Wie im richtigen Leben – also wie in einem guten Horrorfilm – gibt es viele authentische und liebevolle Momente und ebenso viel zusammengeschusterten Trash. Diese These gilt selbstverständlich auch für das Genre des Horror Punks. Viele Bands machen großartige, stimmungsvolle Gruselmusik, andere wiederum rotzen ihre Songs nur so raus, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft. Die Liebe zum Detail macht eine veritable Horror-Punk- oder Horror-Metal-Band aus. Die schwedischen Ghoulies The Ghoulstars sind auf jeden Fall Too Ghoul For School und ihr Debütalbum The Dark Overlords Of The Universe ist wie ein guter Gruselfilmabend mit zu viel Chips, Popcorn und Bier und noch mehr Blödsinn.
Der Einstieg gelingt den Ghoulstars mit Too Ghoul For School ganz ordentlich mit schaurigen Gitarreneffekten, rocken-rolligen Klatschrhythmen und einem ekelig klebrigen Refrain. Die vier rauschebärtigen Finnen wissen, welche Monster sie zu zitieren und aus welchen Särgen sie Leichenteile zu stehlen haben. Pfeifend – weder Wind Of Change noch Roger Whittaker – offerieren sie den Metalheads den Tod im Fegefeuer in bester Power-Metal-Manier. Die Zombie Apocalypse ist der finnischen Schöpfung nach sehr Metal-lastig mit stilechten Filmzitaten versehen. Der Chorus zu The Dark Overlords Of The Universe haut dem Fass Amontillado dann wirklich den Boden raus mit seiner kitschig-naiven Kinderlied-Intonation. Bis hierher lässt sich nicht viel Aufregendes auf den finnischen Friedhöfen ausfindig machen, außer die typischen Schatten.
Mumien, Monstren, Mutationen – alles gute Freunde
Ed Wood leitet den zweiten Teil des Opus mit The Brain That Wouldn’t Die ein, möchte der geneigte Grusel-Enthusiast attestieren. Dabei lässt der Song aufgrund der groovigen Grundausrichtung darüber hinaus den guten Herrn Rob Zombie auferstehen. Von nun an nehmen die Ghoulstars Fahrt auf: Geister- trifft auf Achterbahn. Graverobbers From Outer Space bohrt sich so tief und unnachgiebig in die Gehörgänge, wie die Schrauben eines mittelalterlichen Folterinstruments. Und der mitreißende Refrain hat wahrlich Misfits’sche Größe. Auf ähnlichem Niveau lässt The Ballad Of The Cursed Bandits das Blut pulsieren. Bilder von boshaften Wegelagerern, die im Wahn bei Nacht und Nebel um ein Feuer tanzen, ziehen vor dem inneren Auge vorbei. Wer traut sich, in den ruchlosen Reigen einzutreten? Es soll sein oder ihr Schaden nicht sein.
Geschichten über klassische Blutsauger in den skandinavischen Gravelands dürfen natürlich nicht fehlen. The Ghoulstars entstauben die alten Sagen in einem leidenschaftlichen Rausch. Keine Spinnenwebe bleibt dabei im Gebälk hängen. Zum Abschied tanzen noch sämtliche Hexen, Zauberer, Werwölfe und Ungetüme auf den Grabstätten, derjenigen Meister, die den schändlichen Tritonus in die Welt gebracht haben. Bevor der Morgen dämmert, liefert der grusel-schunkelige Finnen-Vierer gute B-Ware à la Roger Corman ab. Neben den fünf von der Hand abgetrennten Großtaten herrscht doch noch zu viel Mediokrität in ihren weiteren Erzählungen. Doch die Zeichen an der Wand deuten ein verstecktes Potenzial an, das uns den Weg zum Tag X beschwingten Schrittes gehen lässt.
Hier geht es für weitere Informationen zu The Ghoulstars – The Dark Overlords Of The Universe in unserem Time For Metal Release-Kalender.



