Eventname: Heimspiel 2026
Künstler: Erik Cohen
Ort: Die Pumpe, Kiel, Schleswig-Holstein
Datum: 02.05.2026
Kosten: VVK 29,70 € plus Gebühren, AK 32,00 €
Genre: Deutschrock, Rock
Zuschauer: etwa 400
Link: https://www.facebook.com/erikcohenofficial/
Setlist:
- Fährwolf
- Stadt
- Stadion
- Schattenland
- Diamant
- Rote Erde
- Reeperbahn
- Wölfe
- Schleswig-Holstein
- Lokomotive
- Neues Blut
- Hier Ist Nicht Hollywood
- Gelsenkirchener Barock
- Dirigent
- Bomberjacken
- Club Pinasse
- Mexikanische Lieder
- Englische Wochen
- Der Goldene Reiter
- Chrom
Zugabe: - True Blue
- Megalodon

Es gibt Konzerte – und es gibt Heimspiele. Wenn Erik Cohen in Kiel ruft, dann kommt nicht nur das Publikum, sondern ein Stück lokaler Rockgeschichte zusammen. In der gut gefüllten Pumpe zeigt der gebürtige Kieler eindrucksvoll, warum er seit Jahren zu den eigenständigen Stimmen im deutschsprachigen Rock gehört. Kein Support, keine Vorrede, kein Warm-up sondern nur Cohen und seine Band. Und das reicht vollkommen. Die Show wurde bewusst als „Heimspiel“ angekündigt und steht auch im Zeichen neuer Songs auf dem Weg zum nächsten Studioalbum.
Wer Erik Cohen verstehen will, muss bei Smoke Blow beginnen. Unter dem Namen Sebastian Madsen Letten, in der Szene als Jack Letten bekannt, war er Frontmann der Kieler Hardcore-/Rock-Institution. Nach dem Rückzug der Band aus dem regulären Albumgeschäft startete Cohen seine Solokarriere und erschuf sich mit Alben wie Nostalgie Für Die Zukunft, Weißes Rauschen oder Northern Soul ein eigenes Universum zwischen Hard Rock, Punk, Metal und Classic Rock.

Wie in den vergangenen Jahren auch, gibt es keinen Supportact. Der Konzertstart war für 20:30 Uhr angekündigt, jedoch lassen sich die Jungs noch etwas Zeit. Ein paar Minuten später verdunkelt sich der Saal, die Band betritt ohne große Gesten die Bühne und legt direkt los. Vom ersten Riff an ist klar: Hier wird nicht vorsichtig eingestiegen, hier wird sofort geliefert.
Cohen wirkt motiviert, hat ein Trikot der dänischen Nationalmannschaft an. Ein Heimspiel in Kiel ist nicht irgendein Tourtermin, sondern ein emotional aufgeladener Abend mit alten Weggefährten und treuen Fans. Stücke wie Bomberjacken, Club Pinasse, Reeperbahn oder Schleswig-Holstein entfalten enorme Wucht, ohne in stumpfe Härte zu kippen. Stattdessen zeigt sich ein Songwriter, der weiß, wie man große Hooks schreibt, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Besonders stark ist die Balance zwischen Härte und Gefühl. Wo andere Rockacts nur drücken, lässt Cohen Raum für Melancholie, Pathos und nordische Weite. Seine Mannschaft faucht er nach Englische Wochen an. Das war unsauber gespielt, sie mögen doch mehr zu den Proben erscheinen.

Spannend wird es immer dann, wenn neues Material auftaucht. Bereits im Vorfeld war angekündigt worden, dass im heutigen Konzert auch neue Lieder präsentiert werden sollen. Genau diese Momente werden vom Publikum neugierig aufgenommen. Die frischen Stücke Rote Erde und Megalodon wirken roh, direkt und gleichzeitig erstaunlich ausgereift. Sie fügen sich nahtlos in den bestehenden Katalog ein. Wenn das kommende Album dieses Niveau hält, dürfte 2026 ein starkes Cohen-Jahr werden.
Die Pumpe ist für Kiel mehr als nur eine Location, sie ist eine Institution, Treffpunkt und musikalisches Wohnzimmer. Für einen Künstler wie Daniel Geiger, wie Erik Cohen bürgerlich heißt, dessen Karriere eng mit der Stadt verbunden ist, gibt es kaum einen passenderen Ort. Die Nähe zwischen Bühne und Publikum sorgt für eine Intensität, die größere Hallen nicht erreichen können. Einen „Fotograben“ oder eine Absperrung vor der Bühne gibt es heute nicht.

Zwischen den Songs wird gescherzt und natürlich ist auch der heute erfolgte Klassenerhalt der Kieler Störche ein Thema. Je länger der Abend dauert, desto größer wird die Dynamik im Saal. Vor der Bühne wird mitgesungen, Fäuste recken sich in die Luft. Im finalen Drittel zündet die Band noch einmal ein echtes Hitpaket, das die Pumpe endgültig zum Kochen bringt.
Erik Cohen zeigt in Kiel wieder einmal, warum er im deutschen Rock eine Ausnahmefigur bleibt. Verwurzelt im Punk, offen für große Melodien, metallisch genug für Härtefans und intelligent genug für alle, die mehr wollen als bloße Lautstärke. Ohne Support, ohne unnötigen Zierrat, dafür mit einer starken Band und einem Publikum im Rücken ist das Heimspiel in der Pumpe ein voller Erfolg.









