In This Moment – Ritual

“Vielseitige Songs mit unterschiedlichsten Facetten”

Artist: In This Moment

Herkunft: L.A., USA

Album: Ritual

Genre: Metalcore, Groove Metal

Release: 21.07.2017

Label: Roadrunenr Atlantic

Link: http://www.inthismomentofficial.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Maria Brink
Gitarre – Chris Howorth
Gitarre – Randy Weitzel
Bassgitarre – Travis Johnson
Schlagzeug – Tom Hane

Tracklist:

  1. Salvation
  2. Oh Lord
  3. Black Wedding (feat. Rob Halford)
  4. In The Air Tonight
  5. Joan of Arc
  6. River of Fire
  7. Witching Hour
  8. Twin Flames
  9. Half God Half Devil
  10. No Me Importa
  11. Roots
  12. Lay Your Gun Down

Frauen innerhalb des Metal Genres könnte man schon durchaus als selten bezeichnen, insbesondere wenn es um Bands im Genre Metalcore geht. Da fühlt man sich als Frau natürlich sofort unterstützend, wenn dann mal eine Metalcore Band mit weiblicher Sängerin durch ein neues Album auf sich aufmerksam macht – so geschehen im Juli als In This Moment mit Ritual ihr bereits sechstes Album herausbringen – und dabei zeigen, dass man sich nicht stets in einem Genre bewegen muss.
Als instrumentelles Intro dient Salvation und arbeitet vor allem mit Kirchenglocken, Gewitter und einem lauernden Rauschen im Hintergrund. Dazu gesellt sich ein leiser aber klarer, hoher Gesang, der ein wenig bereits eine mystische Atmosphäre entstehen lässt. Auch wirken bereits die ersten Elektroelemente, die man häufig in den Songs von In This Moment findet.
Der erste richtige Track Oh Lord zeigt dann bereits, wieso die Bezeichnung Metalcore eventuell nicht mehr sonderlich auf die Amerikaner zutrifft: Der früher stets aus Screams bestehende Gesang scheint inzwischen komplett in Cleans übergangen zu sein – ein Stil, der der Band nicht unbedingt schlecht steht, fühlt man sich doch als Zuhörer eher an Rock Groove als an Metal erinnert – quasi ein wenig wie Lady Gaga mit mehr Charakter und Gitarren. Sängerin Maria beweist jedenfalls, dass sie beides mehr als gut beherrscht – auch ihre etwas rauchige Stimme passt perfekt zum eher rockigen Stil.
Als fast schon etwas zu poppig zeigt sich da auch schon der nächste Track: Black Wedding zügelt nicht mit Tempo und wirkt weitaus funkiger als sein Vorspieler – Metalcore ist das wohl definitiv nicht mehr. Der Song braucht einige Anläufe, bis er richtig ins Ohr geht, aber zumindest Spaß macht er auf jeden Fall – noch immer will der Lady Gaga Gedanke jedoch nicht aus dem Kopf verschwinden.
In The Air Tonight nimmt wieder etwas das Tempo raus, welches Black Wedding recht radikal vorgelegt hatte und man scheint zu etwas mystischem Okkult zurückzukehren. Ein Wechsel, der überraschend kommt und eventuell an dieser Stelle etwas zu früh kommt, da die in Black Wedding gewonnene Energie so sofort wieder genommen wird. Ebenso ist trotz der stilistischen Veränderung der Originalsong von Phil Collins doch noch deutlich herauszuhören – auch wenn Covers generell nicht stören, so erscheint der Song in dieser Version an dieser Stelle etwas unpassend bzw. aus dem Konzept gerissen. Erst zum Ende, als der Song an Fahrt aufnimmt, fühlt man sich wieder wie in einem In This Moment Album. Zu einem späteren Zeitpunkt nahe dem Ende hätte dieser Song eventuell besser gepasst.
Joan of Arc erinnert, wie auch Black Wedding, mehr an Lady Gaga Pop als manche das wohl gut finden werden – der Gesang wirkt zwar gut von Maria umgesetzt und passt auch zu ihrer Stimme, dennoch erscheinen die Songs einfach eine Spur zu poppig, um wirklich gefallen zu finden. Eine Tatsache, die wohl auf den individuellen Zuhörer ankommt, inwieweit solche Songs stören.
Viel besser erscheint da doch der Stil, welcher in River Of Fire präsentiert wird – schöne Riffs mit rauchiger und etwas härterer Stimme. Und auch wenn River Of Fire besonders im Chorus ab und zu doch wieder die poppigen Elemente schwingt, so erscheint dieser Song doch weitaus besser ausbalanciert und verliert dabei nicht an Gewalt und Stärke. Mit etwas mehr Elektro und Experimentierfreude scheint dann auch Witching Hour daher zu kommen – nicht Rock, nicht Pop, sondern eine nette Groove Mitte, die ein wenig an Marilyn Manson erinnert. Als Zuhörer bemerkt man, dass In This Moment sich klar von vielen unterschiedlichen Stilen inspirieren lassen, diese jedoch völlig frei ausleben und nicht versuchen, sich dabei irgendwie gezielt in eine Richtung zu bewegen. Half Good Half Devil geht dann auch genau in dieser offenen Auslegung weiter – so scheint man sich hier an Korn erinnert. Der Song selbst bewegt sich wieder etwas mehr im Groovebereich, in dem sich In This Moment zumindest auf dieser Platte wohl etwas gefunden zu haben scheinen.
Der letzte Track Lay Your Gun Down nimmt sich dann noch einmal die Zeit für ein ruhiges Intro, welches etwas den Kreis zum instrumentellen Salvation zu Beginn zu schließen scheint. Auch der Song selbst nimmt keine Fahrt oder Energie mehr auf, scheint diese doch auch schon komplett in Roots geflossen zu sein. Lay Your Gun Down klingt wie der Titel und die Position auf dem Album – das Ende wird hier eindeutig wiedergegeben.
Fazit: Nach sechs Alben sollte man eigentlich meinen, man könne eine Band einem Genre zuordnen. In This Moment zeigen mit Ritual, dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss - man weiß nur, dass sie sicherlich kein Metalcore mehr machen und Cleangesang an der Tagesordnung steht. Alles andere hält sich die Band sehr offen und spielt mit Groove, Pop, Rock und Tempo. Am Ende muss man sich auch nicht festlegen - dabei muss man aber akzeptieren, dass einige Elemente für Zuhörer auch Missfallen bedeuten könnten. Von der gestalterischen Ebene ist Ritual zweifelsohne ein unglaublich starkes Album, zeigt es doch vielseitige Songs mit unterschiedlichsten Facetten. Die meisten Songs können dabei überzeugen, jedoch führen die Ausflüge in eine eher poppige Richtung zumindest teilweise auf Missfallen.

Anspieltipps: River Of Fire, Oh Lord, Witching Hour
Anabel S.
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