Iotunn auf „Kinship European Tour 2026“ am 25.04.2026 im Kronensaal Hamburg

Iotunn werden ihrer Rolle als Headliner mehr als nur gerecht

Event: Kinship European Tour 2026

Support: In Vain, Nephylim

Datum: 25.04.2026

Ort: Kronensaal, Hamburg

Genre: Melodic Death Metal,  Progressive Metal, 

Besucher: 350

Kosten: 24 € VVK, 28 € Abendkasse

Setlisten:

  1. Travail Pt I – Anima
  2. Travail PtII – Anumus
  3. Amaranth
  4. Withered
  5. Fractured Existence
  6. Inner Paradigm
  7. Grand Denial

  1. Shadows Flap Their Black Wings
  2. Blood We Shed
  3. Hymne Til Haved
  4. Seasons Of Unrest
  5. Captivating Solitude
  6. Seekers Of The Truth
  7. At The Going Down Of The Sun
  8. Image Of Time

Encore:

       9.  Against The Grain

  1. Twilight
  2. Mistland
  3. Safe Across The Endless Night
  4. Kinship Elegiac
  5. Earth To Sky
  6. The Tower Of Cosmic Nihility
  7. The Anguished Ethereal
  8. Laihems’s Golden Pits

Im Rahmen ihrer European Kinship Tour macht die dänisch/färöische Band Iotunn Halt in Hamburg. Das Konzert war zunächst in der Bambi Galore vorgesehen, aber aufgrund der immensen Nachfrage musste das Ereignis in den Kronensaal verlegt werden. Somit wachsen Iotunn langsam aus dem Geheimtipp-Status heraus und bekommen den Status, den sie verdienen. Seit ungefähr drei Jahren geht es stetig nach oben, und wenn sie diesen Weg weiter beschreiten, steht einer großartigen, international erfolgreichen Band nichts im Wege. Der Verlauf der Tour liest sich bereits wie eine Erfolgsgeschichte, und nicht wenige der Events meldeten „Sold out“. Heute ist noch etwas Platz, aber es war die richtige Entscheidung, aus der nur 180 Personen fassenden Bambi Galore in den größeren Kronensaal zu wechseln. Als Support haben sie die Norweger von In Vain und die niederländische Melodic-Death-Metal-Band Nephylim dabei. Beide Bands spielen abwechselnd zuerst oder als Zweite, und heute dürfen Nephylim anfangen. Beginn ist erst um 20:00 Uhr, was für einen langen Abend sorgen dürfte. Trotz der langen Spielzeit der einzelnen Bands hoffe ich auf eine Möglichkeit, Iotunn zu treffen. Gern wäre ich auch zu weiteren Konzerten gegangen, aber das geht im Moment leider nicht. Beim Warten in der Schlange haben wir dann noch schnell etwas Werbung für die Fanpage von Iotunn gemacht und hoffen so, die Zahl der Mitglieder zu erhöhen (den Link zur Seite findet ihr hier).

Die Gefallenen Engel starten in den heutigen Abend

Nephylim, Kronensaal Hamburg, 25.4.2026, Bild: Kay L.

Was soll ich sagen: Die erste Stunde hat es in sich. Zunächst ist der Kronensaal noch nicht ganz voll, da wohl einige den Einlass um 20:00 Uhr, wie es auch auf der Seite steht, erwarten. Damit wäre der Beginn erst um 20:30 Uhr gewesen, aber das ist alles eine halbe Stunde vorverlegt, da wäre eine einheitliche Kommunikation schon hilfreich. Im Foyer haben wir bereits Søren getroffen, der als Merch-Manager von Iotunn fungiert. Ansonsten ist er auch immer beim Epic Fest anzutreffen oder als Tontechniker bei den Dänen. Dort sitzt aber heute Oliver, der ja aufgrund eines fehlenden Passes von Jón Aldará in Istanbul als Sänger aushelfen musste. Glücklicherweise ist das in Deutschland kein Problem, und so ist der eigentliche Sänger heute am Start. Nun aber zu den Niederländern, die mit dem Instrumental Travail Pt. I – Anima beginnen und sofort im Anschluss den zweiten Part Travail Pt. II – Animus folgen lassen. Dadurch, dass ich direkt an der Bühne stehe, bläst es mich fast um. Was für eine Wand fahren die da auf! Sänger Tijn Bosters überzeugt durch markigen Gesang, der den typischen Göteborger Sound transportiert, obwohl es Niederländer sind. Zwei Gitarristen untermalen die Songs mit ihren Riffs, während Drums und Bass einen Unterbau schaffen, der gut zum Gesamtkonzept passt. Die fünf haben gut eine Stunde Zeit, die sie voll auskosten. Amaranth, Withered und auch Inner Paradigm liefern eine gut durchdachte Setlist. Mit dem Licht kann man arbeiten, und was die Mischer am Sound machen, ist klasse. Dazu kommen die teilweise wilden Bemalungen, die die Musik untermauern. Die Zeit vergeht schnell, und mit Grand Denial endet der Auftritt. Das war schon mal eine positive Überraschung, und bereits da ist der Abend ein voller Erfolg. In der Umbaupause treffe ich dann im Backstage-Bereich Jens Nikolai und Björn Wind Andersen, die vor ihrem Auftritt noch etwas entspannen. Wir wechseln ein paar Worte, und dank meiner Kollegin Michelle gibt es noch ein Erinnerungsfoto.

In Vain liefern ebenfalls ab, auch wenn die Messlatte hoch hängt

In Vain, Kronensaal Hamburg, 25.4.2026, Bild: Kay L.

Jetzt muss erst mal das Schlagzeug von Nephylim abgebaut werden, denn In Vain nutzen das Equipment von Bjørn Wind Andersen. Dazu gibt es noch ein paar Neonröhren, die schön Licht von vorne projizieren. Es zeigt sich aber, dass es nicht so schlimm ist, wie zunächst befürchtet. Die Norweger machen eher progressiven Black/Death Metal. Mir persönlich gefällt es an vielen Stellen, da auch hier der druckvolle Sound für ein gutes Hörerlebnis sorgt. Shadows Flap Their Black Wings beginnt und zeigt, wo die Reise hingeht. Seit diesem Jahr steht Kjetil Alver Lund am Mikro und macht seine Sache in meinen Augen gut. Nun habe ich allerdings keinen direkten Vergleich zum vorherigen Sänger. Auch In Vain setzen auf zwei Gitarristen, die für den entsprechenden Black-Metal-Vibe sorgen. Das Faible für Grün und Rot macht sich dann doch in den Bildern bemerkbar. Zu aller Überraschung bewegt sich Gitarrist Johnar Haaland runter von der Bühne in die Menge und spielt da seine Riffs weiter. Es bildet sich ein Rund, in dem der Musiker sich bewegt. Die Menge geht gut mit, und scheinbar sind die Männer aus Kristiansand durchaus bekannt. Bassist Sander Batuhan Tesdal kommt mit seiner Tolle eher wie einem anderen Genre zugehörig daher, aber auch er ist Vollblutmetaller. Auch hier gibt es eine Stunde Spielzeit, wobei die Band noch mit einer Zugabe aufwartet. Natürlich hat Kjetil dazu aufgefordert, und somit lassen In Vain mit Against The Grain ihren Auftritt ausklingen.

Die Headliner wissen, wie man abräumt

Iotunn, Kronensaal Hamburg, 25.4.2026, Bild: Kay L.

Und dann kommen Iotunn unter aufbrausendem Beifall auf die Bühne. Als Letzter Jón Aldará, wie immer mit der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. Darunter sein geschminktes Gesicht, das nur ab und an teilweise zu sehen ist. Direkt vor mir steht Jesper, und auf der rechten Bühnenseite sein Bruder Jens Nicolai. Bassist Eskil ist auf der Bühne viel unterwegs, und die prägenden Bassläufe erfüllen den Raum. Twilight eröffnet und fängt einen von der ersten Minute an ein. Die Songs der Dänen sind nicht kurz, sondern ausufernd, komplex und energiegeladen. Immer wieder wechseln sich die Brüder Gräs in den Soli ab, wobei das Klanggewitter den ganzen Raum füllt. Bjørn ist hinter seinem Drumkit nur schwer auszumachen, aber sein energetisches Spiel treibt die Songs voran. Im letzten Jahr hat sich Jón Aldará ja eine kleine Auszeit genommen und wurde durch Morten Bering Bryld ersetzt. Heute erfährt man, warum es gerade Jón am Mikro sein muss. Er vermag es, den Songs das Besondere zu entlocken. Er lebt die Tracks, und das wird in jedem Ton und jeder Bewegung deutlich. Er schafft es, das etwas notwendige Leiden songgerecht zu transportieren. Mistland folgt, und auch hier wird wieder klar, was der Fünfer aus den dänischen und färöischen Landen kann. Die Menge geht mit, und nicht wenige lauschen den Klängen mit geschlossenen Augen. Es ist keine Musik zum Abhotten oder wilden Bangen, eher etwas, um in Sphären abzutauchen und die Töne wirken zu lassen. Die meisten Songs sind über acht Minuten lang, atmosphärisch und nie langweilig.

Iotunn, Kronensaal Hamburg, 25.4.2026, Bild: Kay L.

Mit Safe Across The Endless Night kommt ein erster Track des vorletzten Albums Acess All Worlds, das in einer speziellen Auflage am Merch zu holen ist. Der Track passt gut in die Setlist, auch wenn die meisten Songs von Kinship stammen. So auch das gut 13-minütige Kinship Elegiac. Die Songs weisen wenig Abweichungen von der Platte auf, nur die Songs sind etwas rauer, eben live. Der Mikroständer von Jón Aldará hat oben einen Spot eingebaut, der über die Decke und das Publikum wie ein Lichtschwert gleitet und zusätzlich Atmosphäre verbreitet. Ansonsten ist das Licht eher verhalten und den Songs angepasst. Ich nutze die Gunst der Stunde und mache Bilder von der Galerie, auf der auch Musiker von Nephylim und In Vain Platz genommen haben. Warum Iotunn Headliner sind, wird bei diesem Auftritt klar. Es folgen noch Earth To Sky, das einfach dazugehörende The Tower Of Cosmic Nihility, The Anguished Ethereal und als letzter Song Laihem’s Golden Pits. Der anschließend aufbrausende Beifall reißt einen aus der Klangwelt von Iotunn. Es gibt keine Zugabe, sondern an dieser Stelle ist es dann einfach zu Ende. Für mich und viele andere hätte sicherlich noch mehr kommen können, aber das passt schon so. Die Band ist happy, und auch das Publikum ist geflasht von dieser Präsenz. Schon lange sage ich: Das wird etwas Großes, und der Weg steht ihnen offen. Bleiben sie ihrer Linie treu, dürfte sich die Anhängerschar schnell vergrößern.

Der Saal leert sich schnell, auch wenn der Merch noch dicht umlagert ist. In Vain und Nephylim sind bereits vor Ort und machen das, was Bands eben so machen. Signieren, mit den Fans quatschen, Bilder als Erinnerung schießen und mit der Presse (uns) reden. So haben wir einige nette Minuten mit Sänger Tijn und Bassist Lorenzo Mulsch. Leider schaffen es Iotunn, bis auf Jón Aldará, nicht mehr, zum Merchstand zu kommen. Der Abbau hat Vorrang, denn auch der Kronensaal will pünktlich schließen. Schade, denn ich hatte auf ein paar Worte mit den übrigen Musikern gehofft, und so müssen auch meine Platten unsigniert wieder mit nach Hause. Aber da wird es sicherlich noch Gelegenheit geben.

So haben wir die Zeit genutzt und uns mit Nephylim unterhalten, die sehr aufgeräumt und herzlich sind. Insgesamt mal wieder ein gelungener Abend in der Bambi Galore beziehungsweise im Kronensaal.