The Flower Kings – Islands

Isolation als übergreifendes Thema für progressiven 70er-Jahre Rock

Artist: The Flower Kings

Herkunft: Uppsala, Schweden (Bandmitglieder leben in den USA, Italien, Österreich und Schweden)

Album: Islands

Spiellänge: 92:41 Minuten

Genre: Progressive Rock

Release: 30.10.2020

Label: Inside Out Music

Links: https://www.roinestolt.com/
http://www.facebook.com/TheFlowerKings

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Keyboard und Ukulele – Roine Stolt
Akustische Gitarre und Gesang – Hasse Fröberg
Bassgitarre und akustische Gitarre – Jonas Reingold
Keyboard, Piano, Synthesizer, Mellotron und Orchestration – Zach Kamins
Schlagzeug und Percussion – Mirko DeMaio

Gastmusiker:
Saxofon – Rob Townsend

Tracklist:

  1. Racing With Blinders On
  2. From The Ground
  3. Black Swan
  4. Morning News
  5. Broken
  6. Goodbye Outrage
  7. Journeyman
  8. Tangerine
  9. Solaris
  10. Heart Of The Valley
  11. Man In A Two Peace Suit

  1. All I Need Is Love
  2. A New Species
  3. Northern Lights
  4. Hidden Angles
  5. Serpentine
  6. Looking For Answers
  7. Telescope
  8. Fool’s Gold
  9. Between Hope & Fear
  10. Islands

Etwas speziellere Musik liefern seit mehr als 25 Jahren The Flower Kings um Mastermind Roine Stolt. Woran denkt der an Musikgeschichte interessierte Mensch bei Blumenkönigen? Natürlich an die Blumenkinder, Hippies, Flower-Power und Woodstock. Damit liegt man bei The Flower Kings auch gar nicht so verkehrt. 1994 erschien ein Soloalbum von Roine Stolt mit dem Namen The Flower King. Das war die Geburtsstunde für The Flower Kings. Stolt, der bereits vorher bei Kaipa aktiv war, knüpfte mit The Flower King an den klassischen Progressive Rock der 70er-Jahre an. Mit den bereits auf dem Album The Flower King zu hörenden Musikern gründete Stolt die Band The Flower Kings. Im neuen Jahrtausend ist u.a. Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation) auf zwei Werken (Unfold The Future und Adam & Eve) am Mikro und an der Gitarre zu hören. Stolt war u.a. noch in Projekten wie Transatlantic und Agents Of Mercy involviert. Mit Islands erscheint nun das Studiowerk Nr. 14.

Das Konzept zu Islands ist das Thema Isolation, sehr passend zum aktuellen Zeitgeschehen. Fast alle Tracks handeln von der Isolation des Einzelnen, von Verlusten geliebter Personen oder die Angst vor einer Trennung. Das sind alles Dinge, welche Menschen während der anhaltenden Pandemie bewältigen müssen und was bei jedem Individuum für lange Zeit Spuren hinterlassen wird. 21 Songs sind so entstanden und wurden während der Pandemie aufgenommen und abgemischt. Das ist hier eine besondere Erwähnung wert, da die Bandmitglieder in verschiedenen Ländern beheimatet sind.

Die Bandbreite der Tracks ist groß. Ruhiger, progressiver Rock, jazzige Elemente, akustische Parts und auch orchestrale Töne gibt es auf die Ohren – die gesamte Bandbreite des progressiven 70er-Jahre-Sound ist zu finden und dazu gehört die kräftige Unterstützung von Keyboard oder Pianoklängen. Racing With Blinders On als Opener oder auch die nachfolgenden Nummern bewegen sich in mehr oder weniger in die gleiche Richtung. Mal dominiert die Hammondorgel etwas mehr, mal der Gesang und es wird auch mal akustisch, wie z.B. bei Morning News. Solaris mit etwas mehr als neun Minuten Laufzeit erinnert an progressive Größen wie Camel, Nice oder Gentle Giant, wo es dann auch mal richtig schräg werden darf und sich Bass und Mellotron duellieren. Die orchestrale Untermalung mit Streichern und Chören ist jedoch auch für mich mehr als nur gewöhnungsbedürftig und so kommt das Ganze recht bombastisch daher. Heart Of The Valley ist vom Refrain recht zugänglich, Man In A Two Peace Suit lässt der Saitenfraktion freien Lauf und kommt ohne Gesang aus den Boxen.

Die zweite CD startet mit All I Need Is Love und für The Flower Kings schon fast eingänglich. A New Species beendet diese Phase rasch und mit Keyboard lastigem, progressivem Rock geht es weiter. Serpentine, Looking For Answers oder Telescope – der Geist von Woodstock wabert durch mein Büro, wo Hippies mit Blumen im Haar zu schrägen Klängen der Welt entfliehen. Fool’s Gold ist etwas schneller und rhythmischer, Between Hope & Fear quasi das Gegenstück. Der Titeltrack schließt das Werk instrumental ab, es wird noch mal reichlich verträumt und man fühlt sich in vergangene Zeiten zurückversetzt.

The Flower Kings – Islands
Fazit
Metalheads, welche schreiende oder knurrende Stimmen bevorzugen, intensives Riffing mögen oder auf ballernde Drums stehen, machen einen Bogen um das Langeisen. Die Scheibe ist wohl eher etwas für den gesetzteren Rockfan oder Freund von progressiver 70er-Jahre Musik. Technisch gut gemacht fehlt mir ein wenig die Dynamik. Des Weiteren ist das 90-minütige Werk für mich zu wenig packend. Die wabernden Keyboardsounds verlieren mich irgendwann und so fehlt mir die Abwechslung, welche mich als Hörer fesselt und meine Ohren an den Boxen festhält. So ist das Gehörte gute Musik zur Untermalung eines netten Abends beim Glas Rotwein und Besuch von Freunden, wenn Corona und Isolation irgendwann vorbei sind.

Anspieltipps: All I Need Is Love, wenn das gefällt Morning News, wenn das auch gefällt, kann man sich an die ca. 90 Minuten insgesamt wagen
Jürgen F.
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