Event: Kreator – Krushers Of The World Tour 2026
Bands: Kreator, Carcass, Exodus, Nails
Ort: Inselpark Arena, Kurt-Emmerich Platz 10, 21109 Hamburg
Datum: 17.04.2026
Kosten: VVK circa 56 € plus Gebühren, AK n.a.
Zuschauer: ca. 2000 Menschen
Genre: Thrash Metal, Death Metal, Melodic Dath Metal, Power Violence
Link: https://inselparkarena.de/
Setlisten:
- Seven Serpents
- Hail To The Hordes
- Enemy Of God
- Satanic Anarchy
- Hate Über Alles
- People Of The Lie
- Betrayer
- Krushers Of The World
- Hordes of Chaos (A Necrologue For The Elite)
- Satan Is Real
- Loyal To The Grave
- Phantom Antichrist
- Endless Pain
- 666 – World Divided
- Violent Revolution
- Pleasure To Kill
- Unfit For Human Consumption
- Buried Dreams
- Incarnated Solvent Abuse
- No Love Lost
- Death Certificate
- Dance Of Ixtab (Psychopomp & Circumstance March No. 1 in B)
- Genital Grinder
- Exhume To Consume
- Corporal Jigsore Quandary
- Heartwork
- 3111
- Bonded By Blood
- Deathamphetamine
- Blacklist
- Goliath
- A Lesson In Violence
- The Toxic Waltz
- Strike Of The Beast
Kreator sind in Hamburg. Seit 2024 kommen die Ruhrpott-Thrasher anscheinend gerne in die Hansestadt. Kurz vor Weihnachten 2024 mit Testament und Anthrax, dann im Sommer 2025 auf dem Großmarktgelände zum Elbriot. Keine neun Monate später nun also wieder in der Sporthalle im Stadtteil Wilhelmsburg, in der wegen der Holzverkleidung keine Pyrotechnik eingesetzt werden darf.
Viele Dinge sorgen dafür, dass die Menschen gerade andere Sorgen haben als den Besuch eines Konzerts. Kaum mehr als knapp 2000 Fans kommen nach Wilhelmsburg und der Oberrang ist abgesperrt. Der Preis für das Ticket ist für das Band-Package absolut okay. Aber viele Menschen benötigen den PKW, um nach Hamburg zu kommen, und die Kosten für Fahrt und Co. schrecken Fans anscheinend ab. Dazu geht es früh los, für Hamburg eigentlich fast zur Mittagszeit. Um 17 Uhr öffnen sich bereits die Pforten. Die Leute kommen erst langsam in die Halle. Das angenehme Wetter lädt zum Verweilen vor der Halle ein und erst um 18:20 Uhr steht mit Nails die erste Band auf den Brettern.
Auf die Ohren gibt es Power Violence, eine wilde Mischung aus Hardcore, Grindcore und Punk, wobei die Saitenarbeit nicht unbedingt filigran verrichtet wird. Nails kommen aus Kalifornien und sorgen dafür, dass jeder Mensch, der bereits vor Ort ist, auf jeden Fall wach und mit einem durchgepusteten Gehörgang in der Halle steht. Wenn nach einem derartigen Geballer einer der besten, wenn nicht sogar der beste Thrash-Metal-Gitarrist aufläuft, dann könnte der Kontrast kaum größer sein.

Kurze Umbaupause, dann kommen Gary Holt und seine Mitstreiter bereits auf die Bühne. Exodus sind gegen 19 Uhr am Start und in dem Paket etwas verschenkt. Allein die Saitenarbeit von Holt ist herausragend, und wenn eine Band Kracher wie Bonded By Blood, Deathamphetamine, A Lesson In Violence oder The Toxic Waltz im Repertoire hat, dann muss Sänger und Rückkehrer Rob Dukes nicht viel tun, um die Meute vor der Bühne sicher im Griff zu haben. The Toxic Waltz leitet Holt speziell ein und erinnert an seine Slayer-Zeit mit einem kurzen Reign In Blood-Snipset. Eigentlich könnte Holt die gesamte Nummer nur instrumental spielen, das wäre bestimmt ein Highlight im Set.
Exodus sind verschenkt
Gerade einmal 45 Minuten haben Exodus und räumen mit Strike Of The Beast bereits wieder die Bühne. Zum Schlussakkord springt ein verkleideter Gitarrist gemeinsam mit Lee Altus auf der Bühne umher. Jemand von der Crew? Oder von Kreator? Einen Fan holt Altus auch noch auf die Bühne für das stimmige Abschlussbild. Bis auf das langatmige Goliath, den Titeltrack des neuen Langdrehers, ein mehr als rundes Set, das nur viel zu kurz war. Exodus dürfen gerne wiederkommen und Rob Dukes passt heute weit besser ins Bandgefüge als noch beim Rock Hard Festival 2025.

Es geht Schlag auf Schlag. Einige Minuten nach 20 Uhr stehen Carcass auf der Bühne, die vor allem einen Querschnitt ihrer frühen Werke mit dem Scope auf Heartwork aus dem Jahr 1993 den Leuten auf die Ohren klatschen. Wer sich etwas mit der Band auskennt, der dürfte über die seltsamen lyrischen Ansätze der Truppe aus Liverpool, die verschiedene medizinische Fachbegriffe zu einem Text verarbeiteten, gestolpert sein. Es geht um den zerhackten Zwölffingerdarm und eine herausgezogene Speiseröhre. Die Band selbst betrachtete die Lyrics als komplett drüber, sodass kein Mensch diese Texte ernstnehmen kann.
Carcass dürfen gerne wiederkommen
Musikalisch geht es ähnlich derb zur Sache, wobei mit Genital Grinder selbst ein Stück vom Debüt Reek Of Putrefaction den Weg auf die Setliste gefunden hat. Technisch wissen die Protagonisten genau, was zu tun ist, auch wenn mit Waltteri Väyrynen ein Live-Drummer die Felle verhaut. Das ist aber nicht irgendein Drummer. Väyrynen ist aktuell bei Opeth und war früher unter anderem bei Paradise Lost und Bodom After Midnight aktiv. Die 45 Minuten wissen Bill Steer und Jeff Walker für sich zu nutzen und legen einen mehr als nur überzeugenden Gig aufs Parkett, bei dem Sound, Performance und Intensität kaum Wünsche offenlassen. Auch Carcass dürfen gerne für eine Headliner-Show zurückkehren.

Finale Umbaupause und ein Vorhang verdeckt die Sicht auf die Aktivitäten. Run To The Hills als Vorbereitungsmusik geht immer. Ein kurzer Film leitet zum Opener Seven Serpents über. Der Vorhang fällt und die Bühne präsentiert sich mit reichlich Deko. Eine Art Wikingerschiff bildet das Grundgerüst für die Drums von Ventor. Das Bild erinnert in Teilen eher an Amon Amarth als an eine deutsche Thrash-Metal-Legende. Überhaupt sind an jeder freien Position irgendwelche Utensilien platziert, wobei der Mascot Case die Bühnenränder flankiert. Mit Hail To The Hordes legen die Herren den ersten Klassiker auf die Bretter, gefolgt von Enemy Of God.
Kreator erinnern an ihre Anfangszeit
Neben der Überdekoration fallen schnell die bekannten Ansagen von Sänger und Gitarrist Mille Petrozza nur bedingt positiv auf. Noch eine Wall of Death und einen Circlepit und vielleicht noch einen Kopfstand? Ja, Crowdsurfer kommen auch. Aber die kommen auch ohne Aufforderung, wenn die Musik richtig abgeht. Trotzdem knallt Betrayer auch 2026. Das Ding hat so viel Brimborium nicht nötig. Die Fans sind heute die Hordes Of Chaos und das düstere Satan Is Real muss ebenfalls sein. Die Fledermaus oder Engelsflügel, die sich Mille bei Loyal To The Grave umschnallt, sind leider schwach in Szene gesetzt und unterm Strich nicht mehr als Standard.

Da bieten die Anfänge mit Endless Pain deutlich mehr. Mille erinnert daran, dass Kreator seit 40 Jahren auf der Bühne stehen und 1986 mit der Hell Comes To Town Tour erstmals in Hamburg auftraten. Warum die Band aber vom Jubiläumsalbum Pleasure To Kill gerade einmal den Titelsong zum Abschluss der Show präsentiert, ist angesichts der Historie kaum nachvollziehbar. Auch das Konfetti obendrauf wirkt noch immer komisch und zumindest zu den Lyrics, in denen Zombies möglichst viele Menschen nehmen wollen, deplatziert.
Pünktlich um 23 Uhr endet die Show und die Fans verlassen die Location. An der S-Bahn-Station wird gefachsimpelt und Kreator bekommen nicht nur einmal das Feedback „routiniert, aber ich hätte mehr erwartet“. Aber wer weiß – eventuell haben Mille und Co. zum Geburtstag von Pleasure To Kill noch ein Ass im Ärmel. Insgesamt war es ein starker Thrash-Metal-Abend, an dem Carcass und Exodus mit dem Headliner mehr als nur auf Augenhöhe waren.



































