Theatre Of Tragedy – Remixed

Alte Lieder in neu gemixten Klängen

Artist: Theater Of Tragedy

Herkunft: Stavanger, Norwegen

Album: Remixed

Spiellänge: 70:37 Minuten

Genre: Gothic Metal

Release: 12.07.2019

Label: AFM Records

Link: http://www.theatreoftragedy.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Niel Sigland
Gitarre – Vegard K. Thorsen
Gitarre – Frank Claussen
Gesang, Elektronik, Programmierung – Raymond István Rohonyi
Keyboard, Piano – Lorentz Aspen
Drums – Hein Frode Hansen

Tracklist:

1. And When He Falleth (Das Ich Remix)
2. Black As The Devil Painteth (Das Ich Remix)
3. Lorelei (Icon Of Coil Remix)
4. Reverie (Current Remix)
5. Machine (VNV Nation Remix)
6. Envision (Conetik Remix)
7. Let You Down (Rico Darum & Superdead Remix)
8. Motion (Funker Vogt Remix)
9. Storm (Zeromancer Remix)
10. Fade (Pride And Fall Remix)
11. Frozen (Ambrosius Remix)
12. Deadland (Tommy Olsson Remix)
13. Forever Is The World (Siva Six Remix)

Theatre Of Tragedy waren in den 90ern eine der Vorreiterbands beim Gothic Metal mit Frauengesang. Liv Kristines Stimme schwebte wie ein Engel über den rauen Wassern von Velvet Darkness They Fear und das erotische Cover machte nicht nur die musikalischen Gefühle seiner Hörer glücklich. In der Zwischenzeit sind Theatre Of Tragedy Geschichte, die damals „kleinen“ Within Temptation und Nightwish haben sie längst überflügelt. Velvet Darkness They Fear kommt primär auf den Plattenteller, wenn es herbstelt und der Nostalgiefaktor in der frühen Abenddunkelheit besonders mächtig um sich greift.

Natürlich wird über eine Rückkehr der Formation spekuliert werden, doch ich habe bislang noch keinerlei Anhaltspunkte für eine Reunion mitbekommen, zumal im Infoschreiben ebenfalls nichts dergleichen steht. In ihrer musikalischen Offenheit war die Truppe schon immer daran interessiert, wie andere ihre Musik interpretieren, und ich muss zugeben, dass auch ich ein Freund von Coverversionen bin, die sich stark vom Original abheben. Nun wurden hier aber lediglich die vorhandenen Spuren neu abgemischt und mit viel Elektro-Zierrat versehen, was in den Neunzigern durchaus üblich war. Davon bin ich weniger ein Fan, und die hier auch enthaltenen Versionen von zwei Liedern ihres Zweitwerks Velvet Darkness They Fear gaben mir schon auf der A Rose For The Dead-EP Rätsel auf.

And When He Falleth ist kalt, das Piano vom Original noch erhalten, doch es wird von noisigen Ausflügen und den zurückgemischten Melodien noch mehr heruntergekühlt. Viel zu hektisch für meinen Geschmack, da ist Black As The Devil Painteth allerdings nur unwesentlich vorteilhafter, die symphonischen Elemente gehen in den Beats ziemlich unter. Seit jeher haben eben diese konsequent durchpluckernden Beats das Problem, dass sie Atmosphäre, Melodien und Emotionen an ihrer Entfaltung hindern, auch wenn das vielen Dance-Jüngern irgendwie egal ist.

Bester Beleg dafür ist das folgende Lorelei in der Version von Icon Of Coil vom Aegis-Longplayer, bei dem die Up-Tempo-Techno-Klänge sehr gewöhnungsbedürftig sind. Die harmonieren zwar ganz ordentlich mit den flirrenden Synths, doch jene alleine hätten das Original mit seiner Mixtur aus Rohonyis sonorer Stimme und dem süßlichen Gesang von Live Kristine bereichert. Im Übrigen sind die Songs in chronologischer Reihenfolge auf der Scheibe angeordnet, was aber nicht unbedingt nötig gewesen wäre, da sich durch die starke Bearbeitung ohnehin die Entwicklung der Band kaum ablesen lässt.

Noch technoider gibt sich in der Folge der Musique-Track Machine in der VNV Nation-Bearbeitung, was zu dem Material aber durchaus passt. Im poppigen Refrain geht es mit den Synthesizer-Motiven sogar fast in die Eurodance-Richtung, während der männliche Sprechgesang stark verfremdet ist. Jene recht eingängigen Refrains, die sich immer wieder herausschälen, gerade wenn die Beats etwas in den Hintergrund gemischt werden, wie in Let You Down rücken manches schon ein wenig Richtung Dancefloor. In dem angesprochenen Stück belassen Rico Darum & Deadbeat die breiten Riffs bei und erinnern so leicht an spätere Sachen von Scooter. Da wirkt der hämmernde Industrial, den Zeromancer Storm verpassen, schon eher dem Thema angemessen.

Überhaupt bestätigt sich hier der Pop-Vorwurf gegen das Material von Assembly, was aber in den Versionen durchaus von Vorteil ist. Conetik stecken Envision in ein cooles Loungegewand mit viel Echo im Gesang und leichteren Beats. Noch mehr Stimmeffekte erhält das stampfende Motion, welches Funker Vogt in die Achtziger transportieren, die Vocoder-Sounds hat damals Mike Oldfield zu Genüge benutzt. Noch atmosphärischer fällt der Current Remix von Reverie aus, der Synthesizer liefert helle Schwaden, die an dunkeln Schleiern vorbeiziehen und so Räume öffnen. Und wie Pride And Fall Fade über acht Minuten trippig steigern ist nur großartig. Sensationellerweise erinnert mich das von der Stimmung her an einige neuere Werke meiner Lieblinge Marillion.

Ähnlich fällt der Remix von Frozen aus, den Ambrosius angefertigt haben, wenn auch sakraler. Die letzten Nummern, die im Original vom Abschiedsalbum Forever Is The World stammen, halten sich am ehesten an die ursprünglichen Versionen wie der getragenen, von Siva Six mit lauernden Beats versehene Titelsong. Interessant ist noch Deadland, welches vom ehemaligen Gitarristen Tommy Olsson bearbeitet wurde. Der Gothic Rock, der dabei herauskommt, tönt stark nach dem Aegis-Langeisen, bei dem der Mann größtenteils für das Songwriting verantwortlich war.

Licht und Schatten wechseln sich auch bei Remixed ab, musikalisch ist das durchaus interessant, auch wenn gerade für eingefleischte Metalheads schon schwer verdaulich. Die wendeten sich ja genau dann ab, als die Band selbst sich zu sehr den elektronischen Klängen zuwandte.

Theatre Of Tragedy – Remixed
Fazit
Mir persönlich sind die ruhiger neu bearbeiteten Tracks lieber, doch auch die anderen haben gute Ansätze. Allerdings kann ich nur schwerlich etwas über die Remix-Künstler sagen, da ich nur wenige davon vom Namen kenne, eine gewisse Offenheit gegenüber Neuem ist bei der Scheibe aber ohnehin vonnöten.

Anspieltipps: Lorelei (Icon Of Coil Remix), Machine (VNV Nation Remix)
Jennifer K.
7.5
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Contra
7.5
Punkte
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