Wiegedood – There’s Always Blood At The End Of The Road

Die belgischen Black Metaller Wiegedood haben den Zenit erreicht

Artist: Wiegedood

Herkunft: Ghent, Belgien

Album: There’s Always Blood At The End Of The Road

Genre: Black Metal

Spiellänge: 44:30 Minuten

Release: 14.01.2022

Label: Century Media Records

Link: https://www.facebook.com/wiegedood

Bandmitglieder:

Gitarre, Gesang – Levy Seynaeve
Gitarre – Gilles Demolder
Schlagzeug – Wim Coppers

Tracklist:

  1. FN SCAR 16
  2. And In Old Salamano’s Room, The Dog Whimpered Softly
  3. Noblesse Oblige Richesse Oblige
  4. Until It Is Not
  5. Now Will Always Be
  6. Wade
  7. Nuages
  8. Theft And Begging
  9. Carousel

Die Belgier Wiegedood sind nach Abschluss ihrer De Doden Hebben Het Goed Trilogie mit einem neuen Album zurück. There’s Always Blood At The End Of The Road erscheint wie der Vorgänger und Abschluss der De Doden Hebben Het Goed Trilogie das Album De Doden Hebben Het Goed III (2018) bei Century Media Records. Das Label weiß natürlich, was sie da mit Wiegedood an Land gezogen haben und spendieren neben der CD Ausgabe gleich noch die Vinylvarianten Black, Dark Green und White – Red Marbled. Die jeweiligen Limitierungen sind mir nicht bekannt.

Vorneweg die Info, dass Wiegedood Teil des belgischen Künstlerkollektives Church Of Ra sind. Fernab von Genrekonventionen experimentieren die Bands und Musiker mit den verschiedensten Schattierungen von Dunkelheit. Genregrenzen wie zum Beispiel Black-, Drone- und Post Metal werden überschritten. Amenra, Oathbreaker und eben die hier vorgestellten Wiegedood, aber auch noch weitere Bands, sind Teil der Church Of Ra. Die Musiker agieren auch in den Bands untereinander. So ist es nicht verwunderlich, dass Gilles Demolder und Wim Coppers feste Mitglieder der Band Oathbreaker sind. Levy Seynaeve kommt als Ex-Bandmember von Amenra und unterstützt Oathbreaker auch live.

Ich kann es bereits vorwegnehmen: Wiegedood neues Album There’s Always Blood At The End Of The Road zählt für mich bereits so früh im neuen Jahr zu den Top-Veröffentlichungen im (Black) Metal Bereich 2022 und dürfte kaum zu toppen sein. Wie ein Tornado fegen sie über die im Albumtitel angegebene Straße/Road, zerlegen in There’s Always Blood At The End Of The Road alles in Schutt und Asche und hinterlassen selbst eine Blutspur aus Qual und Ekel.

Auf There’s Always Blood At The End Of The Road haben Wiegedood die Pandemie analog einer Apokalypse eingefangen. Das Album beginnt bereits furchterregend mit höllischem Tenor mit dem Opener FN SCAR 16. Das volle Entsetzen schlägt dem Hörer entgegen. Was läuft hier für ein Film ab? Horror pur, musikalisch umgesetzt, was Bilder nicht zeigen dürfen/können.

Kein Halten auch im folgenden And In Old Salamano’s Room, The Dog Whimpered Softly. Von wegen, der Hund wimmerte leise. Das muss ein Höllenhund sein. Nach fast zwei Minuten ein Bruch im Song. So etwas wie Schmerzensschreie. Was folgt, ist dunkles Gedröhne. Ein Höllenhammer, den Wiegedood hier schwingen. Ein wimmerndes, weinerliches Menschlein gibt noch einmal ein paar Töne von sich, welch Qualen muss es hier erleiden!?

Wie ein Sturm weht anschließend Noblesse Oblige Richesse Oblige über den Hörer hinweg und lässt ihn in Eiseskälte zurück. Die Belgier beherrschen es auch in diesem Song, immer wieder neue Wendungen einzufügen. Wenn man meint, der schmerzhafteste Punkt ist bereits erreicht, werden die Qualen noch einmal größer.

Until It Is Not führt nach einer wilden Raserei ins Nichts. Now Will Always Be schlängelt sich zunächst verführerisch leicht, bevor das dunkelste Schwarz in den Song einzieht. Dunkle kehlkopfartige Töne und ein höllisches Inferno verdunkeln den Song vehement. Vielleicht haben Wiegedood am Ende des Titels das Wort Black vergessen!? Sehr erdrückend ist dieser Song, der mit einem wiederholenden Rhythmus versucht, den Hörer zu erschlagen. Acht Minuten Now Will Always Be (Black) muss der Hörer über sich ergehen lassen.

Wade ist ein kurzes akustisches Intermezzo, welches wir brauchen, um den ekelhaften Ansturm von Nuages überhaupt standzuhalten. Wie ein Hornissenangriff versucht er dir zuzusetzen. Immer wieder wendet sich der Schwarm dieser rasenden Insekten ab und kommt mit neuer Wut zurück bis zur endgültigen Erschöpfung.

Theft And Begging wütet weiter, schafft aber eine seltsame Atmosphäre durch die Voices, die sich im Hintergrund erheben. Abgrundtiefe Qualen sind es wohl, die hier überspielt werden.

Das abschließende Carousel nimmt dich mit auf eine irre Rundfahrt auf eben diesem Karussell und zeigt dir einige Unebenheiten in dieser selbst gewählten Rundfahrt. Wieder prügeln diese obertonartigen Voices auf dich ein und die Gitarren zerschneiden dir dein Fleisch, sodass du von psychischen und physischen Qualen auseinandergerissen wirst. Boah, nach dieser Platte muss ich mich zuerst einmal an einen sicheren Ort begeben und verschnaufen!

Zum Schluss noch ein Zitat von Sänger und Gitarrist Levy Seynaeve zum Album: „Für mich fühlt es sich an wie ein Soundtrack für einen Film, der noch gedreht werden muss. Ein Film über die schmutzigsten und ekelhaftesten Teile der menschlichen Natur und Gesellschaft und über den Kampf, den wir in uns führen, indem wir versuchen, die Tatsache zu überwinden, dass wir sind alle aus demselben Schmutz gemacht.“

Die Band brennt natürlich darauf, ihre schmerzhafte Musik unter die Fans zu bringen: „…dass es an der Zeit ist, eine Live-Erfahrung zu diesen Songs. Darum geht es am Ende: die Musik live in einem Setting zu erleben, so laut und schmerzhaft, wie wir es uns vorstellen“, so die Band.

Ob Corona dies zulässt, ist momentan schwer abzuschätzen. Falls ja, werde ich mich dieser Schmerzen bei einem der Konzerttermine definitiv stellen!

Die Tour ist geplant und die Termine stehen (klickt auf das Bild, um es zu vergrößern):

Wiegedood – There’s Always Blood At The End Of The Road
Fazit
Die Belgier Wiegedood beginnen mit ihrem neuen Album There’s Always Blood At The End Of The Road das noch junge Jahr 2022 mit einem Blizzard/Wirbelsturm voller Hass und Frustration, der am Ende nur noch eine blutige und schmerzhafte Spur hinterlässt. Ein höllischer Horror-Soundtrack, ein Inferno oder was auch immer aus Black Metal. Direkt am Jahresanfang die Höchstnote vergeben!? Mache ich nicht gern, aber hier muss es sein. Alles andere würde mir Schmerzen bereiten!

Anspieltipps: FN SCAR 16, And In Old Salamano’s Room, The Dog Whimpered Softly und Now Will Always Be
Juergen S.
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