Der VW Golf des Modern Groove Metals meldet sich mit Album Nummer 10 zurück
VW Golf? Nun, Lamb Of God und der VW Golf haben viele Gemeinsamkeiten … fast allen bekannt, grundsolide, nie wirklich schlechte Arbeit abgeliefert, erstaunlich viele Fans, aber es bleibt eben ein Golf und kein Audi oder gar Porsche…
Im Falle von Lamb Of God drückt sich das so aus: Vor langer Zeit, 1994 in Richmond gegründet, bereits neun Alben veröffentlicht, über drei Millionen verkaufte Alben, fünf Grammy-Nominierungen, über eine Milliarde Streams, zweieinhalb Millionen monatliche Spotify-Hörer, alle sechs vorangegangenen Alben nacheinander mindestens in den Top 15 der Billboard 200 debütiert. Durchaus schwergewichtig also.
Nun also Jubiläumsalbum Nummer zehn, frisch mit neuem Logo, was aber in etwa so (un)wichtig ist wie die neueste Variante der Rückleuchten beim Golf. Stellt sich also die Frage, ob der Fünfer um Brüllwürfel Randy Blythe und Gitarrist Mark Morton uns einen schicken GTI wie derzeit mit den früheren Alben Ashes Of The Wake, Sacrament oder Wrath präsentiert, oder eher biedere Durchschnittskost wie auf den neueren Alben?
Um es vorwegzunehmen: Es bleibt bei grundsolidem Durchschnitt mit Ausreißern nach oben. Der Titeltrack als Opener sowie Parasocial Christ bieten zunächst mal einen guten Einstieg mit klassischer Lamb Of God-Kost, thrashig-grooviger, moderner harter Metal mit Randys angenehm räudigem, angepisstem Gesang irgendwo zwischen Thrash und Death Metal. Dann kriecht Sepsis deutlich doomiger mit fast schon Spoken-Word-Passagen durch die Boxen und pendelt höchst unüberzeugend zwischen Galopp und Breakdown hin und her. Leider nicht der einzige Ausfall, auch A Thousand Years enttäuscht mit ödem Wechselspiel und misslungener Variabilität im Gesang. Der Motor stottert also ab und an, und auch Standardware wie St. Catherine’s Wheel, Bully oder Devise/Destroy macht die Karre nicht zum Überflieger.
Aber, und auch das gehört zur Wahrheit dazu, verbergen sich auch der eine oder andere Turbolader und Heckspoiler auf dem Album: So ist der beste Song Blunt Force Blues ein äußerst heavy tönender Midtempo-Groover, der live sicherlich hervorragend funktioniert, und auch The Killing Floor kann mit seiner Nähe zu Fear Factory als klassischer Kopfnicker mit typischen Rhythmuspattern und Stakkato-Riffing absolut überzeugen. Als verspielter Heckspoiler sitzt das balladeske El Vacio in der Albummitte und bietet mit unverzerrten, melodischen Gitarren im Intro und cleanem Gesang eine willkommene Verschnaufpause. Durchaus „experimentell“, aber überzeugend. Ein weiterer Pluspunkt sind die Lyrics, in denen Randy Blythe die aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen in den USA kritisiert.
Lamb Of God bleiben mit Album Nummer zehn weiterhin eine erfolgreiche, sympathische Band, die allerdings seit einiger Zeit auf der Stelle tritt. Man möchte ja irgendwie, aber dadurch, dass man ständig das Gefühl hat, da könnte noch viel mehr gehen, bleiben Lamb Of God eines der größeren uneingelösten Versprechen der amerikanischen Metalszene.
HIER! geht es für weitere Informationen zu Lamb Of God – Into Oblivion in unserem Time For Metal Release-Kalender.



