Versengold – Was Kost Die Welt

Das Niveau steigt weiter, jedoch auf Kosten der rockigen Wurzeln

Artist: Versengold

Herkunft: Bremen, Deutschland

Album: Was Kost Die Welt

Spiellänge: 49:02 Minuten

Genre: Folk Rock, Mittelalter Rock

Release: 28.01.2022

Label: Sony Music

Link: www.versengold.com

Bandmitglieder:

Gesang, Flöte – Malte Hoyer
Violine, Nyckelharpa, Konzertina – Alexander Willms
Violine, Mandoline, Backgroundgesang – Florian Janoske
Schlagzeug, Klavier – Sean Lang
Gitarre, Bouzouki, Mandoline, Backgroundgesang – Daniel Gregory
Bass, Backgroundgesang – Eike Otten

Tracklist:

  1. Was Kost Die Welt
  2. Hier Kummp De Storm
  3. Bella Schau (Mit Mir In Die Sterne)
  4. Windsbraut
  5. Hey Hanna
  6. Die Wilde Jagd
  7. Augen Auf Und Durch (Gib Nicht Auf)
  8. Der Alte Rathenstein
  9. Kobold Im Kopp
  10. Sternensee
  11. Eis Und Asche
  12. Die letzte Runde

Versengold werden in wenigen Tagen ihr neues Album Was Kost Die Welt über Sony Music veröffentlichen. Seit Zeitlos haben die Hanseaten den Sprung in die obere Folk Rock und Mittelalter Rock Liga geschafft. Neben den rockigen Einflüssen greifen sie Deutschrock, Shanty Chor, gar Mainstream Passagen auf und schaffen es trotzdem, mit feinen Punk- und Party-Attitüden dem Schlagervolk zu entrinnen. Bei den ganzen Vorlieben ist es wichtig, den roten Faden nicht zu verlieren. Die letzten Scheiben sprechen jedenfalls für die Bremer, die es im ganzen Gedankenurwald immer noch schaffen, den optimalen Punkt zu treffen. Die zwölf neuen Songs umfassen fast 50 Minuten Spielzeit und könnten in den einzelnen Kompositionen kaum unterschiedlicher sein. Mit Malte Hoyer haben die Musiker einen perfekten Frontmann in ihren Reihen, der nicht nur nach außen ein authentisches wie liebenswertes Bild übermittelt, sondern gesanglich die Fans benebeln kann. Doch Was Kost Die Welt nun?

Erst einmal schlägt der Titeltrack ein lachendes und weinendes Auge auf und nutzt die anfängliche Aufmerksamkeit für ein absolut wichtiges Thema. Mit dem Schalk im Nacken stecken sie den Finger in die Umweltsündenwunde. Mit dem Versuch, auf sarkastische wie humorvolle Weise wachzurütteln, eröffnen die Folk Rocker auf sehr deutschrocklastigem Teppich, ohne dabei den Kontakt zum guten Ton zu verlieren. Das Niveau hochgehalten, spürt man schnell, dass die Rocker der ersten Tage weiter Abstriche machen müssen. Das trifft mich persönlich zwar härter, dafür muss man trotzdem neidlos anerkennen, dass Versengold ihre Spielkunst seit den ersten beiden Alben Hoerensagen und Allgebraeu enorm nach oben ziehen konnten. Düsterer zieht im Anschluss der Sturm auf. Hier Kummp De Storm auf Plattdeutsch trifft das plattdüütsche Herz und bekommt von einem Friesen direkt den zustimmenden Daumen nach oben. Bella Schau (Mit Mir In Die Sterne) wird ohne Frage bei den Fans funktionieren – der Party Humpa im klassischen Gewand bringt die schunkelnden Anhänger ganz sicher nicht nur live ins Schwitzen. Meine Ohren kommen dann bei Windsbraut eher wieder auf die Kosten. Hoyer haut eine Ballade raus, die jedem deutschen Radiorocker das Gesicht versteinert. Ohne Scheiß, die Nummer könnte auch im Radio für Furore sorgen und Versengold in ganz andere Gefilde tragen. Klar, das Rockerherz weint leise, dafür kommt die Soft Folk Ader bei der schnellen Blutzirkulation ins Glühen. Bei Hey Hanna muss man kräftig lachen. 95 Prozent der Metalheads kennen das Tanzproblem, da bleiben wir alle doch lieber beim Pogen und Headbangen, oder? Yes, alleine für Die Wilde Jagd hat das Hineinhören gelohnt. Einer der bislang besten Titel der Musiker galoppiert voran, greift schaurige Gedanken auf, kombiniert diese mit fetten Backvocals und ganz vorne an der Spitze? Malte Hoyer, der es auf Was Kost Die Welt wohl wissen will. Im Flug schmeißt der schwarze Reiter mal eben den Ohrwurm in den Gehörgang und wird mich noch länger verfolgen. Augen Auf Und Durch (Gib Nicht Auf) greift die Stimmung auf, geht in die Richtung – und hat am Ende des Tages doch eine ganz andere Story parat. Wo bleibt der Partymodus? Immer mit der Ruhe! Die Gläser mit Gerstensaft stehen schon auf dem Tisch, als Der Alte Rathenstein erklingt. Frech, mit einem alternativen Anstrich springt der witzige Text von Kobold Im Kopp in Irish Folk Melodien. Balladengleich nimmt Sternensee das Zepter in die Hand. Der Staffelstab geht flink zu Eis Und Asche. Das Finale eingeläutet, ziehen Versengold das Tempo an. Violinen setzen Akzente, das Niveau der Kollegen an den Instrumenten ist auf höchstem Niveau, um nicht immer nur den Sänger hervorzuheben. Die Letzte Runde schlägt die Tür zu und spuckt vermutlich ein sehr erfolgreiches Album aus, welches abermals in die Spitze der Albumcharts schießen wird. Vielleicht ist erstmals sogar der Platz an der Sonne möglich.

Versengold – Was Kost Die Welt
Fazit
Ein klares Tellerrandthema. Metal Riffs und durchgehend Rock Atmosphären fahren Versengold nicht auf. Poppig freche Folk Sequenzen suchen ihren Abnehmer. Die Zielgruppe liegt im Mittelalter- und eben lockeren Folk-Sektor. Mögen muss man den Schulterschluss zum Popsound, die Schunkelkapazität, die einem auch Oma Mayer von nebenan in die Arme treibt. Genreübergreifend verbindet Was Kost Die Welt nicht nur Generationen, sondern auch verschiedene Fanlager im Musikbusiness. 

Anspieltipps: Hier Kummp De Storm, Die Wilde Jagd und Augen Auf Und Durch (Gib Nicht Auf)
René W.
8.8
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