Wolf – Feeding The Machine

Hungrig und bissig wie eh und je

Artist: Wolf

Herkunft: Örebro, Schweden

Album: Feeding The Machine

Spiellänge: 46:54 Minuten

Genre: Heavy Metal

Release: 13.03.2020

Label: Century Media Records

Links: https://www.facebook.com/officialwolf/
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https://www.instagram.com/wolf_metal_official/
https://twitter.com/Wolf_Sweden
https://myspace.com/wolfheavymetal

Produktion: Aufgenommen im SolnaSound Studio von Simon Johansson, Mix und Mastering von Fredrik Nordström im Studio Fredman, Cover Artwork von Thomas Holm

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Niklas Stålvind
Gitarre – Simon Johansson
Bassgitarre – Pontus Egberg
Schlagzeug – Johan Koleberg

Tracklist:

  1. Shoot To Kill
  2. Guillotine
  3. Dead Man’s Hand
  4. Midnight Hour
  5. Mass Confusion
  6. The Cold Emptiness
  7. Feeding The Machine
  8. Devil In The Flesh
  9. Spoon Bender
  10. The Raven
  11. Black Widow
  12. A Thief Inside

Studioalbum Nummer acht und insgesamt sechs Jahre Tonträgerkarenz. Auf Feeding The Machine wurde allseits hingefiebert und von der treuen Fangemeinde wird diese Neuveröffentlichung garantiert mit offen Ohren erwartet.

Mit Wolf wird vor allem Kontinuität und Stiltreue assoziiert. Schon deshalb werden uns bei Feeding The Machine wohl kaum musikalische Neuerungen zugemutet. Wenn, dann lediglich durch die Neuankömmlinge Pontus Egberg am Bass (King Diamond) und Johan Koleberg am Schlagzeug (Ex-Therion, Ex-Lion’s Share). Wenngleich der Begriff „lediglich“ bitte als absolute Bereicherung zu verstehen ist. Wie das dann klingt und ob Wolf ihren unverkennbaren Grundsätzen treu blieben, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Vorab, als wesentliches Merkmal darf das Soundgefüge hervorgehoben werden. Innerhalb der Produktion, Mix und Mastering wurde viel Wert auf Transparenz gelegt. Die Instrumente sind sehr fein nachzuvollziehen und das gesamte Klangbild wirkt trotz der Fülle nicht überfrachtet oder undurchsichtig. Für diese teils komplexe Musik wird dem Hörer dadurch der Blick auf Arrangement und Songstruktur immens erleichtert. Die Melodien heben sich zwar ab, bleiben dennoch fest in der Songstruktur integriert. Da hat Fredrik Nordström in der Tat ein goldenes Händchen bewiesen.

Musikalisch bewegen sich Wolf bereits seit 1995 auf bewährtem Terrain. Im traditionellen Heavy Metal fühlen sich die Schweden sehr wohl und gleiten beinahe unbemerkt in Speed- und auch den Thrash Metal ab. Die Kunst liegt hier in der Zusammenführung dieser Stilrichtungen. In Niklas Stålvind haben Wolf zudem einen Sänger in ihren Reihen, der es vermag, all diesen Klangbildern eine besondere Note aufzuerlegen. Insbesondere die unüberhörbare Affinität zu Mike Howe (Metal Church), macht die Songs von Wolf zu etwas Einzigartigem. Seine Modulation und die Art und Weise unverwechselbare Melodien in die Arrangements zu verflechten, bleibt stets individuell und vor allem aber er selbst.

Greift man den Opener Shoot To Kill heraus, so dürfte der Leser mir hier wohl Recht geben. Der Song lebt von einer sehr tough dargebotenen Rhythmik und eben dieser aggressiven Modulation, ohne dabei Melodie einbüßen zu müssen. Der Groove treibt vorzüglich und die nie aufdringliche Härte entwickelt Shoot To Kill zum Leckerbissen. Auch Guillotine wandelt auf gleichen Pfaden, vielleicht sogar noch ein wenig mehr in Richtung Metal Church. Die Soli bestechen durch hohe technische Raffinesse und erinnern an die Anfänge des NWOBHM. Hier wird Atmosphäre produziert, die vermag mitzureißen.

In puncto Atmosphäre oder dem kompositorischen Kontext insgesamt, darf Wolf gleichermaßen Weitblick unterstellt werden. Dead Man’s Hand weist unterschiedliche Facetten auf und auch hier wird meine Erinnerung immer wieder an diverse Altmeister zum Leben erweckt. Zu nennen wären hier unter anderem auch Iron Maiden. Selbst wenn Midnight Hour einen recht unspektakulären Refrain mit sich bringt, so ist eben das Simple dazu prädestiniert, im Ohr hängen zu bleiben. Nicht selten entsteht das Gefühl, sich an dieser Nummer im positiven Sinne reiben zu wollen. Sollte das so gewollt sein, so ist dies den Herren hiermit sehr gut gelungen. Mass Confusion hingegen wirkt insgesamt gesehen wieder zusammenhängender, härter, kompromissloser und dominanter.

Wolf haben sich auf diesem Album in jedem Falle eine eigene Soundfarbe zu eigen gemacht und ihre Identität bestätigt. Diese zieht sich durch das ganze Album durchgängig fort. Dies wird in The Cold Emptiness und letztlich auch dem Titeltrack Feeding The Machine zementiert. Insbesondere bei The Cold Emptiness schimmert immer wieder das Flair von Metal Church hindurch. Ich hatte die Transparenz im Soundgefüge bereits erwähnt. Eben diese macht das Album zum Erlebnis. Devil In The Flesh ist ein Paradebeispiel für die vorhandene handwerkliche Kunst im Mix und Mastering. Im Gesang spricht man von legato, instrumentell gehen hier Riffing und Drums nahtlos und geschmeidig ineinander über, grandios.

Spoon Bender reißt nach meinem Dafürhalten aus der bisherigen Herangehensweise an die Komposition aus. Dieser Track vereint den Charme vergangener Tage mit spielerischem Witz und der Risikobereitschaft diverse Experimente zu wagen. Die Nummer wandelt auf kommerzielleren Pfaden, weist dennoch – oder gerade deshalb – Qualität auf. Hat man sich besonnen? Womöglich. The Raven kehrt zurück zum roten Faden und versprüht Individualität, die abermals durch Härte und teils auch progressive Elemente zu glänzen weiß. Die Mercyful Fate ähnlichen Chöre ab der Mitte des Songs sorgen bei mir in der Tat für hochgezogene Augenbrauen. Das gefällt mir sehr und ist gekonnt vorgetragen, das Solo ist von hoher Güte. Vermutlich der eigenwilligste Song auf diesem Album.

Black Widow, wie auch A Thief Inside, gleiten auf der Woge des hohen Niveaus der Scheibe mit, letzterer Song lässt erneut markante Vergleiche zu den Gesangsqualitäten von Mike Howe zu.

Feeding The Machine wird als 180 Gramm schwarzes Vinyl plus CD, limitiertes CD-Digipak und auf allen digitalen Plattformen veröffentlicht und kann u. a. hier erworben werden. Als Bonustrack wird auch auf der Limited Edition CD Digipak das Angel Witch Cover Atlantis enthalten sein.

Wolf – Feeding The Machine
Fazit
Wolf füttern mit Feeding The Machine beileibe nicht nur die Maschine, sie füttern die Massen. Der Verzehr fällt leicht und bekommt sehr gut. Aus meiner Sicht herausragend ist die stets vorhandene musikalische Verbindung zu den Outputs von Metal Church. Wem das gefällt, der wird dieses Album lieben und davon gehe ich aus. Zur Höchstnote reicht es hier zwar nicht, aber ich kann mir vorstellen, sollte das Potenzial in vorgenannte Richtungen weiter verfeinert werden, können Wolf ihren Status in der Szene weiter verfestigen. Im Jahr 2020 sicher eines der besseren Neuerscheinungen!

Anspieltipps: Shoot To Kill, The Cold Emptiness und Devil in Flesh
Peter H.
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