Band: Scarcross

Genre: Black Metal

Label: Lycaner Records/Twilight Vertrieb

Homepage: www.scarcross.net

Aktuelle Bandbesetzung:

Jan – Vocals/Guitar
Hannes – Bass
Tom – Drums
Alex – Guitar
Rene:
Moin Scarcross,
Ersteinmal möchte ich zum Aktuellen Anlass auf Eures neues Album Freidenker zu Sprechen kommen. Was mir persönlich wirklich gut gefallen hat.

Scarcross:
Grüß dich! Danke erstmal für deine Worte. Wir sind sehr zufrieden mit Freidenker und freuen uns darauf dass dieses Album jetzt endlich erscheinen wird. Wir haben sehr viel Arbeit in diese CD gesteckt und sind froh, das Ganze nun abschließen zu können.

 
Rene:
Freidenker ist schon mal ein sehr interessanter Albumtitel, wie seid Ihr darauf gekommen? Spiegelt der Euer eigenes Gedankengut wieder?

Scarcross:
Natürlich spiegelt er unser eigenes Gedankengut wieder. Wir sind immer unseren Weg gegangen und werden dies auch weiterhin tun, abseits von Genre- und Gesellschaftskonventionen. Der Albumtitel spiegelt noch am besten die Grundstimmung des Albums wieder, in dem es hauptsächlich um eine persönliche Entwicklung geht. Jedes Stück bedeutet eine weitere persönliche Erkenntnis, einen weiteren Schritt hin zum Freidenker. Der Titel „Des Freidenkers Grab“ fasst das ganze zusammen. Er ist auch das älteste Lied auf diesem Album, und deshalb war es logisch diesen Namen in abgewandelter Form auch als Albumtitel zu verwenden. Allerdings war der Weg zu diesem Titel, wie wohl bei den meisten Bands, auch bei uns ein langwieriger Prozess. Verschiedene Ideen wurden gesammelt, abgewandelt, verworfen, und am Ende stand dieser Titel alleine da. Auf ihn konnten wir uns alle einigen.

 
Rene:
Was mir direkt von Anfang an aufgefallen ist, ist dass sich Euer Werk nicht direkt in eine Genreschublade stecken lässt. Einflüsse von Pagan Metal, und Subgenres vom Death Metal sind mir besonders ins Auge gefallen. Wie würdet ihr den Stil nennen und wie wichtig sind euch die vielen Einflüsse in Eurer Musik?

Scarcross:
Tja, wie würden wir den Stil unserer Musik nennen…wir wissen es selbst nicht genau. Im Groben würde ich es einfach in den Metal einordnen, und ansonsten soll sich jeder sein eigenes Bild machen und entscheiden was es für ihn ist. Für uns sind die verschiedenen Einflüsse in der Musik sehr wichtig, wir wollen uns nicht auf einzelne Aspekte der Musik beschränken, sondern uns frei entfalten können. Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass wir vier eigentlich aus verschiedenen Sparten der Musik kommen, und aus diesen unseren eigenen Mix machen. Unser Basser kommt eher aus der Progressiveren Metal Richtung, der Schlagzeuger aus dem Grindcore, der Gitarrist aus dem Death Metal und dem klassischeren Gitarren Rock, und ich aus dem Black Metal. Aus diesen Einflüssen versuchen wir einfach eine gemeinsame Basis zu finden, und schaffen Musik die uns berührt. Uns ist bewusst, dass es das für manch andere schwierig macht Zugang zu unserer Musik zu finden. Aber für die schreiben wir auch nicht Musik, sondern für uns.

 
Rene:
Vom ersten Album, der Katharsis, bis zum zweiten Freidenker, sind satte fünf Jahre ins Land gezogen wie kommt es zu dieser verhältnismäßig langen Pause? Auch Live hattet ihr Euch seit 2007 stark zurück gezogen.

Scarcross:
Die lange Pause hatte diverse Gründe. Der Erste wäre wohl mein Umzug nach Österreich, was Proben und sinnvolles Arbeiten sehr selten werden ließ. Dann mussten wir uns einen neuen Gitarristen suchen, den wir nach einiger Zeit dann endlich mit Alex gefunden hatten. Als wir Ende 2007 dann soweit waren und die Gitarren, den Gesang und den Bass für das Album aufnahmen, stieg unser damaliger Schlagzeuger aus, was wir davor allerdings schon wussten. Wir machten uns daraufhin auf die Suche nach einem geeigneten Ersatz, den wir mit Tom schließlich auch fanden. Trotzdem dauerte es bis Anfang 2009 bis wir endlich die Möglichkeit hatten, um die Drums aufzunehmen. Daraufhin musste gemischt und gemastert, und ein geeignetes Label gefunden werden. Dann gab es einige Verzögerungen mit dem Vertrieb und so weiter und so weiter. Das Album stand also nicht unbedingt unter einem guten Stern. Doch jetzt ist es endlich fertig, und wir können in die Zukunft blicken. Dass wir keine Auftritte mehr seit 2007 hatten liegt an denselben Gründen. Eine fast unmögliche Probe Situation, Besetzungswechsel etc. Bei uns war schon immer alles etwas komplizierter.

 
Rene:
Live hattet ihr in der Vergangenheit auch das Vergnügen mit bekannteren Bands die Bühne teilen zu dürfen ist Euch da ein besonders Erlebnis hängen geblieben?

Scarcross:
Ich würde jetzt nicht unbedingt sagen dass es bekanntere Bands waren. Ja, einige hatten oder haben inzwischen einen Namen, doch wirkliche Größen, was ihren Bekanntheitsgrad angeht, waren noch nicht dabei. Wir hatten trotzdem einige unterhaltsame Abende in unserer Geschichte. Besondere Einzelheiten die hier interessant sein könnten fallen mir jetzt allerdings nicht ein. Alles andere muss auch nicht unbedingt in die Öffentlichkeit getragen werden: Was Backstage passiert bleibt auch Backstage, hehe

 
Rene:
Apropos Band: Einige Besetzungswechsel haben die 10 Jahre Band bestehen schon mit sich gezogen. Wie seit ihr damit umgegangen oder haben euch diese Wechsel nicht aus der Ruhe gebracht.

Scarcross:
Die Besetzungswechsel waren immer eine harte Geduldsprobe und kosteten Zeit und Nerven. Erstmal muss immer ein fähiger Ersatz gefunden werden, was nicht gerade leicht ist, denn gute Musiker, die die selbe Musik machen wollen und in unser Bandgefüge, passen sind rar. Es dauerte meistens ein paar Monate bis wir jemand neuen gefunden hatten. Dann müssen diese neuen Musiker eingelernt werden, was auch immer ein anstrengender Prozess ist, da wir unsere Stücke nicht getabt oder notiert haben. Besonders bei neuen Gitarristen war das für mich immer äußerst anstrengend, da ich ihnen alles zeigen musste, bzw. die zweiten Gitarren mit ihnen erarbeiten musste. Nebenbei bemerkt habe ich aus diesen Fehlern gelernt, bei Waldgeflüster wird inzwischen jeder Song getabt. Wie auch immer, Besetzungswechsel bereiten nie besondere Freude, doch sind sie einfach unumgänglich, wenn man sich musikalisch, persönlich oder auch räumlich „auseinander“ gelebt hat. Trotz allem war die ganze Arbeit zum Besten, wir haben heute meiner Meinung nach unser stärkstes Line-up, und wir sind froh dass wir in dieser Konstellation dieses Album schaffen konnten.

 
Rene:
Frontmann Jan, der sein Soloprojekt Waldgeflüster 2005 ins Leben gerufen hat, konnte die Scarcross Truppe komplett für sein Live Line-Up überzeugen. Schweißt euch dieses noch mehr zusammen oder hattet Ihr gar schon mal den Gedankenzug die Waldgeflüster einfließen zulassen?

Scarcross:
Natürlich schweißt dies noch mehr zusammen, einfach da man noch mehr Zeit miteinander verbringt und noch mehr gemeinsame Erinnerungen schafft. Wir sind alle begeisterte Live Musiker, harmonieren zusammen, und so war es logisch in diesem Line-up auch die Waldgeflüster Auftritte zu absolvieren. Inzwischen hat sich die Situation jedoch etwas geändert, Alex ist im Moment kein fester Bestandteil des Waldgeflüster Live Line-ups, da die Entfernung zu groß ist um regelmäßig zu proben und zu arbeiten. Er half jedoch beim letzten Waldgeflüster Gig in Wien bei einem Song aus, wofür ich sehr dankbar bin. Nichts desto trotz sind Scarcross und Waldgeflüster zwei vollkommen getrennte Projekte und das werden sie auch in Zukunft bleiben.

 
Rene:
Zwei Bands stellt auch eine Doppelbelastung da, sowie die Live Auftritte müssen immer auf einander Abgestimmt werden. Gab es zu diesem Punkt schon einmal Komplikationen in diesem Zusammenhang?

Scarcross:
Bis jetzt sind wir glücklicherweise nicht in die Situation gekommen dass wir irgendwelche Überschneidungen hatten. Wir waren mit Scarcross in den letzten Jahren nicht auftrittsfähig, außerdem bot sich uns keine passende Gelegenheit um uns wieder live zu beweisen. Deshalb hatten wir bis jetzt noch keine Probleme. Auch sonst konnten wir uns die Arbeiten so einteilen, dass es zu keinen Komplikationen kam. Interessanterweise ist dieses Interview die erste zeitliche Überschneidung seit 2005, da wir mit Waldgeflüster gerade im Studio sind um den Nachfolger zu Herbstklagen aufzunehmen. Aber auch hierfür wird sich einfach Zeit genommen und es kann alles reibungslos funktionieren.

 
Rene:
Anfang 2011 geht es für Euch das erste Mal hoch her, das zwei Jahrelang produzierte Werk Freidenker steht endlich in den CD-Regalen. Was für ein Gefühl ist das, wenn man endlich seine harte Arbeit präsentieren kann und was für Ansprüche stellt ihr selber an Freidenker?

Scarcross:
Das erste Gefühl welches mir persönlich in den Sinn kommt ist Erleichterung. Die letzten 3 Jahre waren anstrengend, arbeitsintensiv und von Rückschlägen geprägt, zumindest was dieses Album betrifft. Wir sind wirklich froh dass sich die harte Arbeit endlich auszahlt und wir dieses Album in den Händen halten können. Teilweise hatten wir nicht mehr daran geglaubt dass dieses Album noch erscheinen wird. Zum Glück haben wir mit Lycaner Records jetzt einen zuverlässigen Partner gefunden, der das Ganze in die Wege geleitet hat. Ich möchte an dieser Stelle auch Wolfsgrim Records nicht unerwähnt lassen, die sich mit um die Werbung kümmern und uns ebenfalls unterstützen. Zur Erleichterung kommt natürlich die Freude dass einem die Möglichkeit gegeben wird ein Album über ein Label herauszubringen, und dass die eigene Arbeit endlich erscheint. Bei mir persönlich hat sich dieses Gefühl der Freude allerdings erst eingestellt als ich die fertige CD in den Händen gehalten habe, davor habe ich zu viel Arbeit und Rückschläge mit diesem Album verbunden um mich wirklich zu freuen. Aber das hat sich wie gesagt mit dem ersten Blick auf das fertige Produkt geändert, ich bin verdammt Stolz auf dieses Werk und freue mich dass wir es endlich den Hörern präsentieren können. Jetzt stellen wir keine Ansprüche mehr an das Album. Das haben wir im Schreibprozess, bei den Aufnahmen und beim Design getan, in diesen Phasen wollten wir etwas besonderes schaffen und unseren Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen. Jetzt ist unsere Arbeit getan (bis auf etwas Promotion und Interviews), wir können uns zurück lehnen, uns das Album mit etwas Abstand anhören und die Reaktionen abwarten. An alles was jetzt passiert stellen wir keine Ansprüche mehr. Entweder wird das Album den Hörern gefallen oder nicht, wir lassen es auf uns zukommen. Natürlich würde es uns freuen wenn die Reaktionen positiv ausfallen würden, doch können noch wollen wir dies nicht beeinflussen. Selbst wenn das Album nicht ankommen sollte, so haben wir unser Herzblut in es gesteckt und wir stehen zu 100 Prozent hinter dieser Musik. Auch wenn jede negative Reaktion jeden Künstler der hinter seinem Produkt steht runterzieht, so haben wir dieses Album wie schon erwähnt für uns gemacht, und wir sind sehr zufrieden damit.

 
Rene:
Eine immer wichtige Frage unser Leser und Hörer nach der Live-Abstinenz: Werden Scarcross auf den Bühnen vertreten sein oder sind keine Auftritt in der Zukunft geplant?

Scarcross:
Bis jetzt sind noch keine Auftritte geplant. Unser Problem ist dass zwischen dem Basser und dem Gitarristen fast 1000 km liegen, was Proben so gut wie unmöglich macht. Deshalb haben wir uns in letzter Zeit nicht auf eine intensive Suche nach neuen Auftrittsmöglichkeiten begeben. Das heißt allerdings nicht dass wir neuen Auftritten ablehnend gegenüber stehen würden. Sollte sich eine passende Gelegenheit bieten und wir ein Angebot bekommen, würden wir natürlich versuchen einen Weg zu finden den Auftritt wahrzunehmen. Es würde viel Arbeit für uns bedeuten, aber wir sind gewillt diese auf uns zu nehmen, sofern es die äußeren Umstände zulassen.

 
Rene:
So nebenbei: Was Gefällt Euch den besser das gemütliche einspielen im Proberaum oder Studio oder die geschaffenen Stücke auch direkt an die Fans zu übertragen?

Scarcross:
Beide Formen der musikalischen Auslebung haben ihre eignen Reize. Es kann ein unheimlich kreativer und erfüllender Prozess sein im Proberaum Stücke zu schreiben, oder diese im Studio zu verfeinern. Allerdings sind Studioaufnahmen, zumindest für mich eine der anstrengendsten Arbeiten überhaupt. Andauernder Zeitdruck, stundenlange Konzentration, nicht nur für den Einspielenden, Schlafmangel, Kaffee und Zigarettenüberschuss bedeuten für den Körper nun mal nichts Gutes. Es eine der intensivsten Zeiten im Leben eines Musikers, und so sehr ich mich auf Aufnahmen freue, so froh bin ich auch wenn alles im Kasten ist und man das Ergebnis bei einem Bier das erste Mal hören kann. Dasselbe ist es bei Live Auftritten. Sie können ein unheimlich intensives Gefühl vermitteln, und oftmals entdeckt man noch tiefergehende Aspekte an der eigenen Musik und man kann die Stücke aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen. Außerdem ist die Energie die durch das Publikum entstehen kann äußerst inspirierend. Ganz zu schweigen von der Aftershowparty. Für mich haben beide Arbeiten ihre Reize und ich möchte beides auch in Zukunft nicht missen.

 
Rene:
Was könnten wir von Time-For-Metal Euch gutes Tun wenn wir einen Wunsch erfüllen würden?

Scarcross:
Eine gute Frage. Setzt euch wirklich mit unserer Musik auseinander, macht ein ehrliches und ernst gemeintes Review und helft uns somit unser Album noch etwas mehr zu promoten. Damit wir auch weiterhin die Möglichkeit bekommen Alben aufzunehmen und zu veröffentlichen. Und eventuell springt ja auch irgendwo ein Gig für uns raus.

 
Rene:
Ich wünsche ein erfolgreiches Jahr 2011 und bedanke mich für das ausführliche Interview.

Scarcross:
Auch wir wünschen Time For Metal ein erfolgreiches 2011! Danke für euer Interesse und eure Unterstützung.

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