Sevendust – Live From Somewhere Livestreamevent zum 20-jährigen Jubiläum des Albums „Animosity“ am 08.01.2021

2021 - Sevendust: Live In Your Living Room - Performing "Animosity" front to back...and then some.

Eventname: Sevendust – Live From Somewhere

Headliner: Sevendust

Ort: weltweiter Livestream

Datum: 08.01.2021

Kosten: 17,00 $, dazu verschiedene Pakete mit T-Shirt, Album und Ticket

Genre: Nu Metal, Alternative Metal, Alternave Rock

Besucher: unbekannt

Veranstalter: Sevendust

Link: https://7d.nocapshows.com/events/sevendust-live

Setliste:

  1. A.O.B.
  2. Praise
  3. Trust
  4. Crucified
  5. Xmas Day
  6. Dead Set
  7. Shine
  8. Follow
  9. Damaged
  10. Live Again
  11. Beautiful
  12. Redefine
  13. Angel’s Son
  14. Leech
  15. Corrected

Sevendust gehörten zu den Vorreitern des Nu Metals, welche in den 90ern gegründet und dann in den 2000ern den Durchbruch hatten. Neben Bands wie Linkin Park, Korn, den Deftones oder Limp Bizkit schafften es Sevendust sich einen Namen zu machen und füllen noch heute (Corona-Krise mal außen vorgelassen) die eine oder andere große Halle.

Da ihr Erfolg jedoch größtenteils in den USA begründet war und ist, kommt man irgendwie als deutscher Hörer an den Herren aus Atlanta vorbei. So sind mir Sevendust erst recht spät in die Playlist gerutscht (damals noch im Radio). Doch geblieben sind sie bis heute – wenn auch etwas zurückhaltender. Mit ihrem neuesten Album Blood & Stone haben Lajon Witherspoon und Co. erst jüngst im Oktober 2020 von sich hören lassen (Review: hier). Doch wer meint, dass ein Streamingevent zum Release kommt, der liegt hart daneben. Viel mehr gibt die Band zum Jubiläum ihrer 2001er-Platte denen etwas zurück, die seit Jahrzehnten hinter ihnen standen – den Fans. So wurde als Erstes im Fanclub (7D Family) und dann der ganzen Welt angekündigt, dass man Animosity bei einem Livestream durchspielen würde und zwar von „[…] …front to back… and then some. […]“. Was „and then some” bedeutet, das sollte eigentlich jedem eingefleischten Fan klar sein – doch dazu gleich mehr. Als ich die Einladung zum Event bei mir im Postfach hatte, musste ich doch arg schmunzeln.

Sevendust – Live From Somewhere 2021

Sicher tue ich viel für mein geliebtes Genre, doch um 3:00 Uhr morgens aufstehen, um ein Konzert zu schauen… naja das ist was hart. Da freut es mich doch eher, dass so ein Stream in der Regel 48 Stunden verfügbar ist und jetzt sitze ich hier beim Frühstück und genieße bei einer Laugenstange die knapp 103 Minuten lange Show. Den Opener macht jedoch nicht das angekündigte Animosity, sondern das aktuelle Release von 2020 – jedoch nur als „Broadcast“ ohne Show dahinter. Doch ist es für mich nachvollziehbar, dass man die Bühne nutzt, um auf die neueste Veröffentlichung hinzuweisen. Nach einer halben Stunde ist es dann soweit und der Stream wechselt auf ein eisernes Sevendust Logo. Der Hintergrund atmosphärisch bis hoffnungsweckend, um dann mit einem Countdown aus brennenden Zahlen in den einleitenden Track T.A.O.B. zu wechseln. „What you say to me“ schallt es durch mein Wohnzimmer, während Lajon Witherspoon, Clint Lowery, John Connolly, Vincent “Vinnie” Hornsby und Morgan Rose auf einer nicht mal so kleinen Bühne ihre Performance beginnen. Ein modernes Bühnenbild aus vier LED-Wänden ziert den Hintergrund und eines wird bereits beim ersten Track klar – Sevendust müssen hier erst mal ankommen. Dass man vor einem „virtuellen“ Publikum spielt, ist für die US-Amerikaner merklich nicht gelernt, doch zum Glück macht das die Band greifbar und ein Moment, der nicht authentisch oder gar peinlich wirkt, bleibt aus. Ton und Performance sind durchweg erste Klasse und auch das Licht ist phänomenal. So schafft man es, eine Atmosphäre zu übermitteln, und das, ohne schwitzende Fans neben sich stehen zu haben. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, so gab es im letzten Jahr doch einige Livestreams, die qualitativ wirklich nicht bemerkenswert gewesen sind.

Aber weiter geht es mit Praise, Trust, Crucified und Xmas Day und da man sieht, dass die Fans im Chat Spaß an dem zu haben scheinen, was sie geboten bekommen. Mal sieht man, dass der Soundtext mitgeschrieben wird und ganz oft wird davon berichtet, dass die COVID-Krise in unser aller Leben ein Loch in die Konzertlandschaft gerissen hat und dass man es kaum erwarten könne, die Herren wieder in Fleisch und Blut zu sehen. So geht die Setlist 1-zu-1 der Trackliste des 2001er Albums nach und zeigt, dass man damals ein echt grandioses Werk veröffentlicht hat, welches sich hinter der aktuellen Platte nicht verstecken braucht.

Sevendust – Live From Somewhere 2021

Wie bereits angekündigt folgt nach dem eigentlichen Outro des Albums (Angel’s Son) das „and then some“. Fans sollte klar sein, dass zum damaligen Release die beiden Tracks Leech und Corrected gehören, auch wenn diese auf dem eigentlichen Silberling nicht vertreten waren. Während Leech zum OST (Original Soundtrack) von Freddy Vs. Jason im Jahr 2003 erschien, lieferten Sevendust mit Corrected einen Beitrag zur Filmmusik von The Scorpion King (2002). Schön finde ich, dass man zum Finale hin noch ein wenig mit Pyrotechnik die Bühne abbrennt und so das Livestreamevent ordentlich ausklingen lässt.

Ich für meinen Teil bin mir sicher, dass sich keiner über eine schlechte Performance, einen schlechten Ton oder zu dunkle Bilder beschweren wird. So haben Sevendust eine echt perfekte Show abgeliefert. Die vereinzelten Fehler (in erster Linie sind mir welche beim Schlagzeug aufgefallen) machen die Herren greifbar und es wird noch deutlicher, dass es sich hier nicht um eine Playback-Show handelt. Einziger Wermutstropfen sind die 17 $ (ungerechnet ca. 14 €), die das Konzertticket gekostet hätte. So gab es vergleichbar gute Events, die für 6,66 $ oder gar kostenfrei angeboten wurden. Aber sind wir ehrlich, der Branche geht es gerade nicht perfekt (nett gesagt) und da ist jeder Euro gut investiert.

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