetig, füllt sich das Gelände mit Fans. Ohne hörbare Verspieler oder Patzer wird das Set durchgezogen und findet nach elf Songs sein Ende. Wem die Band bisher nichts sagt, der sollte sich dringend mal auf der Website der Band einen Eindruck machen.

Weiter geht es mit der dritten Band des Abends: Stahlmann (Website) mit ihrer Mischung aus Rammstein, Eisbrecher und angemalter Haut begeistert die Band ihre Fans und langsam füllt sich der Platz vor der Bühne. Auch hier ist der Sound wieder top und die Ansagen zwischen den Songs können sich ebenfalls hören lassen. Ein Großteil des Publikums zeigt sich jedoch eher unbeeindruckt und neben mir werden Spiele wie: Komm, wir versuchen mal zu erraten, von welchem Rammstein-Lied der nächste Song abgeleitet ist gespielt. Trotz der recht steifen Crowd geben Stahlmann auf der Bühne ordentlich Gas. Gerne wieder, dann mit hoffentlich besserer Stimmung.

Nach Stahlmann folgt eine der Bands, auf die ich mich mit am meisten freue: Die Vorboten (Website). Die deutschen Kraut-Metaler haben sich mit Songs wie Schneller bereits einen festen Platz in meiner Musiksammlung und in unserem Radio erspielt und sind immer wieder gern gehört. In Wilhelmshaven scheint man jedoch noch nicht allzu viel von dieser Band gehört zu haben und so stehen wir mit gefühlt zehn Leuten vor der Bühne. Okay, es waren doch deutlich mehr als nur zehn Leute, aber wie heißt es so schön: Der Nordmensch als solcher is‘ ja schwer zu beeindrucken! Und so stehen leider viele Zuhörer nach dem Motto: Kenn ich nich‘, will ich nich‘! vor der Bühne und rufen nur mal ein bis zwei Worte, wenn sie dazu aufgefordert werden – wenn überhaupt. Schade eigentlich, denn Die Vorboten liefern eine enorm geile Show ab und greifen auch auf ältere Songs, wie Schmiede, Schmiede zurück. Auch für diese Band gilt: Verdammt gerne wieder!

Als Headliner des Abends stehen Wilhelmshavens Lokalhelden b.o.s.c.h. (Website) auf der Bühne. Allzuviel muss man über diese Band nicht mehr sagen: Dreckverschmiert, energiegeladen und mit lauter und aggressiver Musik sind b.o.s.c.h. für diesen Abend der perfekte Abschluss, bei dem das Publikum zu seiner Höchstform aufläuft. Mit Meine Welt wurde auch mein Favorit der Band wiedermal in die Setlist aufgenommen und – wie ich nach kurzem Verdutztsein realisiert habe – an diesem Abend sogar mir gewidmet – so mehr oder weniger. Selbstverständlich darf auch die Ballade Der Sturm nicht fehlen, welche wieder tatkräftige Unterstützung in Form von Gastsängerin Britta findet. Als Zugabe gibt’s noch die eigene Gier zurück in den Rachen geschoben und so endet der erste Abend des High Voltage T(F)estivals stimmungsgeladen und doch irgendwie viel zu früh. Da ich direkt in Wilhelmshaven wohne, geht’s für mich nach einem letzten Bierchen und kurzem Schnack mit der Band ab in den Shuttlebus und ab nach Hause.

Samstag, 31.08.2013

Zweiter und letzter Tag des Festivals. Wieder laufe ich kurz über das Festivalgelände um zu schauen, wen man dort so kennt und begebe mich nach einer kurzen Unterhaltung mit den Jungs von b.o.s.c.h. (wo ist eigentlich mein Eiszeit-Shirt?) pünktlich in Richtung Bühne. Um 18:30 Uhr starten die Shockwave Riders (Website) den zweiten Teil des High Voltage Open Airs und können mit ihrem Old school Hard’n’Heavy von hinterm Deich durchaus überzeugen. Obgleich das Publikum, wie schon am gestrigen Tag, um diese Zeit noch mehr als überschaubar ist, finden sich doch einige Leute vor der Bühne ein und hier und da sieht man auch die ersten Haare fliegen. Doch nicht nur musikalisch weiß die Band zu überzeugen, auch optisch geben die Jungs alles (Ey, der hat ’ne Zebra-Hose!). Nach dem Konzert wird erst mal der Grillstand des Festivals belagert und ein Nackensteak im Brötchen mit grob geschätzt 14 Litern Senf und Ketchup erbeutet.

Als zweite Band des Abends betritt das Saarbrückener Quartett AC Angry (Website) die Bühne. Auch hier gilt anfangs wieder die Wilhelmshavener Devise: Kenn ich nich‘, mag ich nich‘, wobei das Publikum nach einigen Songs doch zunehmend auftaut und auch hier ein paar fliegende Haare zu sehen sind. Der Band ist durchaus anzumerken, dass sie nicht zum ersten Mal auf der Bühne steht und so ziehen die Jungs ihr Programm mit Spaß und energiegeladen durch, bis der Deich bebt.

Weiter geht es mit Still No Doubt (Website), die ebenfalls aus Wilhelmshaven stammen. Wie zuvor, ist auch hier das Publikum eher festgewurzelt und steif – obwohl die Band doch einen gewissen Heimvorteil haben sollte. Die Stimmung der Fans scheint in diesem Fall auch auf die Band überzugreifen, was sich leider auch auf die Performance auswirkt. Eher lustlos und nicht annähernd so geladen wie die vorherigen Bands ziehen Still No Doubt den ersten Teil ihrer Show durch, bevor es mit Torfrock, den Headlinern des Festivals, auf der Mainstage weitergeht.

Also schnell wieder rüber und einen guten Platz gesichert – wo meine Begleitung ist, weiß ich nicht, ist mir auch egal. Kurz nachdem ich Stellung bezogen habe, betreten Torfrock (Website) auch schon die Bühne. Auch die Anzahl der Festivalbesucher hat sich mittlerweile stark erhöht und so ist die Stimmung bereits beim ersten Song der Band am Überkochen. Gebt mir ein Yeah-Jo-Schlumbadibumbum, fordert Sänger Klaus Büchner und erhält selbstredend die entsprechende Resonanz. Mit Songs aus den wohlbekannten Werner-Filmen erobert die Band auch die letzten Seelen im Publikum und so wird im weiteren Verlauf des Konzertes alles mitgesungen, was so vorgegeben wird – Volle Granate, Renate!

Nachdem Torfrock ihr Konzert beendet haben, geben sich Still No Doubt ein weiteres Mal die Ehre und spielen den zweiten Teil ihrer Show. Dieses mal fühlen die Jungs sich auf der Bühne auch ein wenig wohler und so springt zumindest ein Funke der guten Laune umher. Wirklich spektakulär ist jedoch auch dieser Teil des Auftrittes nicht.

Gegen 22:45 Uhr betritt mit Ohrenfeindt (Website) die letzte Band des Abends – und somit auch des diesjährigen High Voltage Open Airs – die Bühne. Das Trio aus St. Pauli, Hamburg hat sich der derzeit im Aufschwung befindlichen Welle des Deutsch Rock (gerne auch als Asi-Rock bezeichnet) verschrieben. Persönlich kann ich mit dieser Musikrichtung nicht viel anfangen, aber Geschmäcker sind halt verschieden. Die Band gibt auf der Bühne genau das, was sie sich vorgenommen haben, nämlich Vollgas und rocken sich so ebenfalls von einem Song zum nächsten und tief in die Gehörgänge der gut gelaunten Masse vor der Bühne. Mit dem Ende dieses Konzertes endet dann auch das High Voltage Open Air 2013, welches zu guter Letzt doch recht gut besucht zu sein scheint.

Abschließend noch ein Wort an die Fans: Nur weil man eine Metalband nicht kennt, heißt das nicht, dass diese schlecht ist. Gespräche wie Die sind kacke! Kennste die denn überhaupt? Nö… sind einfach nur traurig. Gebt den Bands doch einfach eine Chance, wenn ihr schon auf einem Festival seid und bleibt den Bühnen nicht einfach aus Prinzip fern.

Fazit: Mit dem High Voltage Open Air wurde in Wilhelmshaven ein Festival ins Leben gerufen, welches durchaus das Zeug zu Größerem hat. Bedenkt man, dass dieses Festival keine ewig lange Vorlaufzeit hatte, so lässt sich allen beteiligten Personen nur ein enorm großes Lob aussprechen. Von den Bands über Bier und Fleisch bis zu den Toiletten wurde an alles gedacht und alles nach bestem Wissen und Gewissen ausgewählt. Mit Astra hat man zudem einen starken Sponsor gefunden. Von b.o.s.c.h. über AC Angry, Passfader und natürlich Torfrock dürfte für jedes Metaler- und Rockerherz etwas dabeigewesen sein. Wer nicht dort war, hat definitiv etwas verpasst. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

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